Aachen - Jürgen Claus: Ein „Delfin der Avantgarde“

Jürgen Claus: Ein „Delfin der Avantgarde“

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Zusammen mit seiner Frau Nora betreibt er seit 2014 in Aachen die Künstlergalerie „project.claus . . .“: der in Berlin geborene Künstler und Taucher Jürgen Claus. In einer neuen Ausstellung zeigt er seine Werke neben denen seines langjährigen Freundes Otto Piene. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Jürgen Claus, 45 Jahre alt, ist der Delfin unter den Avantgardisten unserer Tage. Seit zehn Jahren taucht er so durch die Weltmeere, ein Cousteau der Kunst. Mitten in der Epoche der Weltraumfahrt propagiert er den Planeten Meer, den Ozean als Quelle des Lebens und der Fantasie. Kunst unter Wasser.“ Das schreibt Peter Sager 1980 im „Zeitmagazin“.

Eine Hommage an einen der wohl außergewöhnlichsten deutschen Künstler, der in den 60er, 70er und 80er Jahren wie kein anderer konsequent und beinahe visionär umweltbezogene Werke schuf, in die er das Meer, das Wasser und die Sonne einbezog. Seit 1989 lebt er mit seiner Frau Nora im ostbelgischen Baelen und in Aachen. Hier betreiben beide seit 2014 im Studentenviertel, in der Kuckhoffstraße, die Künstlergalerie „project.claus . . .“.

Eine neue Ausstellung führt ab diesem Freitag, 27. Februar (Eröffnung 18 bis 20 Uhr), unter dem Titel „Sky & Ocean“ zwei Künstler zusammen, die eine tiefe Faszination für die Urphänomene der Natur teilen – die Sonne und das Meer: Otto Piene und Jürgen Claus. Beide verband ab 1964 eine tiefe Freundschaft. Piene, Mitbegründer der Künstlergruppe Zero, ist 2014 im Alter von 86 Jahren in Berlin gestorben. Beide Künstler besuchten sich oft gegenseitig in Düsseldorf, München, Baelen und Boston.

Der „Delfin“ unter den Avantgardisten: Der gebürtige Berliner Claus tauchte mit Hans Hass und Jacques Cousteau in allen Ozeanen der Welt, organisierte in den 70ern Unterwasser-Performances in Australien, in der Karibik ließ er sternförmige Plastiken am Meeresboden schweben, filmte eine Unterwasser-Installation im Roten Meer, leitete noch nebenher die Tauchsportzeitschrift „Submarin – Magazin der Unterwasserwelt“, entwickelte Tauch-Choreographien im Meer, Pläne eines Unterwasser-Instituts, malte natürlich auch unter Wasser und und und. Eine Professur an der Kunsthochschule für Medien in Köln führte ihn schließlich in unsere Region – in Geilenkirchen lebten Verwandte.

Später geriet die Sonne in seinen künstlerischen Blick, er baute Sonnenpyramiden, Solarskulpturen mit leuchtenden Flächen und entwarf Glasfenster mit integrierten Solarmodulen. Hier kommt er denn auch Piene ganz nahe, der unserer All-mächtigen Energiequelle leuchtende Farbserigrafien widmete, die jetzt in „project.claus . . .“ zu sehen sind. Von Jazz und südlicher Sonne ließ sich Piene Anfang der Siebziger zu strahlenden Serien buchstäblich „heißer“ Farbe inspirieren.

Jürgen Claus, der auch noch eine ganze Bibliothek zur Medienkunst und ihrer Theoriebildung verfasst hat – ab 1986 hatte er einen Lehrauftrag für Kunst, Technologie und Umwelt an der Akademie der Bildenden Künste München, und von 1969 bis 1972 war er künstlerischer Mitarbeiter bei den Olympischen Sommerspielen in München – versprüht eine umwerfende Energie und Lebensfreude, dass man es nicht für möglich hält: Im Mai wird er 80 Jahre alt.

Fotos von seinen künstlerischen Unterwasser-Aktionen geben jetzt eine leichte Ahnung davon, mit welcher Leidenschaft der Mann seine Vision von einer erlebbaren Einheit von Meer und Mensch verfolgt hat. Und mit welcher Fantasie und Liebe er der Fauna und Flora des Meeres unermüdlich und mit stets wachsender Neugier schwarz-weiße-grau Bilder gewidmet hat – hochpräzise Strukturen von zauberhaften Unterwasserwesen, gezeichnet mit einem Tuschefüller, den die Architekten verwenden.

Ehefrau Nora, ein jung erhaltender Wirbelwind, hat die Hängung in den Räumen der freundlich hellen Galerie konzipiert.

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