József Ács hat ein Requiem von Leoncavallo rekonstruiert

Von: Pedro Obiera
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József Ács
Der Eschweiler Musiker József Ács hat ein Requiem von Leoncavallo rekonstruiert.

Aachen. Hätte Ruggero Leoncavallo nicht den „Bajazzo“ geschrieben, sein Name wäre in völlige Vergessenheit geraten. Dabei hat der 1919 verstorbene Opernkomponist eine Menge mehr zu bieten als nur diesen Verismo-Reißer.

Meint József Ács, der nun seine Rekonstruktion eines Requiems zur Uraufführung bringen wird, das als „bedeutendstes italienisches Requiem nach Verdis Geniestreich“ zu gelten habe. Dabei muss sich Ács, Pianist, Kirchenmusiker und Forscher, der bis Ende 2013 als Kantor an St. Peter und Paul in Eschweiler gewirkt hat, mit knappen Rudimenten eines Fragments begnügen, die insgesamt kaum mehr als 19 Seiten eines Klavierauszugs umfassen. Lediglich Introitus, Kyrie, das Benedictus und die erste Seite des „Dies Irae“ sind im uninstrumentierten Original vorhanden. Was tun mit dem Rest, von dem nicht einmal Skizzen existieren?

Gerade diese Sachlage weckte die Neugier des entdeckerfreudigen Musikers, der zuvor bereits verschiedene verschollene Werke von Franz Liszt, unter anderem eine große „Missa solemnis“ und ein frühes Klavierkonzert, aufführungsgerecht bearbeitete. Als er von der Existenz des Fragments hörte, das im Museum von Brissago im Tessin lagerte, besorgte er sich eine Kopie und ging auf Spurensuche. Fündig wurde er in einem aus San Remo beschafften Klavierauszug des letzten Werks des Meisters, der Oper „Edipo Re“ (König Ödipus), die eine Passage enthält, die mit dem „Dies Irae“ des Requiems nahezu identisch ist. Ács verpflanzte diesen Teil in das Chorwerk und durchpflügte noch andere Werke des Komponisten, allesamt weitgehend vergessene Opern-Raritäten wie etwa „Zazá“ oder „I Medici“. „Ich kann garantieren, dass jede Note von Leoncavallo stammt“, sagt Ács.

Drei Jahre forschte der Musiker und fügte die Teile zu einem klingenden Puzzle zusammen, das etwa 50 Minuten in Anspruch nimmt. Instrumentiert hat er es für großen Chor, nicht minder großes Orchester und drei Solisten. In seinem Mut zu diesem aufwendigen Experiment bestärkte ihn der Erfolg, den er mit einer Version für Chor, Klarinette, Violoncello, Kontrabass und Orgel erzielen konnte. Entstanden ist ein Requiem, das nach Ansicht von Ács durch „harmonische Kühnheiten und schöne Melodien“ sowie seinen veristischen Drive überzeugt.

Die Aachener Musikdirektion wird das Requiem am kommenden Samstag, 19 Uhr, in St. Michael (Jesuitenstraße 6; Eintritt frei) in großer Besetzung aus der Taufe heben. Opernchor und Sinfonischer Chor Aachen sind mit fast 100 Sängern dabei, das Sinfonieorchester, Irina Popova (Sopran), Louis Kim (Tenor) und Hrólfur Saemundsson (Bariton). Die Leitung übernimmt Generalmusikdirektor Kazem Abdullah. Damit kehrt Ács an eine seiner ersten Wirkungsstätten in Deutschland zurück. Nach Engagements bei den Olympischen Spielen in München war er als Korrepetitor am Aachener Theater tätig. Unter anderem seine sieben Töchter bewogen den Ungarn, die Kantorenstelle in Eschweiler anzunehmen, die er bis zu seinem Ruhestand wirkungsvoll bekleidete.

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