Köln/Aachen - Joe Cocker lässt in Köln die Gemeinde tanzen

Joe Cocker lässt in Köln die Gemeinde tanzen

Von: Albrecht Peltzer
Letzte Aktualisierung:
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68 Jahre und kein bisschen müde: Joe Cocker ließ es am Montagabend in der Kölner Lanxess-Arena richtig krachen. Das Konzert wurde für eine CD und DVD mitgeschnitten. Foto: Thomas Brill

Köln/Aachen. Joe lässt den Hut an – und hat alles im Griff. Seine achtköpfige Band, das Publikum in der nahezu ausverkauften Kölner Lanxess-Arena. Und seine Stimme. Markenzeichen seit eh und je. Rau, krächzend, schmeichelnd, kreischend. Natürlich: „You Can Leave Your Hat On“ wird er im Laufe dieses bemerkenswerten Abends singen. Und man ist geneigt, vor der musikalischen Leistung des fast 69-jährigen Engländers den Hut zu ziehen.

Mehr als 10.000 Menschen sind nach Deutz gepilgert, um Cockers Zwischenstopp am Rhein im Rahmen seiner „Fire it up“-Welttournee zu erleben. Generation 45plus, der eine oder andere Alt-68er. Ausgesprochene Fans, wie sie sich ein Künstler nur wünschen kann. Begeisterungsfähig vom ersten Ton an. Und durchaus sportlich. Aufstehen, hinsetzen im Vierviertel-Takt. Manch einer wird sich gefragt haben, warum die Halle komplett bestuhlt ist. Viele haben den ganzen Abend über kaum gesessen. Das spricht für Cocker und seine Band, die der Gemeinde mühelos die Feierabendmüdigkeit aus den Knochen rocken.

Einen „ganz besonderen Abend“ hat der Moderator vor Konzertbeginn angekündigt. Okay, das setzen wir mal voraus. Die Marke Cocker setzt hohe Maßstäbe. Ganz besonders aber will heißen: Die Show am Montagabend wurde für eine Veröffentlichung auf CD und DVD aufgezeichnet. Was durchaus seinen Charme hat. Was aber ebenso durchaus ein durchwachsenes Vergnügen sein kann. Denn der Publikumsraum selbst wird immer wieder – mal mehr, mal weniger dezent – ausgeleuchtet, die perfekt anmutende Light-Show auf der Bühne geht da bisweilen unter. Schade. Das war aber auch der einzige Wermutstropfen an diesem Abend.

Das Jackett legt Cocker schon nach dem Opener („I Come In Peace“) ab. „Feelin‘ Alright“ ist angesagt. Ein Klassiker. Wie sollte es anders sein: aus dem Jahre 1968. Aus der Feder von Dave Mason (Traffic), von Joe Cocker aber erst so richtig bekannt gemacht. Flower-Power-Feeling im Jahre 2013? Das geht, musikalisch. Cocker imitiert sich nicht selbst. Er singt authentisch, mit Power. Nicht mehr als mitunter etwas ungelenker Tanzbär wie zu den wilden Zeiten. Ein bisschen Luftgitarre gönnt er sich noch. Angedeutet, augenzwinkernd. Und natürlich den Luftsprung als Auftakt zum Schlussakkord des jeweiligen Songs. Nicht wie Hänschen Rosenthal, aber fast. Wer hat da eigentlich bei wem abgeschaut?

„Give Me A Ticket To An Aeroplane“, „When The Night Comes“ oder „Come Together“ – Cocker gibt gleich zu Beginn die Richtung vor: Ein wenig Aktuelles und deutlich mehr Feinstes aus dem Back-up-Katalog werden serviert. Und das Publikum darf mitspielen. „Bitte benutzen Sie jetzt die Klick-lichter“ liest man auf den großen Leinwänden, während die Band „Up Where We Belong“ intoniert. Am Eingang sind diese LED-Leuchten zu Tausenden verteilt worden, jetzt tauchen sie die abgedunkelte Arena in ein Meer weißer Punkte. Wie ein Moment für die Ewigkeit – oder für die kommende DVD. Perfekt inszeniert.

Und als Cocker danach den Seinen huldigt („You Are So Beautiful“), schließlich seine aktuelle Hitsingle „Fire It Up“ ins Hallenrund schickt, gibt es ohnehin kein Halten mehr. Da spielt sich die wunderschöne Ballade „N‘oubliez Jamais“ quasi von alleine, bei „Unchain My Heart“ krempelt Cocker nicht nur im Wortsinn die Ärmel hoch und setzt zum Schlussspurt an: Der Beatles-Klassiker „With A Little Help From My Friends“ war sein Startsignal für eine Weltkarriere, der Lennon/McCartney-Song setzt den Schlussakkord des gut eineinhalbstündigen Programms, die mit zwei Zugaben noch garniert werden. Der Saal tobt – und wir lassen den Hut nicht an.

Lust auf mehr Cocker? Das geht am 2. September. Der Sänger kommt nach Aachen. Im Rahmen der Kurpark Classix spielt er open air an der Monheimsallee. Karten gibt es in allen Vorverkaufsstellen Ihrer Tageszeitung.

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