Jelinek-Stück „Rechnitz” sorgt weiterhin für Ärger

Von: Christian Wolf, dapd
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Düsseldorf. Die Aufführung des Theaterstückes „Rechnitz (Der Würgeengel)” von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek sorgt weiter für Kontroversen am Düsseldorfer Schauspielhaus. Nachdem die Theaterleitung am Montag erstmals vor Beginn des Stückes eine Einführung in die Inszenierung angeboten hatte, verließen dennoch rund 40 Menschen zur Pause die Vorstellung, wie Theatersprecherin Manuela Schürmann am Dienstag auf dapd-Anfrage mitteilte.

Die übrigen Theaterbesucher seien allerdings „nicht mehr so schockiert” gewesen wie an den Tagen zuvor.

Seit der Premiere des Stücks am vergangenen Samstag war es im Düsseldorfer Schauspielhaus bei den Aufführungen zu tumultartigen Szenen beim Publikum gekommen. Zahlreiche Zuschauer reagierten mit ablehnender Haltung auf die Inszenierung und verließen noch während der Aufführung den Saal. Am Sonntag schaute sich nur noch die Hälfte der Theaterzuschauer das Stück bis zum Ende an. Ein Besucher diskutierte nach Vorstellungsschluss mit der Spielleiterin und bespuckte sie.

Nobelpreisträgerin Jelinek reflektiert in dem von ihr verfassten Stück „Rechnitz” den Umgang mit den Verbrechen des Nationalsozialismus. Der Titel steht für ein Massaker, bei dem im März 1945 in Rechnitz an der österreichisch-ungarischen Grenze am Rande eines rauschenden Festes 180 jüdische Zwangsarbeiter ermordet wurden.

Für besondere Empörung unter den Zuschauern sorgt ein Dialog am Ende des Stückes. Dort zitiert Jelinek aus einem Gespräch zwischen dem als „Kannibalen von Rothenburg” bekannten Armin Meiwes und seinem Opfer. Meiwes hatte im Frühjahr 2001 in seinem Haus im hessischen Rotenburg einen 43-jährigen Mann aus Berlin mit dessen Einwilligung entmannt, getötet, die Leiche zerlegt und später Teile davon verspeist. Nach Angaben des Theaters soll durch die Einbindung des Dialoges der Bogen zu den Vorgängen bei dem NS-Massaker gespannt werden.

Bis Mitte November sind noch sieben Vorstellungen am Düsseldorfer Schauspielhaus geplant. Im vergangenen Jahr war Jelinek für „Rechnitz” in der Inszenierung der Münchner Kammerspiele mit dem Mülheimer Dramatikerpreis 2009 ausgezeichnet worden.
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