Aachen - Jazz im Aachener Franz: Trompetensound mit Hochrechnungen

Jazz im Aachener Franz: Trompetensound mit Hochrechnungen

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Stellt seine neuen Songs, eine neue Band und einen Sänger vor, der sein Sohn sein könnte: Jazztrompeter Christoph Titz. Foto: Natalia Kepesz

Aachen. Immer mal wieder ist er in Aachen, mit verschiedenen Musikern und mit verschiedenen Projekten. Christoph Titz, Berliner Jazztrompeter aus Aachen, spielt kommenden Sonntag im Aachener Franz. Mit dabei hat der 49-Jährige eine neue Band und eine Vorabversion seines neuen Studio-Albums.

Andrea Zuleger sprach mit Christoph Titz unter anderem über langweilige Wahlabende und spannende Begegnungen.

Wolf Biermann tourt gerade durch die Republik mit seinem Programm „Sei wählerisch“ und. . .

Christoph Titz: Wolf Biermann? Lebt der noch?

Ja, der Liedermacher macht gerade Freejazz, um die Leute an die Wahlurnen zu bringen. Denn Jazz, sagt er, ist Freiheit und dadurch demokratisch. Ist das so?

Titz: Naja, Jazzmusiker sind auf eine gewisse Weise empathisch und sozial. Aber es gibt auch die andere Seite: Eine Jamsession ist auch oft eine Konkurrenzveranstaltung. Jeder will zeigen, was er drauf hat. Aber wenn man schafft, wirklich zusammen zu jammen, dann ist das total cool. Vor kurzem im „Roxy“ in Köln ist das mit Jonas Burgwinkel und Claus Fischer gelungen. Das ist dann total demokratisch. Und das kribbelt so, das können die Leute hören.

Und jetzt spielen Sie am Wahlabend in Aachen. Werden die Leute davon irgendetwas mitbekommen?

Titz: Eigentlich ist das doch toll. Warum sollte man sich langweilige Wahlsendungen antun? Da ist es doch deutlich besser, Musik zu hören. Ich werde auch mal eine Hochrechnung durchgeben. Niemand verpasst was.

Neben vorläufigen Wahlergebnissen wird es neue Songs geben. Eine Release-Version der neuen CD bringen Sie m

Titz: Ja, das wird ein Studioalbum mit etwa 17 Stücken, darunter auch fünf Stücke mit dem Sänger Maury Noble, meiner Neuentdeckung in Berlin. Auch wenn noch nicht alles komplett fertig ist, bringe ich etwas mit nach Aachen.

Die letzten beiden Alben waren Live-Mitschnitte aus dem Jazzclub A-Trane in Berlin und von der Burg Wilhelmstein. Wann gab es die letzte Studio-Platte?

Titz: Das verrate ich nicht (lacht.) Nein Quatsch, das war 2012. Es hat eine Zeit gedauert. Ich habe längere Zeit nach Musikern gesucht, mit denen ich in Berlin arbeiten kann. Ich hatte ja meine Bandmitglieder noch aus der Kölner und Aachener Zeit. Und ich mache ja wirklich alles selbst: Mischen, Label, Vertrieb.

Die Musik ist eine Mischung aus Pop, Rock, Weltmusik. Das Ganze auf einem Jazz-Grundgerüst. Ist das bei der neuen Platte anders?

Titz: Ich bin nicht der reine Jazzer. Ich improvisiere für mein Leben gern, aber meine Melodien sind eingängig. Auch wenn wir als Band zwischendurch mal abhauen und Chaos veranstalten, wir kommen immer wieder zurück. Das Ziel ist es, die Leute zu verwöhnen und auch zu unterhalten. Das ist auch bei der neuen CD so.

Und die Einflüsse aus anderen Kulturen? Lateinamerikanische, afrikanische, arabischeit. . .

Titz: Ich bin stilistisch weit aufgestellt, weil ich viel gereist bin und mit vielen Musikern gespielt habe. Vor drei Jahren war ich auf Europa-Tour mit Ebo Taylor – einem Gitarristen aus Ghana. Der ist heute 80. Auch wenn vorher und nachher nicht viel mit ihm los war (lacht) – in den zwei Stunden auf der Bühne hat er richtig Gas gegeben. Großartig! Ihm ist ein Stück gewidmet. Dann war ich mit Manfred Leuchter in arabischen Ländern. Lateinamerikanische Elemente spielen schon immer eine Rolle.

Neu dabei ist Sänger Maury Noble.

Titz: Maury Noble habe ich auf einer Party kennengelernt. Ich habe ihn in einem Nebenraum singen hören. Er klingt wie eine Mischung aus Jim Morrison, Johnny Cash und Serge Gainsbourg – und dann doch ganz eigen. Das ist total spannend. Er könnte echt mein Sohn sein – und trotzdem lerne ich von ihm. Er textet gerne. Und so habe ich das erste Mal angefangen, eigene Texte zu schreiben.

Sind auch schon Texte in den neuen Stücken?

Titz: Nein, das ist noch Zukunft. Aber ich erzähle inzwischen mehr während des Konzerts. Ich mache Instrumentalmusik, und da ist es auch interessant, wenn ich eine Geschichte erzähle, die die Atmos-phäre des Songs beschreibt ...

Ein Beispiel?

Titz: „Promener“ ist so ein Song. Das war eine Situation auf einem Campingplatz in Frankreich. Meine Tochter war drei und wurde das erste Mal angebaggert – von einem dreijährigen Jungen. Die zwei Hübschen gingen dann spazieren. Das war „Promener“.

Wie ist das für Sie in Aachen, der alten Heimat, zu spielen?

Titz: Das ist schon speziell. Wunderbar ist es, viele Leute zu treffen, aber es ist auch eine Herausforderung: Man stellt sich der Kritik auf eine andere Art. Ich möchte das so schön machen, wie es eben geht.

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