Jahrmarkt und Kunst im frischen Dialog

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
5670689.jpg
Aktuelle Kunst und 375 Jahre Annakirmes: Renate Goldmann, Direktorin des Dürener Leopold-Hoesch-Museums in Düren, schlägt mit vier neuen Ausstellungen einen inspirierenden historischen Bogen: Sie zeigt die Kunst der Schausteller und unten) und präsentiert den Dürener Künstler und Zirkusfan Hans Beckers (1898-1951), den Aachener Künstler Carl Schneiders (1905-1975) so wie einen repräsentativen Überblick über das Schaffen der Dürener Peill-Stipendiatin Silke Leverkühne, zum Beispiel Industrielandschaften (oben rechts). Foto: Stephan Johnen
5670690.jpg
Aktuelle Kunst und 375 Jahre Annakirmes: Renate Goldmann, Direktorin des Dürener Leopold-Hoesch-Museums in Düren, schlägt mit vier neuen Ausstellungen einen inspirierenden historischen Bogen: Sie zeigt die Kunst der Schausteller und unten) und präsentiert den Dürener Künstler und Zirkusfan Hans Beckers (1898-1951), den Aachener Künstler Carl Schneiders (1905-1975) so wie einen repräsentativen Überblick über das Schaffen der Dürener Peill-Stipendiatin Silke Leverkühne, zum Beispiel Industrielandschaften (oben rechts). Foto: Stephan Johnen
5670905.jpg
Aktuelle Kunst und 375 Jahre Annakirmes: Renate Goldmann, Direktorin des Dürener Leopold-Hoesch-Museums in Düren, schlägt mit vier neuen Ausstellungen einen inspirierenden historischen Bogen: Sie zeigt die Kunst der Schausteller und unten) und präsentiert den Dürener Künstler und Zirkusfan Hans Beckers (1898-1951), den Aachener Künstler Carl Schneiders (1905-1975) so wie einen repräsentativen Überblick über das Schaffen der Dürener Peill-Stipendiatin Silke Leverkühne, zum Beispiel Industrielandschaften (oben rechts). Foto: Stephan Johnen
5670997.jpg
Aktuelle Kunst und 375 Jahre Annakirmes: Renate Goldmann, Direktorin des Dürener Leopold-Hoesch-Museums in Düren, schlägt mit vier neuen Ausstellungen einen inspirierenden historischen Bogen: Sie zeigt die Kunst der Schausteller und unten) und präsentiert den Dürener Künstler und Zirkusfan Hans Beckers (1898-1951), den Aachener Künstler Carl Schneiders (1905-1975) so wie einen repräsentativen Überblick über das Schaffen der Dürener Peill-Stipendiatin Silke Leverkühne, zum Beispiel Industrielandschaften (oben rechts). Foto: Stephan Johnen
5670996.jpg
Aktuelle Kunst und 375 Jahre Annakirmes: Renate Goldmann, Direktorin des Dürener Leopold-Hoesch-Museums in Düren, schlägt mit vier neuen Ausstellungen einen inspirierenden historischen Bogen: Sie zeigt die Kunst der Schausteller und unten) und präsentiert den Dürener Künstler und Zirkusfan Hans Beckers (1898-1951), den Aachener Künstler Carl Schneiders (1905-1975) so wie einen repräsentativen Überblick über das Schaffen der Dürener Peill-Stipendiatin Silke Leverkühne, zum Beispiel Industrielandschaften (oben rechts). Foto: Stephan Johnen
5670999.jpg
Aktuelle Kunst und 375 Jahre Annakirmes: Renate Goldmann, Direktorin des Leopold-Hoesch-Museums in Düren, schlägt mit vier neuen Ausstellungen einen großen Bogen. Sie zeigt die Kunst der Schausteller (oben links und unten) und gibt unter anderem einen repräsentativen Überblick über das Schaffen der Dürener Peill-Stipendiatin Silke Leverkühne, zum Beispiel Industrielandschaften (oben rechts). Foto: Stephan Johnen

Düren. Ob man „heißblütig“ ist, „friedfertig“, „stümperhaft“ oder leider doch nur ein „Blindgänger“ – das „Liebesbarometer“ bringt es an den Tag: einmal anfassen, und das erotische Temperament ist offenbart.

Jahrzehntelang gab dieser blinkende Druckmesser der Emotionen den Jahrmarktsbesuchern in Düren garantiert zutreffende Einblicke in ihr verborgenes Triebleben – jetzt verbringt es vorübergehend seine Zeit im Leopold-Hoesch-Museum: als eines von zahllosen Exponaten zum 375-jährigen Jubiläum der Annakirmes. Aber nicht nur das: Powerfrau Renate Goldmann bietet dem Publikum wieder einmal ein ganzes Ausstellungspaket an, das einen Besuch ihres Hauses über mehrere Stunden lohnenswert macht.

Silke Leverkühne, Kunstprofessorin und erste Dürener Peill-Stipendiatin, gibt zu ihrem 60. Geburtstag einen repräsentativen Überblick über ihr Schaffen; der Dürener Künstler Hans Beckers (1898-1951), zeit seines Lebens eingefleischter Fan der Zirkuswelt, schlägt mit seinen Zeichnungen, Aquarellen und Grafiksammlungen thematisch den Bogen zum Jahrmarkt unserer Tage; und mit Carl Schneiders (1905-1975) gibt es eine aufschlussreiche Reminiszenz auch an ein Stück Aachener Kunst- und Stadtgeschichte: Der Meisterschüler von Karl Hofer war der Sohn des Architekten Albert Schneiders, der unter der Mitarbeit des jungen Ludwig Mies van der Rohe das Warenhaus des jüdischen Kaufmanns Leonhard Tietz am Aachener Markt entworfen hatte (1906). 1965 ließen seltsam ahnungslose Stadtobere den im Krieg kaum beschädigten Prunkbau nebst anliegenden Bürgerhäusern abreißen – zugunsten einer Betonburg. Aber das ist nur eine Randbemerkung.

„Moppenbude“ von 1935

Museumsdirektorin Renate Goldmann verbindet erneut auf inspirierende und gewinnbringende Weise Internationalität mit einem Bekenntnis zur Geschichte der heimatlichen Kultur und zum eigenen Standort. Mit Hans Bert Cremer, dem Vorsitzenden des Dürener Schausteller-Verbandes, hat sie einen beschlagenen Partner und Kurator der Ausstellung „Kunst der Schausteller – 375 Jahre Annakirmes“ gewonnen: Angesichts der Schiffsschaukel, einer Sitzgondel von 1876 und der „Moppenbude“ im ersten Stock, die aus dem Jahr 1935 stammt und noch bis in die 50er in Betrieb war, keimen nostalgische Kirmesgefühle auf. Schausteller Gerd Willi Cremanns hat den historischen Verkaufsstand – belegt mit frisch gebrannten Mandeln und Makronen – zur Schau beigesteuert. Ein dreiviertelstündiger Film mit Originalszenen der Dürener Annakirmes zeigt, wie das lustvoll-schauderhafte Herumschleudern auf den Karussells früher einmal aussah. Für Renate Goldmann ein klarer Bezug zur Kunst jedweder Art: „Kirmes, das ist vor allem auch ein körperlich-physisches Erlebnis – so wie die Kunst, die eine Wahrnehmung der anderen Art ermöglichen und aufrütteln will.“

Kunst und Leben – sie waren für Hans Beckers eine unverbrüchliche Einheit. 1952 wurde mit seiner Sammlung das Leopold-Hoesch-Museum nach dem Zweiten Weltkrieg wiedereröffnet – auch eine Art von besonderer Reminiszenz an einen Dürener Künstler, der sich verschiedenen Zirkusgruppen anschloss, um seine Erlebnisse und Eindrücke in Künstlerbüchern und eigenen Werken festzuhalten. In seiner in ganz Europa zusammengetragenen Grafiksammlung zum Thema befindet sich sogar ein originales Blatt von Pablo Picasso. Katrin Hoppe hat diese Ausstellung konzipiert. Artistik, das Fantastische, der Sinn für Skurriles – all das fasziniert bis heute hin die Menschen und beileibe nicht nur Kirmes- oder Zirkusbesucher. Beckers‘ Clownporträts umschreiben die Situation des Künstlers schlechthin: Der Widerspruch zwischen dem melancholischen Gesichtsausdruck und der eigentlichen Profession, das Publikum zum Lachen zu bringen, entspricht der Außenseiterstellung des Künstlers und der Aufgabe, den Betrachter seiner Werke in irgendeiner Hinsicht zu faszinieren.

Der Aachener Carl Schneiders

Carl Schneiders war einer der maßgeblichen Väter der heutigen Fachhochschule Aachen – genauer gesagt, des Vorläuferinstituts Werkkunstschule Aachen beziehungsweise deren Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Als Maler richtete er seinen Blick auch auf Jahrmarktsbuden, das holländische Strandleben oder Architekturen. Seine Bilder, beeinflusst von der Kunst der Renaissance, erinnern in ihrer groben Struktur und mit den porösen Oberflächen an mittelalterliche Fresken.

Zugleich offenbart sich in der Linienführung der Architekturen der Bauhaus-Schüler, der im Übrigen 1959 an der TH Aachen einen Lehrauftrag für Freihandzeichnen bekam und 1964 zum Honorarprofessor ernannt wurde.

Kasper König lud Silke Leverkühne 1984 zu seiner legendären Ausstellung „Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf“ ein. Von hier aus – das sind nun Eindrücke von Landschaften und magisch empfundenen Orten. Das Licht, Elemente wie Wasser und Feuer spielen eine große Rolle, transparente Kraterseen finden sich in einer still und dunkel leuchtenden Umgebung.

Aber auch offene Cafészenen in Maastricht oder Industrielandschaften in Leverkusen reizen die Künstlerin zu stilistisch sehr individuell gehaltenen Momentaufnahmen von großer Allgemeingültigkeit.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert