Jack Goldstein im KuK in Monschau: Der MGM-Löwe geht in Rente

Von: Eckhard Hoog
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Ganz im Sinne Jack Goldsteins:
Ganz im Sinne Jack Goldsteins: Johanna Reich wandelt in der Ausstellung im Monschauer KuK einen Kurzfilm des kanadisch-amerikanischen Künstlers über den MGM-Löwen eigenwillig um. Foto: Andreas Gabbert

Monschau. „Amerika”, sagte der kanadisch-amerikanische Künstler Jack Goldstein sinngemäß, „ist derart süchtig nach Bildern, dass es sich für die Realität gar nicht mehr interessiert.” Und so begann er, die medial vermittelte Wirklichkeit der übersteigerten Sensationsbilder mit seiner Kunst zu konterkarieren.

Das Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen (KuK) widmet dem gebürtigen Montrealer, der sich im Jahr 2003 im Alter von 58 Jahren nach einer schweren Erkrankung das Leben nahm, eine Ausstellung. Besser: dem kreativen Konzept dieses dem breiten Publikum immer noch weitgehend unbekannten Künstlers, der für sich eine Position suchte zwischen so gegensätzlichen Strömungen wie dem Minimalismus und der Pop-Art.

KuK-Leiterin Nina Mika-Helfmeier und die Frankfurter Galeristin Anita Beckers präsentieren in „Jack Goldstein. Connections” eine Reihe von Künstlern, die - ganz in der Tradition Goldsteins -Ideen und Inhalte, die traditionellerweise fest mit ganz bestimmten Medien verbunden sind, auf andere übertragen. Dabei werden mitunter überraschende Effekte erzeugt und gewohnte Erwartungen gebrochen.

Goldstein, Performance- wie Konzeptkünstler, gelang das zum Beispiel, indem er seinem Publikum eine Schallplatte präsentierte, die allerdings keine Musik enthielt - sondern die Geräusche eines brennenden Waldes. Oder er übertrug, schon eher in der Kategorie „Fine Art” - Schallwellen in eine subtile Farbmalerei. Ein solches Objekt gehört zur Ausstellung.

Zur Jahreswende 2009/2010 fand im übrigen im Frankfurter Museum für moderne Kunst erstmals eine umfangreiche Goldstein-Retrospektive statt. Seine einfallsreichen Adepten wie Gregor Hildebrandt nutzen bespielte Audiokassettenbänder, um damit monochrome, malerisch wirkende Gemälde auf einer Leinwand zu fabrizieren. Die Titel, die Bezug nehmen auf Punkmusik oder New Wave, laden das Publikum dazu ein, vor dem geistigen Auge die optisch dargestellten Klänge „zurückzuübersetzen”. Sensationelle Bilder von der Mondlandung graviert Monica U. Jäger in das Glas von Bildschirmröhren, aber auch massenmedial verbreitete Aufnahmen von Naturkatstrophen oder Kriegsereignissen.

Die in Köln lebende Künstlerin Johanna Reich knöpft sich ein Werk Goldsteins vor und führt es augenzwinkernd fort: Der überraschte sein verblüfftes Publikum vor 30 Jahren mit einem dreiminütigen Film, der nichts anderes zeigte als das Gebrüll des berühmten MGM-Löwen der Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer. „Zeit, den Löwen zu befreien”, sagte sich die gebürtige Mindenerin und „baute” Goldsteins Kurzfilm nach - mit einem Unterschied: In ihrem Video wirkt sie messerschwingend mit und zerstört das Bild mit scharfen Schnitten.

Kollege Achim Hoops zeichnet mit einer stupenden Genauigkeit Zeitungsbilder nach - von Flugzeugträgern, startenden Raketen, Bränden - Sensationsbilder, die auf irritierende Weise in dem ganz anderen Medium eigentümliche Gefühle auslösen.

Ausstellung „Jack Goldstein. Connections” im KuK der Städteregion Aachen, Monschau, Austraße 9. Eröffnung: Samstag, 27. Oktober, 16 Uhr. Bis 23. Dezember. Geöffnet: Di.-Fr., 14-17 Uhr; Sa./So. 11-17 Uhr.
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