Irene Ludwigs großes Anliegen: Brücken bauen mit Kunst

Von: red
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Ein seltenes Bild von ihr aus dem Jahr 1953: Die Aachener Kunstmäzenin Irene Ludwig wäre heute 90 Jahre alt geworden. Foto: Peter und Irene Ludwig Stiftung

Aachen. Die Kunsthistorikerin, Stifterin und Mäzenin Irene Ludwig, geborene Monheim, ist eine der bedeutendsten Kunstsammlerinnen und Fördererinnen in Europa gewesen. Heute wäre sie 90 Jahre alt geworden. Die Peter und Irene Ludwig Stiftung erinnert an sie, verbunden mit dem Hinweis auf die weltumspannende heutige Bedeutung der Sammlung Ludwig.

Mit einer lebenslangen Leidenschaft für die Kunst baute Irene Ludwig (1927-2010) gemeinsam mit ihrem Mann Peter (1925-1996) seit den 50er Jahren eine Sammlung von über 14.000 Kunstwerken auf.

Die heute weltbekannten Werke der Pop-Art, Picassos und der russischen Avantgardekunst werden in der Sammlung Ludwig flankiert von Kunst des 20. Jahrhunderts aus der Sowjetunion sowie Mittel- und Osteuropa, ostasiatischen Beständen aus dem alten China, präkolumbischer Kunst, griechischen, etruskischen und römischen Antiken, Skulpturen des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Barock- und Rokoko-Fayencen und zeitgenössischer Kunst aus fast allen Teilen der Welt.

Die Sammlung ist in ihrer Geschichte und Form weltweit einzigartig.

Tiefes humanistisches Verständnis

Die Sammeltätigkeit von Irene Ludwig fußte auf einem tiefen kunsthistorischen und humanistischen Verständnis. Aus einer kunstsinnigen Aachener Unternehmerfamilie kommend, wuchs sie bereits mit Kunstwerken auf. Ihre aus Russland stammende Mutter weckte in ihr früh das Interesse am Osten. Beim Studium der Kunstgeschichte, Archäologie sowie Vor- und Frühgeschichte an der Universität Mainz von 1947 bis 1950 lernte sie ihren späteren Mann Peter Ludwig kennen.

Ihr bedingungsloses Interesse an der bildenden Kunst als anthropologischer Konstante fassten beide Sammler unter dem Begriff der „Weltkunst“ zusammen. Wichtige Leitlinie war die Absicht, Informationslücken in der öffentlich wahrgenommenen Kunst und zugleich in den Kunstmuseen zu schließen.

Seit 1957 arbeitete das Sammlerpaar ausschließlich mit öffentlichen Museen zusammen, zunächst in ihrer Heimatstadt Aachen und in Köln, später auf der ganzen Welt.

Mit einer Ausnahme – den Handschriften, die 1983 an das Getty-Museum gingen – wurden nie Werke aus der Sammlung verkauft. Heute ist die Sammlung Ludwig auf insgesamt 26 international agierende Museen verteilt und für die Öffentlichkeit zugänglich. 1997 gründete Irene Ludwig, nach dem Tod ihres Mannes, die Peter und Irene Ludwig Stiftung.

Mit ihren Ausstellungs-, Publikations- und Forschungsförderungen sowie Projekten wie dem Ludwig Archiv entwickelt die Ludwig Stiftung das Anliegen des Sammlerpaares weiter: Brücken bauen, Informationslücken schließen und mit kritischem Bewusstsein die Kunst in einer globalen Welt zum Verständnis des Menschseins heranziehen.

In seinem Nachruf auf Irene Ludwig schrieb 2010 der Chefredakteur unserer Zeitung, Bernd Mathieu: „Mit ihr über Kunst, Künstler, Aachen, Kommunalpolitik und Medien zu reden, war stets ein Glanzpunkt weit entfernt von jenen oberflächlichen Small-Talk-Runden, denen man nicht immer ausweichen kann. Irene Ludwig war unabhängig und hatte einen Standpunkt. Sie redete nicht viel, hatte aber viel zu sagen.“

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