Internationales Ensemble: „Tannhäuser“ im Theater Aachen

Von: Sabine Rother
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Spannende Inszenierung: Der Tenor Paul McNamara (links) ist gemeinsam mit Regisseur Mario Corradi auf den Spuren des „Tannhäusers“. Am 7. Februar hat die Wagner-Oper im Theater Aachen Premiere. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Sie kommen aus Kanada und Korea, Island und Chile, Polen, Bulgarien, Serbien, der Slowakei und aus Irland, um Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ ab 7. Februar (18 Uhr) auf die Bühne im Großen Haus des Aachener Theaters zu bringen.

Die Sänger- und Gästeschar auf der Wartburg wird extrem international sein. Die Titelpartie übernimmt der in Berlin lebende irische Tenor Paul McNamara, Regie führt der Italiener Mario Corradi. Für den erfahrenen Theatermann, den seine Arbeit durch die ganze Welt geführt hat, ist die Aachener Inszenierung dennoch etwas Besonderes: „Mein erster ,Tannhäuser‘, das ist sehr spannend“, lächelt er.

Beim Goethe-Institut hat er extra sein Deutsch aufgefrischt, um dem komplexen Text des Wagner‘schen Librettos gerecht zu werden. Corradi ist ein stiller und aufmerksamer Denker. Zusätzlich zur Regiearbeit hat er in Mailand Philosophie gelehrt – und das erkennt man sofort im Gespräch mit ihm. Ihn interessieren die tieferen Zusammenhänge, die Ausstrahlung einer Oper wie „Tannhäuser“, die ihren Komponisten wie keine andere im langen Werkverzeichnis lebenslang beschäftigt hat.

Auch für Paul McNamara, der in seinem Repertoire weitere Wagner-Partien wie Erik, Loge, Tristan und Parsifal vorweisen kann, ist „Tannhäuser“ eine Ausnahme. „Die Oper spricht Probleme an, die jeder gut nachvollziehen kann, das ist zum Beispiel beim Opernzyklus ,Der Ring des Nibelungen‘ nicht immer so“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Tannhäuser ist jemand, der sein Leben nach eigenen Vorstellungen genießen will, aber dennoch in der Gesellschaft Anerkennung sucht. Wer könnte das nicht verstehen?“

Über allem steht die Frage nach dem wahren Wesen der Liebe und deren gesellschaftlicher Akzeptanz. Ein Streit darüber kocht zwischen den Sängern auf der Wartburg hoch bis zum Eklat. Tannhäuser ist von der blutleeren Bigotterie der anderen genervt und schockt alle mit seinem leidenschaftlichen Bekenntnis zur Sinnlichkeit, zur „Göttin der Liebe“. „Das ist sehr aktuell, wenn man bedenkt, dass in Italien eine Öffnung der Ehe oder einer Lebenspartnerschaft gesetzlich noch immer nicht vorgesehen ist, da gibt es keine Gleichberechtigung für Homosexuelle“, meint Corradi.

In der Oper ist die Wartburg ein attraktiver Treffpunkt der mittelalterlichen Gesellschaft. Wen Hermann, der Landgraf von Thüringen, zum Sängerwettstreit einlädt, darf sich wichtig fühlen.

Die Wartburg heute – McNamara kennt sie nicht nur, er hat dort schon mehrfach den Tannhäuser gesungen. „Ich liebe diesen einzigartigen Ort“, sagt er. „Auch für das Publikum sind die Aufführungen dort etwas ganz Besonderes, zumal die Ausmalung aus dem 19. Jahrhundert sich ideal mit Wagners Musik verbindet.“ Der Saal im Stil des 19. Jahrhunderts mit seinen Ausmalungen passe wunderbar zu Wagners Musik.

Sind die fromme Elisabeth und Tannhäuser, der ja im Venusberg ein flottes, sinnliches Leben gelebt hat, Gleichgesinnte? Woher kommt die gegenseitige Anziehungskraft? „Ich denke, sie haben viel Gemeinsames“, nickt Regisseur Corradi. „Elisabeth ist sehr mutig und außergewöhnlich, und Tannhäuser verlässt den Venusberg, weil er lieber ein büßender Mensch als ein Gott sein will.“

Überhaupt Elisabeth: In allem, was sie vertritt und äußert, erkennt der Italiener interessante Parallelen zu berühmten und klugen Mystikerinnen des Mittelalters wie Hildegard von Bingen. „Ich bin sicher, dass Wagner diese Literatur kannte“, betont er mit Blick auf den Text und die Persönlichkeit dieser Gestalt.

Und wieder sind es tiefgreifende philosophische Gedanken, die ihn beschäftigen, wenn er den Tannhäuser anschaut. „Ich sehe ihn als authentischen Menschen im Sinne Martin Heideggers.“ Selbst Siegmund Freuds „Lustprinzip“, die Diskussion um dessen Theorie vom „Lebens- und Todestrieb“, von „Eros und Thanatos“ schwingt in dieser Oper mit, wenn man genau hinhört.

Was Paul McNamara an der Gestalt, die er verkörpern wird, am meisten bewegt und überzeugt, ist Tannhäusers Menschlichkeit. „Ein Mann, der auf der Suche ist, weit entfernt von einer Kunstfigur“, meint er.

Und der Umgang mit der Religion? „Mit Katholizismus kennen wir uns in Irland ja aus, das ist mir vertraut“, sagt er.

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