Inspirationen in Papier: Räume, Farben, Schnitte

Von: Eckhard Hoog
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Martin Gerwers – hier im Gespräch mit Museumsdirektorin Renate Goldmann – zeigt in der Ausstellung „Colour, Space & Paper“ im Dürener Leopold-Hoesch-Museum erstaunliche Skulpturen: Je nach Blickwinkel nimmt man etwas völlig anderes wahr. Foto: Stephan Johnen

Düren. Und wieder so ein Paukenschlag in Düren: Das Leopold-Hoesch-Museum präsentiert ab Sonntag unter dem Titel „Colour, Space & Paper“ (Farbe, Raum und Papier) eine faszinierend erlebnisreiche Ausstellung, die eines nachhaltig beweist: Zeitgenössische Kunst ist keineswegs nur abgehoben oder sperrig – ganz im Gegenteil.

Intensives Sehen ist gefragt bei den Positionen des Düsseldorfers Martin Gerwers, des in Köln und London lebenden Ulrich Rückriem, der Dürener Hans Salentin (1925-2009) und Volker Saul, des Bad Kreuznachers Heijo Hangen und der Berlinerin Jorinde Voigt. Sie ist derzeit eine der angesagtesten deutschen Künstlerinnen. Zählt man ihre Auszeichnungen seit 2003 nach, kommt man auf 20. Die 21. bekommt sie am 6. September im Leopold-Hoesch-Museum verliehen: den Dahlmann Preis 2015, dotiert mit 5000 Euro.

Überraschende Wirkung

Eigentlich sind es sechs Ausstellungen für sich, die Museumsdirektorin Renate Goldmann organisiert hat. Sie setzen die Schau „Paper is part of the picture“ fort – wieder spielt Papier als Medium, Material, Bildträger und als Faszinosum selbst die zentrale Rolle, diesmal gewendet auf dem Weg von der zweiten in die dritte Dimension der Skulptur.

Von gefaltetem Papier geht Martin Gerwers aus, dessen Formen er monumentalisiert in farbigen Holzskulpturen – mit einer verblüffenden Wirkung: Je nach Blickwinkel offenbart sich ein und dieselbe Skulptur als völlig unterschiedliche Objekte. Unglaublich!

Ganze Schwärme von Tausenden Pfeilen und Linien zeichnet Jorinde Voigt in mühsamer Arbeit, aber geduldig, auf dem Boden liegend auf meterhohes Papier – die Wirbel wirken wie Momentaufnahmen eines fragilen Zustands zwischen Chaos und System. Wie eine Wissenschaftlerin überträgt und „misst“ sie Zustände und Phänomene in einem selbst entwickelten Code von Zeichen. Flügel- und Federstrukturen bildet sie wie Studien in Blattgold auf Papier ab.

„Ich habe alles in Stein gemacht, jetzt ist es genug!“ Das hat „Mister Stein“ Ulrich Rückriem schon vor vier Jahren verkündet. Jetzt macht er in Papier – und ist sich dennoch absolut treu geblieben. Sein Eingriff ist immer noch denkbar sparsam: Alte Papierformate, das Rheinische oder Nordische Format, knickt er ein einziges Mal, dass ein Quadrat und ein Rest entsteht. Das war‘s – etwas für Puristen.

Aus einem Füllhorn an abstrakten, organisch wirkenden Formen schöpft dagegen Volker Saul, der von Papierschnitten ausgeht, sie in Aluminium überträgt, bemalt und schließlich sogar in einem Film animiert.

Zero-Künstler Salentin baute in den Siebzigern Maschinenobjekte, die er später fotografierte und auf Papier collagierte – das Thema Zukunft und Technik im Blick. Von „Raumpatrouille Orion“ fasziniert, collagierte er Weltraumbilder aus Zeitschriftenausschnitten. Sein Raum: ein einziges Künstlerlabor aus Experimenten mit Papier

Geometrisch-rational geht der Konstruktivist Heijo Hangen vor, wenn er das Quadrat ausschneidet in Dreiecke teilt und als Module in endloser Vielfalt kombiniert. Auch ein faszinierender Raum.

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