Aachen - „Inside IS“: Spannender Diskussionsabend im Das Da Theater

„Inside IS“: Spannender Diskussionsabend im Das Da Theater

Von: Sabine Rother
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Sie diskutierten über „Inside IS“: (v. l.) Tom Hirtz, Regisseur und Leiter des Das Da Theaters, Ahmad Abouchihab und Iman Laghmari (beide „i, Slam“) und Amien Idries, Redakteur unserer Zeitung. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Intensiv, offen, nachdenklich: Ein Gespräch unter Menschen, die sich sogar von nahezu unlösbaren Fragen nicht irritieren lassen, sorgt dafür, dass nach der Extravorstellung des Stücks „Inside IS“ von Yüksel Yolcu im Das Da Theater Aachen der Publikumsraum noch gut gefüllt bleibt. Amien Idries, Redakteur unserer Zeitung, moderiert locker und engagiert einen Gedankenaustausch der besonderen Art.

Ist das Stück über den jungen Fabian, der in den Sog des IS gerät, radikalisiert wird und in Syrien den Tod findet, authentisch? Macht es Sinn, so eine Geschichte auf die Bühne zu bringen? Wie geht ein Regisseur wie Theaterleiter Tom Hirtz damit um? Und was sagen junge Muslime, die in Deutschland leben und studieren, zum Stück sowie zu einer Gesellschaft, in der ihnen angesichts radikaler Täter vielfach Misstrauen entgegengebracht wird?

Ahmad Abouchihab vom Poetry-Slam-Format „i, Slam“ und Iman Laghmari, aktiv bei „i, Slam“ – eine selbstbewusste Dichterin mit eindeutiger Botschaft – faszinieren in dieser Runde.

„Was macht gutes Theater aus?“, geht Idries zunächst auf die Arbeit am Stück ein, die für Tom Hirtz und sein Team ein ganz schöner „Brocken“ war. „Die Uraufführung fand im Berliner Grips-Theater statt, aber unsere Inszenierung ist komplett anders“, berichtet Hirtz. So spiegele in Aachen der intensive Einsatz digitaler Technik, etwa der Kontaktaufnahme via Skype oder der Nutzung sozialer Netzwerke, jene Instrumente, mit denen radikale Muslime wie Salafisten und Dschihadisten gerade junge Leute ködern.

85 Minuten lang ohne Pause wirft „Inside IS“ Fragen auf, die – gewollt – unbeantwortet bleiben. „Wir wollen kein Oberschlaumeier sein“, reagiert Hirtz auf die entsprechende Frage. „Uns liegt an einem differenzierten Bild von der Lage.“ Und die bekommen Menschen wie Ahmad Abouchihab und Iman Laghmari deutlich zu spüren. Zunächst: Das Stück würden sie sofort weiterempfehlen, jederzeit, am besten Lehrern mit ihren Schulklassen.

Die beiden sind in Aachen zur Schule gegangen und studieren in Köln – er Sozialwissenschaften und Geschichte, sie Jura. In Köln sind sie zudem bei „i, Slam“ aktiv, wobei des „i“ für „islamisch“ steht. Respekt, Fairness, Verzicht auf jegliche Diskriminierung gehören zu den „i, Slam“-Regeln. „Warum macht ihr nicht einfach bei der bestehenden Poetry-Slam-Szene mit?“, fragt Idries. „Bei uns können junge Muslime powern, ihre Gefühle ausdrücken, einander Kraft geben, einen sicheren Ort finden“, meint Abouchihab.

Wie das aussieht, demonstriert Iman Laghmari wortstark mit ihrem Gedicht „Wer bist Du?“. Alles ist drin: Der Zorn, anti-muslimischem Rassismus ausgesetzt zu sein, die Entscheidung für das Kopftuch erklären zu müssen, das Gefühl zu haben, dass man sich für Taten der Fanatiker entschuldigen müsste, weil man Muslim ist.

Das Publikum applaudiert spontan, ist von der Sprachwucht und der Sehnsucht nach Frieden und Toleranz begeistert. Den Verführern im Stück setzt Abouchihad entgegen: „Als Muslim in Deutschland bin ich glücklich. Wer nicht glücklich ist, kann leichter radikalisiert werden.“ Zum Schluss sind sich alle einig: Selbst ein Theaterstück wie „Inside IS“ kann keine Patentlösungen anbieten – aber jede Menge Denkanstöße.

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