Köln - In den Fängen des verliebten Exorzisten

In den Fängen des verliebten Exorzisten

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
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„Love and other Demons” an der Kölner Oper: Die gefesselte Sierva Maria (Anna Palimina) befindet sich in den Fängen der Exorzisten DeLaura ´(Miljenko Turk).

Köln. „Modern, aber schön”: So beschrieb Dietrich Hilsdorf, einer der wichtigsten Regisseure von klassischen Werken, Peter Eötvös´ Musik zur Oper „Love and other Demons” anlässlich der Deutschen Erstaufführung in Chemnitz im letzten Jahr.

Die Kölner Oper zeigt jetzt Eötvös´ sechste Oper in der Inszenierung der Glyndebourner Uraufführung aus dem Jahre 2008, allerdings in gänzlich neuer Besetzung.

Mit der Besetzung kann die Kölner Oper ähnlich punkten wie mit der letzten Produktion von Bar-tóks „Blaubart”. Allen voran Anna Palimina, die in der Hauptrolle der Sierva Maria selbst die aberwitzigsten Höhen sicher bewältigt und trotz großen körperlichen Einsatzes ihre Stimme locker und unforciert zu führen vermag. Ihr verbotener Liebhaber, der Exorzist DeLaura, ist bei Miljenko Turk mit seinem geschmeidigen Tenor bestens aufgehoben.

Einen markigen Bischof präsentiert der Bassist Jovita Vaskeviciute. Und mit der kleinen, aber feinen Rolle von Marias Vater wurde niemand Geringerer als der immer noch bühnenpräsente und in dieser Partie stimmlich sattelfeste Ren Kollo vertraut.

Die Handlung basiert auf einem Roman von Gabriel Garcia Márquez, in dem die Tochter eines kolumbianischen Plantagen-Besitzers von einem tollwütigen Hund gebissen und aufgrund ihres absonderlichen Verhaltens in ein Kloster geschickt wird. Dort bezichtigt man sie der Besessenheit und bereitet einen Exorzismus vor. Der dafür vorgesehene Priester verliebt sich jedoch in sie, und die Geschichte mündet in eine Katastrophe.

Verbotene Liebe hinter Klostermauern, ein Thema, mit dem bereits Penderecki mit den „Teufeln von Loudon” vor 40 Jahren Furore machte. Eötvös geht das Thema allerdings erheblich behutsamer und sensibler an. Seine nur ganz selten aufdringliche Musik schwebt wie ein zarter, zerbrechlicher Schleier über die traumhaft-traumatische Handlung. Eine meist zarte, in den Höhepunkten allerdings auch kontrolliert zupackende Musik voller atmosphärischer Dichte, die die Sänger selten zudeckt. Die singen gleich auf mehreren sprachlichen Ebenen: englisch, latein, spanisch und Yoruba, eine unter Sklaven verbreitete afrikanische Geheimsprache.

Das ruhige Tempo des Werks führt zu manchen Längen. Dennoch vermag der opernerfahrene Komponist die Spannung erstaunlich gut aufrecht zu halten. Etwas derber geht der rumänische Regisseur Silviu Purcarete in den großräumigen Dekorationen von Helmut Stürmer zu Werke. Hier begegnet die junge Sierva Maria inner- und außerhalb der Klostermauern einer skurrilen Gesellschaft, die Gemälden von Hieronymus Bosch entsprungen sein könnte. Ansonsten inszeniert Purcarete so geradlinig wie die Musik klingt. Das in seiner eigenen, vitalen Welt befangene Mädchen tänzelt und hüpft durch die Handlung, bevor es an den Folgen der Teufelsaustreibung zugrunde geht. Der Rest des Ensembles bewegt sich statischer, doch immer der Musik angemessen.

GMD Markus Stenz bringt die Partitur leuchtkräftig zum Klingen, sekundiert vom gut disponierten Gürzenich-Orchester und dem klein besetzten Opernchor, der seine zarten Passagen mit ätherischer Leichtigkeit verströmt. Begeisterter Beifall für eine sehens- und hörenswerte Produktion des modernen Musiktheaters.
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