Immer noch berührend: „The Kid” und der arme Tramp

Von: Pedro Obiera
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Berühmt: Charlie Chaplin in
Berühmt: Charlie Chaplin in „The Foto: imagebroker

Aachen. Unter dem scheidenden Kapellmeister Daniel Jakobi haben sich die „Konzerte ohne Frack” zu einer besonders lieb gewonnenen Tradition entwickelt. Ein Titel, der in gewissem Gegensatz zum bevorzugten Filmhelden der Stummfilm-Reihe mit symphonischer Live-Untermalung steht.

Denn Charles Chaplin als Tramp legt seinen Frack auch dann nicht ab, wenn ihm, wie so oft, das Wasser bis zum Hals und manchmal noch drüber steht. Leider nicht im Alsdorfer Cinetower, sondern im Theater hatten jetzt zwei kleinere Streifen ihre erfolgreiche Premiere: Quasi als Vorfilm „The Immigrant” aus dem Jahre 1917 und als einstündiger Hauptbeitrag „The Kid” von 1921.

Während der frühere Film in der Vertonung von Carl Davis über die Leinwand flimmerte, konnte man sich für das berühmte Kinderschicksal „The Kid” auf eigene Kompositionen von Chaplin stützen. Im Grunde ein tief trauriger Film über ein Findelkind, das der Tramp neben einer Müllhalde findet und das unter der Obhut des bettelarmen, aber herzensguten Helden in einem schlimmen Umfeld milieubedingter und staatlicher Gewalt aufwächst.

Ein Film, der sich weniger durch harte Slapstick-Schnitte auszeichnet, sondern verstärkt durch episch ausgebreitete Szenen. Das schlägt sich auch in der Musik nieder, die eine relativ einheitlich melancholische Aura von anrührender Schlichtheit ohne besondere Klangeffekte verbreitet, durchbrochen von einigen dramatischen Höhepunkten. Auch wenn sich die Tempo- und Rhythmuswechsel in diesem Streifen in Grenzen hielten, war doch von Jakobi und dem Aachener Sinfonie-Orchester höchste Konzentration gefordert, was die Chaplin-erprobten Musiker vorzüglich leisteten.

So entstand in Einklang mit den Stimmungen des Films ein prächtiges Klanggemälde, das gegenüber den schwarz-weißen Bildern fast zu opulent wirkte. Der Film hinterließ beim Publikum auch fast 100 Jahre nach seiner Entstehung nicht seine Wirkung. Mit dem Weggang Jakobis soll die Reihe nicht sterben. Für 2012 ist Chaplins „Goldrausch” vorgesehen.
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