Imi Knoebel wird 75: Er schuf ein Symbol der Versöhnung

Von: Dorothea Hülsmeier und Andreas Rehnolt
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Deutsche Moderne in der Kathedrale von Reims: Imi Knoebel schuf hier seit 2009 insgesamt neun Fenster. Foto: dpa
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Einst Meisterschüler von Joseph Beuys: Imi Knoebel arbeitet bis heute radikal-minimalistisch. Foto: dpa

Düsseldorf. Geradezu überirdisch glühen die Fenster in der Kathedrale von Reims: Orange, Gelb, Rot, Grün, Violett und Blau, farbige Flächensplitter. Es sind die wohl schönsten Arbeiten des Minimal-Art-Künstlers Imi Knoebel, der am Donnerstag 75 Jahre alt wird.

„Versöhnungsfenster“ werden sie auch genannt, stehen für die deutsch-französische Freundschaft.

Deutsche Truppen hatten während des Ersten Weltkriegs die Kathedrale in Reims, seit 1967 Partnerstadt von Aachen, bombardiert und an dem gotischen Gotteshaus und den historischen Buntglasfenstern schwerste Zerstörungen angerichtet. Zur 800-Jahr-Feier der Kathedrale im Jahr 2011 schuf Knoebel dann auf Einladung der französischen Kultusbehörde sechs Neu-Interpretationen historischer Kirchenfenster: deutsche Moderne in der historischen Krönungskathedrale Frankreichs. Zuvor hatte schon Marc Chagall neue Fenster gestaltet. Im Mai 2015 wurden in der für das Nachbarland wichtigen Jeanne-d‘Arc-Kapelle der Kathedrale dann drei weitere Knoebel-Fenster eingeweiht. Es handelte sich um eine deutsche Schenkung, Knoebel verzichtete auf Honorar.

Bis heute ist der Wahl-Düsseldorfer, der als Klaus Wolf Knoebel 1940 in Dessau geboren wurde, ein radikal-minimalistischer Künstler, der unbeirrt seinen Weg geht. Das brachte dem mehrmaligen Documenta-Teilnehmer weit über die Grenzen Deutschlands hinaus hohe Anerkennung ein.

Knoebel wäre nicht „Imi“ geworden ohne seinen Freund Rainer Giese, mit dem zusammen er sich 1965 durch ein gehöriges Maß an Chuzpe in die Klasse von Joseph Beuys kämpfte. „Imi und Imi“ nannte sich das unzertrennliche Duo, und damit meinten sie nicht etwa das gleichnamige Waschmittel, sondern „ich mit ihm“. Giese nahm sich 1974 das Leben. Knoebels zweiter wichtiger Freund, Blinky Palermo, wurde nur 33 Jahre alt und starb 1977.

Knoebel ging seinen Weg allein weiter, doch von Palermos Kunst nahm er die Farbe mit, die es zuvor in seinem Werk nicht gab. Seine Arbeiten erinnern in ihrer geometrischen Sachlichkeit an Piet Mondrian oder auch Barnett Newman. Knoebel war zwar Meisterschüler von Beuys. Den wichtigsten Impuls aber lieferte ihm der russische Revolutionskünstler Kasimir Male- witsch mit seinem „Schwarzen Quadrat“ (1915) und dem Manifest „Die gegenstandslose Welt“.

Dort setzte Knoebel an. Er malte zunächst nur Linien, 1968 baute er vier schwarze Platten zu einem Kreuz zusammen; Bilder waren für ihn letztlich nur eine „Durchgangsstation“. Knoebel projizierte weiße Rechtecke auf Wände und hängte Keilrahmen ohne Bild auf. Seine minimalistische Devise verriet der medienscheue Künstler in einem seiner ganz seltenen Interviews: „Oft ist es das Wenige, das vollkommen genügt, und wo du einfach von allem sonst nur belästigt wirst, weil es zu viel ist.“

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