Aachen - „Im Weißen Rössl“: Besondere Premiere für den Professor

„Im Weißen Rössl“: Besondere Premiere für den Professor

Letzte Aktualisierung:
10285768.jpg
Ein bisschen Elvis-Feeling am weißen Piano: Professor Herbert Görtz spielt beim „Weißen Rössl“ neben und auf der Bühne. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Bei der Probe rutscht ihm hin und wieder ein Fluch heraus. „Ich muss noch Text lernen“, sagt Herbert Görtz entschuldigend. Es ist ja auch eine doppelte Premiere für ihn. Der Direktor der Aachener Musikhochschule gibt am Samstag mit 59 Jahren sein Bühnendebüt.

Als Kaiser im Operetten-Hit „Im weißen Rössl“. Über die Herausforderung für ihn und seine jungen Studenten in den Hauptrollen sprach Herbert Görtz mit unserer Redakteurin Jenny Schmetz.

Herr Professor Görtz, reicht Ihnen der Direktorenposten an der Musikhochschule nicht – jetzt auch noch Kaiser?

Herbert Görtz: Wissen Sie, in meinem früheren Leben war ich am Theater, 15 Jahre lang. Da habe ich fast alles gemacht, sehr viel Klavier gespielt und ungefähr 150 Stücke dirigiert. Aber selbst auf der Bühne eine Rolle zu spielen, ist für mich etwas vollkommen Neues. Und ich bin sehr nervös!

Aber Sie schnappen einem Ihrer Studenten die Rolle weg!

Herbert Görtz: Da man für diese Rolle einen etwas älteren Herrn braucht, in einer Hochschule aber überwiegend junge Leute herumlaufen, hat der Regisseur mich gebeten, den Kaiser zu spielen.

Obwohl der Regisseur Tobias J. Lehmann Sie ja zum Kanzler degradiert hat. Warum?

Görtz: Er hat das Stück in die heutige Zeit übertragen. In Österreich gibt es schon lange keinen Kaiser mehr, aber „k. und k.“ spuken noch immer überall herum. Daher denken die Menschen am Wolfgangsee in unserer Inszenierung, ich sei der Kaiser. Und am liebsten würden sie von morgens bis abends den Radetzky-Marsch hören und Kaiserschmarrn essen!

Sie spielen also mit den Klischees.

Görtz: Absolut! Das Original-Stück finde ich, ehrlich gesagt, grauenvoll. Aber übertragen in diese heutige Fassung, in der wir wirklich jedes Klischee herauskitzeln, macht es einen Riesenspaß. Man darf auch nicht vergessen, dass diese Produktion eigentlich szenischer Unterricht für unsere Gesangsstudenten ist. Sie sollen nicht nur herumstehen und Arien singen, sondern lernen, wie sie sich auf der Bühne bewegen können. Ich bin wahnsinnig stolz, dass wir seit ein, zwei Jahren mit der Hochschule in eine neue Dimension vorgestoßen sind, indem wir auch Stücke produzieren, die stark aufs Schauspiel setzen.

Wobei die Operetten-Arien auch nicht gerade leicht zu singen sind.

Görtz: Allerdings nicht!

Sie singen auch . . .

Görtz: Ein bisschen. Damit kehre ich zurück zu meinen Wurzeln. Als ich 1978 in Oberhausen anfing, ging es los mit „My Fair Lady“ und „Die Csárdásfürstin“. Ich war glücklich, dass ich damals Operetten dirigieren durfte. Denn gerade in der Operette lernt man das Theater-Handwerk. Davon habe ich unendlich profitiert, weil diese Produktionen dann auch auf die Reise gingen, wir haben in Schulaulen, in Kinosälen, einfach überall gespielt.

Mit dem „Weißen Rössl“ gehen Sie im Juli auch auf Reisen: auf Trecker-Tournee durch die Uckermark. Geht das nicht in die Knochen?

Görtz: Ich lasse mich mal überraschen! (lacht) Es gab im vorigen Jahr mit dem „Eulenschloss“ schon eine Uckermark-Tournee, und die Studenten waren begeistert. Daher wollte ich unbedingt mal mit. Wir ziehen mit einem Zirkuskarren durch die Lande und spielen jeden Abend an einem anderen Ort. Was kann es Besseres für die Studenten geben als diese ganzen Erfahrungen: auf verschiedenen Bühnen und mit unterschiedlicher Akustik. Sie können sich einfach ausprobieren!

Sie selbst dürfen sich nicht nur auf der Bühne ausprobieren, sondern als musikalischer Leiter auch an einem neuen weißen Piano. Genießen Sie ein bisschen Elvis-Feeling?

Görtz: Ein bisschen. (lacht) Wir haben kein ganzes Orchester, sondern nur vier Musiker. Da wir unter freiem Himmel spielen, sitze ich an einem E-Piano. Aus künstlerischen Gründen lehnen wir das natürlich total ab. (lacht) Aber es ist ein supercooles Spielzeug!

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert