Im Rausch: Karl Walter Sprungala als Depeche-Mode-Sänger Gahan

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
12172363.jpg
Ein Bild aus wilden Zeiten: Depeche-Mode-Sänger Dave Gahan (links, neben Alan Wilder) bei einem Konzert 1989. Er ist die fiktiv-konkrete Figur in dem Stück „Als ich einmal tot war und Martin L. Gore mich nicht besuchen kam“ am Theater Aachen. Der Aachener Schauspieler Karl Walter Sprungala verkörpert Gahan bei einem Solo im Mörgens. Foto: imago/Future Image
12167664.jpg
Dieses Trio kreiert die Inszenierung des Stücks „Als ich einmal tot war und Martin L. Gore mich nicht besuchen kam“ von Daniel Mezger im Mörgens: (von links) Schauspieler Karl Walter Sprungala, Musiker Malcolm Kemp und Regisseur Stefan Rogge. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. 28. Mai 1996: Dave Gahan spritzt sich in einem Hotelzimmer einen Cocktail aus Heroin und Kokain. Daraufhin ist er zwei Minuten lang klinisch tot – und genau das empfindet er später als Höhepunkt seines Lebens.

Oder als die größte Pleite, denn leider hat der Rettungsdienst ihn wiederbelebt – wo doch echte Pop- und Rocklegenden erst durch den Drogentod unsterblich werden. Der Tod als Lebensziel – so abgedreht geht es zu in einer Scheinwelt aus Ruhm, Wahn, Rausch, Sex und Musik. Dave Gahan, das ist der Sänger der Band Depeche Mode und als solcher ziemlich vernebelt: als fiktive Bühnenfigur mit durchaus realem Hintergrund in dem Stück von Daniel Mezger: „Als ich einmal tot war und Martin L. Gore mich nicht besuchen kam“. Die Produktion des Theaters Aachen in der Spielstätte Mörgens gewährt eine vielversprechende Wiederbegegnung mit dem beliebten Aachener Schauspieler Karl Walter Sprungala.

Den Glamour eines Popstars verströmt der 59-Jährige jedenfalls nicht, als wir ihn im Mörgens-Café zum Gespräch treffen – eine sympathisch unprätentiöse Erscheinung, unrasiert, ein wenig zerzaust, mit einem schmückenden Querriss in den Jeans, ziemlich genau in Höhe des Knies. Da scheint jemand bewusst demonstrieren zu wollen: Äußerlichkeiten sind Äußerlichkeiten – und auf die kommt es nicht an! Sprungala lässt den Star nicht raushängen, ganz im Gegenteil – obgleich er das Zeug dazu hätte. Ein Antistar spielt also einen zeitweise in sich zerrissenen Star – reizvoller kann man sich eine solche Konstellation kaum vorstellen. „Eine Stunde und 23 Minuten“, sagt Regisseur Stefan Rogge lachend auf die dumme Frage, wie lange Sprungalas Solo auf der Bühne denn so dauern wird. Die Inszenierung steht ja noch gar nicht, Premiere ist am 12. Mai.

Dave Gahan – eine schillernde Figur, die all das mitbringt, was das Klischee eines kleinkriminellen Underdogs aus schwierigen Verhältnissen ausmacht, der über die Musik zu Weltruhm gelangt und drogensüchtig immer wieder abstürzt. Karl Walter Sprungala macht sie mit einem Monolog auf die Bühne lebendig. „Wir kreieren die Figur“, stellt der Regisseur richtig. Und dabei soll es keineswegs um eine Biografie des Sängers und auch nicht um eine Satire auf die Popwelt gehen. „Es ist ein sehr assoziativer Text“, erklärt Vivica Bocks, die Dramaturgin. Im Zentrum steht „eine fiktive Figur, die es wirklich gibt“ – so paradox das auch erscheinen mag.

„Das Stück ist wie im Rausch geschrieben“, sagt Stefan Rogge. „Es könnten auch mehrere Darsteller spielen.“ Genug Freiraum also für einen phänomenalen Schauspieler wie Sprungala. „Es gibt viel zu spielen“, meint der nur lächelnd und mit einer gehörigen Portion Understatement. „Viel zu spielen“ – das heißt erfahrungsgemäß bei ihm: Der Zuschauer kann sich auf einiges gefasst machen. „Das Stück hat eine lustige Struktur.“ Das heißt: Die fiktiv-konkrete Figur auf der Bühne weiß nicht immer so genau, wo sie sich geistig-seelisch-zeitlich-örtlich so befindet. „Sie springt.“ Dem Mann fehlt ein bisschen die Orientierung . . .

„Man blickt in einen Innenraum.“ So beschreibt der Regisseur das Verhältnis des Zuschauers zum Geschehen – das sich um Themen dreht wie Ängste, Befürchtungen, sich auf der Bühne zeigen, den Boden unter den Füßen verlieren. Und dabei will das Stück nichts anderes sein als möglichst gute Unterhaltung – ohne der Welt die letzte Weisheit zu vermitteln.

Die emotionale Seite der Medaille bekräftigt Malcolm Kemp mit seiner E-Gitarre – schließlich geht es ja auch um Musik. Kemp will Depeche-Mode-Hits deutlich anklingen lassen, Sprungala wird dazu singen. Die Musik hat vor allem die Funktion, eine passende Atmosphäre zu schaffen, erklärt Regisseur Rogge.

Überblickt man Sprungalas Auftritte der letzten Jahre in Aachen, fällt auf, dass er fast immer solistisch unterwegs war – mit Lesungen aus „Brokeback Mountain“ bei „Whiskey, Speck und Bohnen“, aus dem Werk von Hölderlin oder in Stücken wie „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ und „Die Nacht kurz vor den Wäldern“. Muss man sich Sorgen machen? Sprungala lacht: „Vor fünf Jahren habe ich ‚Rain Man‘ gespielt. Vielleicht kommt das daher!“ Da stand am Schauspiel Stuttgart Rufus Beck an seiner Seite. Aber im Ernst, besser, halbwegs ernst: „Ich spiele gerne mit mehreren Leuten.“ So war er zuletzt in Ensemblestücken unter anderem in Mannheim und Wien zu sehen. Theater-Sprecherin Ursula Schelhaas freut sich jedenfalls, dass die Terminlage wieder einmal eine Zusammenarbeit möglich gemacht hat. Geplant war das jedenfalls schon lange.

Der echte Dave Gahan ist nach dem damaligen Vorfall nach eigenen Angaben wieder clean, dafür wucherte der Blasenkrebs. Auch daran erinnert sich die fiktiv-reale Bühnenfigur. Aber was wahr ist oder nicht – wer weiß das schon? Vielleicht Sprungala?

War da nicht noch was? Ach ja, Martin L. Gore: Das ist der Keyboarder, Songwriter, Gitarrist und neben Gahan einer der beiden Sänger bei Depeche Mode. Die zwei lagen immer im Clinch miteinander. Britney Spears kommt übrigens auch irgendwie vor...

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert