Im Mörgens sucht eine „Jugend ohne Gott” nach Orientierung

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
jugendbild
Entfremdet: Philipp Manuel Rothkopf, Oleg Zhukov, Robert Seiler, Björn Büchner (liegend von vorn) und Joey Zimmermann in „Jugend ohne Gott” nach Ödön von Horváth im Mörgens. Foto: Ludwig Koerfer

Aachen. Philipp Manuel Rothkopf stellt bei der Premiere nicht nur schauspielerische Qualitäten unter Beweis. Nachdem einige junge Zuschauerinnen die Vorstellung minutenlang durch entnervendes Gekicher gestört haben, quittiert er dies mit einem vernichtenden Blick in Richtung hintere Reihen - und siehe da: Es kehrt wieder Ruhe ein im Mörgens.

Zu sehen gab es dort „Jugend ohne Gott nach dem Roman Ödön von Horváths, eingerichtet für die Bühne von Nora Mansmann, die auch für die Inszenierung veranwtortlich zeichnet.

In den 1930er Jahren begleitet ein junger Lehrer mit humanistischen Idealen (Joey Zimmermann) eine Gruppe rebellischer Schüler (Björn Büchner, Katharina Merschel, Rothkopf, Robert Seiler, Oleg Zhukov) in ein Militärlager, zum „exerzieren, marschieren und ab dem 14. Lebensjahr auch - schießen”.

Moral und Propaganda

Während der Lehrer durch seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg den Glauben an Gott verloren hat und um das Böse im Menschen nur zu gut weiß, schlägt die nationalsozialistische Propaganda bei seinen Schülern voll ein: „Sie wollen Maschinen sein, Schrauben, Räder, Kolben, Riemen. Doch lieber als Maschinen wären sie Munition: Bomben, Schrapnells, Granaten.”

Inmitten der explosiven Stimmung kommt es zu einer Liebesgeschichte, einem aufgebrochenen Tagebuch, schließlich zum Mord - und der Lehrer muss feststellen, dass er seinen moralischen Ansprüchen im „Zeitalter der Fische” nicht gewachsen ist.

Mansmann lässt die Darsteller elegant durch eine Vielzahl an Rollen hüpfen. So mimt Büchner „nebenbei” einen fiesen Staatsanwalt, während Seiler sich als fehlgeleiteter Pfaffe versucht und die starke Katharina Merschel das vagabundierende Räubermädchen Eva verkörpert. Ulkig: Rothkopfs dreieinhalbsekündige Blitzdarbietung als spielender Hund.

Ebenso munter werden Perspektive, Stimmung und Tempo variiert. „Jugend ohne Gott” ist hell und dunkel, laut und leise, komisch und nachdenklich. Um Aktualität bemüht, aber irgendwie deplatziert wirkt dabei nur ein kurzer Einwurf zum Thema „Killerspiele” und Amokläufe. U

nd jeder Zuschauer muss selbst entscheiden, ob er es für eine gelungene Idee hält, dass der norddeutsche Anarchokünstler Rocko Schamoni gegen Ende singenderweise aus den Lautsprechern philosophiert. Dies herauszufinden, sollte sich angesichts von 80 experimentierfreudigen und durchweg kurzweiligen Minuten jedoch definitiv auszahlen.

Die weiteren Termine von „Jugend ohne Gott” im Mörgens des Theaters Aachen: 23., 29. Januar, 2., 5., 6., 25. und 26. Februar. Vorstellungsbeginn ist jeweils um 20 Uhr. Termine für März wird das Theater in Kürze bekannt geben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert