Aachen - Ildikó von Kürthy: Bestsellerautorin kommt in die alte Heimat

Ildikó von Kürthy: Bestsellerautorin kommt in die alte Heimat

Von: Jenny Schmetz
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Aachen. Nach sieben Romanen feiert Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy nun Erfolge mit ihrem ersten Sachbuch. „Unter dem Herzen“ ist „ein Tagebuch über die normalste Sache der Welt“. Sehr persönlich beschreibt die Mutter von zwei Söhnen (sechs und drei), wie die Geburt eines Kindes das Leben einer Frau auf den Kopf stellt. Und das mit einer dicken Portion Selbstironie. Die blitzt auch im Gespräch mit der gebürtigen Aachenerin immer wieder durch.

In der alten Heimat lässt die 45-Jährige am 13. Oktober ihre Erfahrungen auf der Bühne lebendig werden.

Schnallen Sie sich zur Lesung Ihrer „Ansichten einer neugeborenen Mutter“ einen Babybauch um?

Ildikó von Kürthy: Ja. Diese Frage finde ich aber geradezu unverschämt! Womöglich haben Sie angenommen, der Bauch sei echt?

Ich habe ein Foto bei Facebook gesehen. Und keine Sorge: Der Bauch sieht schon nach Kostüm aus.

von Kürthy: Nachdem ich das Foto gepostet habe, habe ich tatsächlich eine Menge Glückwünsche zur nächsten Schwangerschaft bekommen. Aber: Der Bauch ist umgeschnallt!

Das dritte Kind ist also nicht unterwegs.

von Kürthy: Nein. Das wäre dann schon echt lange unterwegs.

Sie touren ja schon seit einem Jahr mit Ihrem neuen Buch. Und sind jetzt also auch Schauspielerin?

von Kürthy: Ein großes Wort, das Sie da sehr gelassen aussprechen. Das sehe ich nicht so. Ich empfinde mich als auf die Bühne kriechendes Nervenbündel. Ich bin keine Schauspielerin, sondern Überlebende auf der Bühne. Danach mache ich drei Kreuze, dass es mich noch gibt.

Also eher Selbstdarstellerin?

von Kürthy: Letztlich versuche ich, meine Angst in den Griff zu bekommen und die paar Sätze, die ich reden muss, einigermaßen anständig rauszukriegen. Deswegen mache ich das immer mit Partner.

In Aachen ist das der Moderator Jörg Thadeusz.

von Kürthy: Ja, am liebsten würde ich die ganze Zeit auf Jörgs Schoß sitzen und seine Hand halten.

So viel Lampenfieber?

von Kürthy: Total!

Warum machen Sie das dann?

von Kürthy: So langsam ist die Lust aufzutreten minimal größer als die Angst. Aber meine Partner kennen die Ansage: Wenn ich schreiend rausrenne, kümmert Euch nicht um mich, sondern sucht jemanden aus dem Publikum, der meinen Part liest.

Die Geschichte Ihrer ersten Schwangerschaft lassen Sie „szenisch lebendig werden“. Mit verteilten Rollen?

von Kürthy: Ja, und das ist wahnsinnig lustig! Jörg Thadeusz, der ja ein stattlicher Typ ist, kommt im Anzug und liest die Rolle der dicklichen Zweifachmutter, die immer alles besser weiß. Ich sitze da als verunsicherte Schwangere, die Angst davor hat, was alles auf sie zukommt.

Wie kommt das an bei Ihren Lesungen?

von Kürthy: Bisher immer super. Jörg braucht nur stoisch den ersten Satz zu sagen: „Ich trage figurformende Unterwäsche.“ Da liegen schon alle am Boden.

Es gibt aber auch einige böse Reaktionen auf Ihr Buch.

von Kürthy: Das habe ich gar nicht so verfolgt. Welche denn?

Man wirft Ihnen zum Beispiel im Internet vor, dass Sie das hehre Erlebnis der Schwangerschaft lächerlich machten.

von Kürthy: Ehrlich?

Oder dass Sie wieder – wie in Ihren Romanen – auf der „Ich bin so dick und hässlich“-Welle surfen würden.

von Kürthy: Ach so?

Diese Kritik haben Sie gar nicht wahrgenommen?

von Kürthy: Nein. Ich lese auch anonyme Kritiken aus dem Internet nicht mehr, weil ich mich dann unverhältnismäßig doll verletzt fühle.

Das ist Ihr bisher persönlichstes Buch. Da trifft Sie auch Kritik besonders tief?

von Kürthy: Die gerade genannte nicht. Ich habe eher den Erfolg viel persönlicher genommen. Als das Buch auf Platz eins der „Spiegel“-Bestsellerliste landete, habe ich geheult. Das habe ich bisher noch nie getan.

Wie viele Exemplare haben Sie bereits verkauft?

von Kürthy: 180 000! Das hat mich aus den Schuhen gehauen.

Aber sonst sind Sie doch höhere Verkaufszahlen gewohnt.

von Kürthy: Aber es ist ein Sachbuch – mein erstes. Für mich war es ein Experiment.

Wobei der Begriff „Sachbuch“ etwas unpassend ist.

von Kürthy: Es wird dem Genre „Sachbuch“ zugeordnet, weil es autobiografisch ist. Es ist natürlich total unsachlich und persönlich!

Trotz des Erfolgs. Mit manchen Müttern ist nicht zu spaßen...

von Kürthy: Mit den meisten Müttern ist nicht zu spaßen! Mit mir ja auch nur sehr bedingt. Scherze auf Kosten des eigenen Erbguts kommen meistens nicht gut an. Aber ich empfinde das gar nicht so, dass ich das Kinderkriegen lächerlich mache. In meinem Buch beschreibe ich auch vieles, was überhaupt nicht komisch ist: von den selbst gebastelten Stilleinlagen bis zur Todesangst um das Kind. Es ist ein Wegbegleiter, der zwar die Wahrheit sagt, aber Mut macht.

Und wann dürfen wir mit Ihren Kita- und Schulerlebnissen in Buchform rechnen?

von Kürthy: Diese Erfahrungen mache ich ja gerade erst. Zwei Elternabende in der Grundschule habe ich bereits hinter mir – und wurde auch schon zum Gespräch zitiert, weil mein Sohn stört. Aber gerade arbeite ich an einem Roman, der fast kinderfrei ist. Und ich plane ein neues Sachbuch, aber da geht es um mich, nicht um die Kinder.

Können Sie schon mehr sagen?

von Kürthy: Nein, ich schweige wie ein Grab!

Und Ihr neuer Roman?

von Kürthy: Ich bin bald fertig, im späten Frühjahr soll er erscheinen. Dafür habe ich extra ein kleines Doppelleben begonnen und eine Wohnung im Hamburger Schanzenviertel gemietet. Dahin ziehe ich mich zum Schreiben zurück. Denn diese blöden Kinder und der Kühlschrank zu Hause nerven natürlich wahnsinnig! (lacht)

Worum gehte_SSRqs?

von Kürthy: Frau fliegt aus ihrem gut situierten, langweiligen Luxusleben und fängt neu an – unter anderem im Szeneviertel „Schanze“.

Aber ohne Kinder.

von Kürthy: Sie hat ein Kind verloren. Und es geht auch um die Aufarbeitung des Todes ihrer Eltern. Es ist an manchen Stellen also ernsthafter, dreht sich gleichzeitig aber auch um Hornhautreduzierung.

Und wenn Sie Ihr Doppelleben im Schanzenviertel führen, passt Ihr Mann auf die Söhne auf?

von Kürthy: Das tut er sowieso fast immer. Wir haben eine wunderbare Arbeitsteilung. Er bringt die Kinder zu Kita und Schule und holt sie wieder ab. Ich bin für die gemütlichen Phasen des Tages zuständig: also Butterbrote schmieren oder Baden. Wir ergänzen uns sehr gut, und ich komme dabei hervorragend weg!

Sie sprachen gerade vom Verlust der Eltern Ihrer neuen Romanheldin. Ihr Buch trägt die Widmung „Meiner Mutter“. Wie Ihr Vater lebt sie nicht mehr. Aber Sie schreiben: „Mit dem Kind wächst die Sehnsucht nach meinen Eltern.“ Wie äußert sich die?

von Kürthy: Sie fehlen mir als Großeltern und als Ratgeber – zum Beispiel bei so banalen Fragen wie: „Hatte ich eigentlich Masern?“. Vor allem fehlen sie mir als lebendige Verbindung in meine Vergangenheit. Da fühle ich mich sehr abgeschnitten.

Sie sind mit Ihren Eltern in Aachen aufgewachsen. Was zieht Sie noch in Ihre alte Heimat – außer Lesungen?

von Kürthy: Sehr viel! Ich habe Freunde dort, meinen geliebten Onkel und meine geliebte Tante. Ich bin immer wieder in Aachen, um die Sehnsucht nach früher zu stillen – was aber nie gelingt. Dann mache ich immer dieselbe Tour und bin immer wieder sehr bewegt: Erst fahre ich zum Grab auf dem Friedhof Hand in Laurensberg – da rauscht immer die Autobahn, aber es ist für mich der schönste Ort der Welt. Dann fahre ich zu unserem alten Haus, zu meinem Gymnasium, zur Grundschule – da riecht es noch genau so, wie ich es in Erinnerung hatte. Und vor allem genau so wie die Grundschule meines Sohnes jetzt. So schließt sich der Kreis.

Und Karneval?

von Kürthy: Ich war dieses Jahr zum ersten Mal bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst. Das war super!

Und Sie kommen wieder?

von Kürthy: Ich habe bisher noch keine Einladung. Wenn Sie da vielleicht mal drauf pochen könnten?! Ich sehe mich da durchaus auch auf der Bühne – dann aber natürlich nur gemeinsam mit Jörg Thadeusz!

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