„Il Trovatore” in Lüttich: Beseelte Klänge in der Nacht

Von: Guido Rademachers
Letzte Aktualisierung:
Finsteres Mittelalter: Die Lü
Finsteres Mittelalter: Die Lütticher „Trovatore”-Inszenierung ist nicht gerade innovativ, vermeidet aber Folklorekitsch. Foto: Jacques Croisier

Lüttich. Es ist dunkel. Sehr dunkel. Trockeneisnebel kriecht über die Bühne. Ein auf den hinteren Prospekt projizierter Augapfel verwandelt sich in einen Vollmond und scheint fahl auf zwei gigantische Stufenpodeste, die mal zu Klostergängen und Kerkermauern, mal zu Burghof und Zigeunerlager zusammengeschoben werden.

Die Lütticher Oper eröffnet die neue Spielzeit mit Verdis „Il Trovatore”. Regisseur Stefano Vizioli belässt die kruden Verwicklungen um Eifersucht und Brudermord, Kindsentführung, -vertauschung und -verbrennung im finsteren Mittelalter. Seine konventionell-handwerkliche Inszenierung setzt sich wohltuend von jedem Folklorekitsch ab. Zwar tanzen auch hier hüfttuchumwickelte Zigeunerinnen vorm Schmiedefeuer, gleich darauf allerdings wird zum Chor „Wer verschönt die Tage des Zigeuners?” einem Spanier die Kehle durchgeschnitten. Alles Handeln ist getrieben von Gewalt und Leidenschaft. Licht in die immerfort währende Bühnennacht bringt allein die Musik, um es genauer zu sagen: Paolo Arrivabeni mit dem Lütticher Orchester.

Arrivabeni ist ein begnadeter Feinmechaniker des Klangs. Sein Dirigat vermeidet Extreme und Knalleffekte. Und doch klingt nichts pauschal. Jeder Moment ist so transparent wie beseelt, begleitet von einem forttreibenden, schnellen, spritzigen Grundrhythmus. Der Herzschlag eines Italieners.

Es heißt, „Il Trovatore” sei einfach zu besetzten, man bräuchte nur die vier besten Sänger der Welt. In Lüttich sind durchaus namhafte Sänger zu hören. Vollends überzeugen können sie nicht. Fabio Armiliato als Manrico wirkt unsicher, er muss schwer kämpfen, das obligate hohe „C” am Ende der Stretta wird eher simuliert als gesungen. Daniela Dessi teilt sich die Partie der Leonora ein, manches wirkt heruntergesungen, manches entwickelt einen mitreißenden Sog. Allein Ann McMahon Quintero (Azucena) mit subtilem Mezzo und der wohlklingend virile Bariton von Giovanni Meoni (Graf Luna) halten konstant gutes Niveau. So bleibt ein überragendes Orchester in Erinnerung, dessen Begleitung das Hauptereignis ist.

Weitere Termine,Karten und Infos

Weitere Aufführungen am 18. (15 Uhr), 20., 23. und 27. September (20 Uhr) im Palais Opéra de Liège (Boulevard de la Constitution).

Karten und Informationen unter Tel. 0032/4/2214722 oder im Internet.

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