„Il Fenomeno“ verzückt Publikum in Aachen

Von: Thomas Beaujean
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Ein absoluter Könner an seinem Instrument: Aniello Desiderio im Krönungssaal des Aachener Rathauses. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Mit einer „Guitar Gala“ des italienischen Weltklasse-Gitarristen Aniello Desiderio erlebte der Wettbewerb zum dritten Aachener Gitarrenpreis seinen krönenden Abschluss. Der „Il Fenomeno“ genannte Ausnahmemusiker entzückte und verblüffte sein Publikum im vollbesetzten Krönungssaal des Aachener Rathauses gleich in mehrfacher Hinsicht.

Mit seiner phänomenalen Spieltechnik, seinen ungeheuren klanglichen Differenzierungen, den rasanten schnellen Passagen und einem höchst sonoren Akkordspiel sorgte er für ungläubiges Staunen darüber, welche Klänge ein Könner vom Range des Neapolitaners aus seinem Instrument zaubern kann.

Zugleich aber sorgte sein interpretatorischer Umgang mit den Werken von Isaac Albeniz, Joaquin Turina, Mauro Giuliani, Napoleòn Coste und Carlo Domenico für Fragen: Zu willkürlich waren die Tempoverzögerungen, zu wenig zwingend melodische Verläufe. Die klanglichen Differenzierungen waren so extrem, dass die kompositorischen Strukturen der Stücke auf der Strecke blieben. Mochte das bei folkloristisch gefärbten Stücken von Albeniz und Turina noch vertretbar sein, so wurde es höchst fragwürdig bei der „Rossiniana Nr. 1“ des Klassikers Mauro Giuliani.

Legitim war dieser interpretatorische Ansatz beim Schlussstück, der von türkischer Musik beeinflussten „Koyunbaba“ des Italieners Domenico. Als Zugabe des umjubelten Auftritts gab es die Gitarrenadaption einer „Gnossienne“ von Eric Satie.

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