ikob Museum: Putin, Beuys und ein gefräßiges Krokodil

Von: Eckhard Hoog
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25 Werke des Aachener Malers Eric Peters (Mitte) aus den letzten drei Jahren zeigt ab Sonntag das ikob Museum für zeitgenössische Kunst in Eupen: darunter Porträts von alten Bekannten . . . Foto: Andreas Herrmann

Eupen. Seine Bilder wirken wie restaurierte antike Fresken – monumental im Format, überwältigend in der Darstellung, altmeisterlich kunstvoll und doch absolut zeitgenössisch, irritierend in der Motivwahl, rätselhaft und vielsagend zugleich – kurz: einzigartig.

Der Aachener Maler Eric Peters präsentiert im Eupener ikob Museum für zeitgenössische Kunst von Sonntag an bis zum 27. Juli seine neue Produktion der letzten drei Jahre, 25 Werke. Titel: „Überall.“ Es ist zugleich die erste Ausstellung, die unter der Leitung des neuen Museumsdirektors Frank-Thorsten Moll stattfindet, allerdings noch von Interims-Chef Francis Feidler initiiert.

Stillleben mit rotem Hummer

„Das ist noch ein richtiger Maler“, erklärt Moll, der Peters in seinem Aachener Atelier im Frankenberger Viertel besucht hat und offensichtlich sogleich angesteckt worden ist von der unfassbaren Konsequenz dieses Künstlers. Selbstquälerisch bis aufs Blut malt er mitunter immer wieder das gleiche Motiv – proportional maßstäblich dreimal vergrößert und dreimal verkleinert: ein Stillleben mit rotem Hummer.

So als wollte er auch noch die letzten Möglichkeiten der Malerei ausschöpfen, sind sieben Versionen davon entstanden. „Er ist ein Malermaler“, sagt Moll, um auszudrücken, wie intensiv der Prozess des Malens Peters beschäftigt und bei ihm über das jeweilige Motiv hinaus selbst zum Thema wird.

Mit welcher Engelsgeduld sich der gebürtige Stolberger, Jahrgang 1952, seinen bis zu saalgroßen Malgründen hingibt, lässt sich nur ahnen. „Ich arbeite an sieben bis zehn Bildern gleichzeitig“, erzählt er. Kein Morgen, den Peters nicht ohne Yoga beginnt – er meditiert. Beigebracht haben ihm das zwei tibetanische Mönche, die vor Jahren das Publikum tagelang im Aachener Ludwig Forum mit der Herstellung eines Sand-Mandalas fasziniert hatten. Der Buddha taucht denn auch immer wieder in seinen Werken auf – manchmal irgendwie ganz von alleine, stellt der Künstler hin und wieder verblüfft fest. Plötzlich ist er da – entstanden nur durch eine ganz besondere Kompositionstechnik.

Joseph Beuys und Wladimir Putin, Grizzlybär und Krokodil, Eisberge, ein schwebender Astronaut, weiße Stierköpfe, Mao mit flämischem Kragen, heranstürmende Soldaten des Ersten Weltkriegs – Stillleben, Porträts, Tier- und Naturdarstellungen, Mythologie, Kosmologie, historische Motive, fiktionale Figuren, das sind die vorherrschenden Bildthemen der letzten drei Jahre. Darth Vader kommt auch vor. Oft bilden fotografische Klischees oder Motive aus filmischen Zusammenhängen die Grundlage der Gemälde – Bilder, die sich durch permanente Wiederholung in der öffentlichen Wahrnehmung eingebrannt haben. Wie die von Joseph Beuys, den jeder mit seinem unvermeidlichen Hut zu kennen glaubt.

Eric Peters‘ Porträt des skurrilen Kunstprofessors präsentiert ein Vexierbild von Gesicht – in mehreren Schichten von sich selbst überlagert und damit das nicht zu fassende, klischeebrechende Bild einer womöglich widersprüchlichen Persönlichkeit. Ähnlich das Porträt Putins – aus der Ferne unscharf, von sich selbst überlagert und nicht fassbar, während die Medien das eine, vermeintlich richtige Bild des russischen Präsidenten verbreiten.

Der Künstler verbindet mit seiner aktuellen Kompositionstechnik der Überlagerung und Spiegelung von Motiven komplizierteste Vorstellungen, die weder vor der Quantentheorie noch vor der Psychoanalyse Halt machen. Aber Peters bremst sich selbst schon mal gerne, wenn er sich beim „Schwafeln“ erwischt und schlicht erklärt: „Die Malerei ist eigentlich ganz einfach.“ Da darf man den ganzen theoretischen Überbau auch mal schnell wieder vergessen.

Dann mündet so manche Erklärung eines faszinierenden Bildes wie das eines Krokodils, das in dieser aufgeblähten Darstellung noch gefräßiger wirkt, ohne große Umschweife in ziemlich direkte Symbolik: „Ein Monstrum unserer Zeit: der Kapitalismus.“ Und der schmelzende, in wärmere Gefilde abdriftende Eisberg wird zum Sinnbild eines Migranten in der Natur.

So spiegelt der Künstler letztlich auch die Welt mit ihren tatsächlichen und trügerischen Wahrheiten in seiner Malerei wider – und es kommt manchmal etwas ganz Neues dabei heraus: zum Beispiel eine kleine Buddhafigur, die sich plötzlich im Zentrum eines Bildes, allein durch die Überlagerung von Motiven, findet. Zufall? Nicht für Eric Peters.

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