Aachen - Hüne donnert mit riesigen Händen über die Tastatur

Hüne donnert mit riesigen Händen über die Tastatur

Von: Thomas Beaujean
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Jetzt also statt der Südfranzösin Hélène Grimaud der US-Amerikaner Tzimon Barto, der im letzten Moment für die wieder oder noch immer erkrankte Französin in dem nachzuholenden Meisterkonzert in Aachen eingesprungen ist.

Sein Programm war so ungewöhnlich wie seine Art, Musik zu interpretieren. Stilistische Fragen scheinen den athletisch gebauten Hünen mit den riesigen Händen überhaupt nicht zu interessieren. So sind für ihn die Sonate Nr. 10 C-Dur von Joseph Haydn oder die Allemande a-Moll aus einer Cembalo-Suite von Jean Philippe Rameau lediglich Notenvorlagen, an denen er sein Anschlagsrepertoire und seine Gestaltungsmöglichkeiten demonstrieren kann.

So hört man Haydn und Rameau in feinstem Pianissimo, mit koketten Akzenten, romantischen Rubati, mit endlos zerdehntem Tempo im Andante der Haydn-Sonate. Das mag pianistisch interessant sein: Stilistisch ist es unmöglich. Das ist nicht manieriert, das ist die reine Willkür. Johannes Brahms hat seine beiden Hefte der Paganini-Variationen „Studien für Klavier” genannt. Jede der Variationen ist eine eigene Etüde, in der ein bestimmtes technisches Problem abgehandelt wird. Die Variationenfolge ist das spieltechnisch Anspruchsvollste, was Brahms je für Klavier geschrieben hat.

Publikum ist erfreut

Das Stück ist bei Tzimon Barto in den besten Händen, zumindest, was die technische Realisierung anbelangt. Zur Freude des Publikums donnern die Oktaven, rollen die Sexten, stehen zarteste Pianissimo-Klänge neben brachialen Gewaltausbrüchen in den Bässen. Das klingt alles mehr nach Liszt als nach Brahms. Klavierspiel als Hochseilakrobatik. Wirkungsvoll ist es allemal.

Barto hat einen Kompositionswettbewerb für Klavierwerke solo ins Leben gerufen. Die „Six études for solo piano”, die er nach der Pause spielte, stammen aus der Feder des Preisträgers 2010 George King: reizvolle, spannende und eigenständige Musik, die das Klavier teilweise zum Schlaginstrument macht, teilweise fein gesponnene Klangteppiche mit minimalistischen Elementen ausbreitet. Hier ist Barto in seinem Element. Hier sind Vorlage und Interpretation, rasende rhythmisch-gehämmerte Virtuosität und subtile Klanglichkeit im Einklang.

Chopin virtuos

Sein Chopin-Spiel im Andante Spianato und Grande Polonaise Brillante ist virtuos, brillant, aber ohne Noblesse und Eleganz. Mit der Zugabe der zweiten Ungarischen Rhapsodie von Franz Liszt bringt er das Publikum zu Standing Ovations. Klavierspiel im Grenzbereich. Manche mögen es.
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