Horntage kommen jetzt auch nach Aachen

Von: Jenny Schmetz
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Duo am Doppelhorn: Dozent Ralph Ficker (links) und Student Valentin Kalhoff. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Es gibt da diese Witze über Hornisten. Einer geht so: „Wie nennen Insider das Horn? – Glücksspirale!“ Ralph Ficker kann darüber noch lachen. Obwohl er selbst Hornist ist. Sein Instrument gilt als überaus schwierig zu beherrschen.

„Man braucht nicht Glück, sondern vor allem Technik!“, betont der Niederländer. Er spielt nicht nur bei den Hamburger Philharmonikern und hat einen Lehrauftrag an der Hochschule in Hannover, seit einem halben Jahr ist er auch Dozent an der Aachener Musikhochschule, keine 20 Kilometer von seiner alten Heimat Voerendaal entfernt.

Nebenbei ist der 32-Jährige auch noch Initiator der Norddeutschen Horntage, die junge Musiker mit Meistern ihres Fachs zusammenbringen. Von Wolfenbüttel hat er die sechste Ausgabe nun an seinen neuen Wirkungsort nach Aachen geholt: Dort werden sie vom 15. bis 18. März erstmals stattfinden. Die Norddeutschen Horntage ganz tief im Westen? „Die Veranstaltung ist als Marke etabliert, daher wollten wir den Namen nicht ändern“, erklärt der Gründer, der nicht nur Fachpublikum ansprechen möchte, sondern auch Laien für das Horn begeistern möchte.

Auch sein Student Valentin Kalhoff kann das bestens: Der 25-Jährige schwärmt vom „tollen Klang“ des Blechblasinstruments: „Warm, dunkel, sanft, berührend.“ Und von seiner Vielseitigkeit: ob strahlend-schmetternd oder melodisch-weich, ganz laut oder ganz leise. Mit seinem großen Tonumfang von vier Oktaven und seiner breiten dynamischen Palette findet sich das Horn in allen Epochen der Orchesterliteratur, besonders die Komponisten der Romantik hatten ein Faible für das Instrument.

Wenn Ficker und Kalhoff ihre drei bis vier Kilo schweren Doppelhörner vor die Brust wuchten und durch das kleine Mundstück in das rund dreieinhalb Meter lange, gewundene Messingrohr blasen, sieht das auch ein bisschen nach Hochleistungssport aus. „In höheren Lagen liegen die Töne näher beieinander“, erklärt der Dozent die Tücken. Sie sind nicht so leicht zu treffen. Da kann dann schon mal der berüchtigte Kiekser herauströten. Bei diesem Wegbrechen des Tons hören sogar Laien, dass irgendwas verrutscht ist.

Angesichts des Nervenkitzels bei jedem Horn-Solo brauchen die Musiker trotz aller Mundspannung aber vor allem „Entspanntheit im Kopf“, sagt der Student. Dazu Konzentration und Geduld beim Üben. Zwei bis drei Stunden übt er auch heute noch täglich, sagt der Lehrer. Mit neun oder zehn Jahren ist er von der Blockflöte aufs Horn umgestiegen, sein Vater, ein Dirigent und Musiker, meinte: „Versuch's doch mal!“ Ficker versuchte es und merkte: „Es dauert lange, bis man Erfolge hat.“ Aber er blieb dran, studierte in Maastricht – und spielt jetzt in der ersten Liga.

Sein Chef in Hamburg, der Dirigent Kent Nagano, meint, die Hörner gehörten zu den „sensibelsten Gruppen“ im Orchester, sie bildeten die „seelische Substanz“. Als der Niederländer dieses Zitat hört, lacht er und meint: „Jetzt weiß ich auch, warum er immer so nett zu mir ist!“ Aber da sei schon was dran: In der neuen Elbphilharmonie sind die Hornisten am meisten in der Orchesterordnung hin- und hergerutscht, erzählt er – bis sie endlich den richtigen Platz für einen guten Klang gefunden hatten.

Bis Valentin Kalhoff in einem Orchester Platz nehmen darf, dauert es noch ein bisschen, der 25-Jährige aus Warburg ist im zweiten Master-Semester und einer von rund 60 Teilnehmern der Horntage. Aus Europa und Asien kommen Studierende, Schüler und Profis zum Erfahrungsaustausch, Einzelunterricht und Probespieltraining nach Aachen. Auch eine Mental-Trainerin wird Tipps geben – atmen, entspannen und bloß nicht an die Kiekser denken!

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