Hommage an den Samba

Von: Susanne Schramm
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Geschmeidige Tänzer, starke Sänger, leidenschaftliche Musiker: Fast 40 Künstler präsentieren „Brasil Brasileiro“ in Köln. Foto: Nilz Böhme

Köln. Rose Barcellos singt. Ihre Stimme ist dunkel, volltönend und angefüllt mit Wärme. Sie leuchtet und vibriert und durchdringt die Philharmonie bis zum obersten Rang. Auch die, die kein Portugiesisch verstehen, begreifen, um was es geht. Um Liebe. Um Sehnsucht und um Schmerz.

In 120 Minuten (plus Pause) begegnet man der Frau, die einst als 19-Jährige im brasilianischen Nilópolis in Bars und Steakhäusern sang, immer wieder. Sie ist die Seele einer Show, die „Brasil Brasileiro“ heißt und nun ihre Deutschland-Premiere in Köln erlebte.

Die dritte Produktion im Rahmen des 27. Kölner Sommerfestivals erzählt Musikgeschichte(n) eines Landes. Oder: die Geschichte eines Landes in der Sprache der Musik. Die hinreißende Hommage an den Samba wird präsentiert von 20 Tänzern, zehn Musikern und sechs Sängern. Zusammengestellt hat die Truppe Showmacher Claudio Segovia, der dafür zwei Jahre lang das Land bereiste. Starke Sängerinnen wie Rose Barcellos, geschmeidige Tänzerinnen wie Sheila Aquino oder leidenschaftliche Musiker wie den Akkordeonisten Alexandre Caldi fand er in Orchestern, in Karnevalskorps oder in Kulturzirkeln. Sogar ein Straßenkehrer aus Rio de Janeiro ist dabei.

Revueartig reicht der Bogen von den Anfängen – die pulsierenden Rhythmen gehen zurück auf afrikanische Sklaven, die sie im 19. Jahrhundert aus dem Kongo, dem westlichen Sudan und Angola mitbrachten – über die „Maxixe“, einen engen Paartanz, der es bereits 1910 nach Europa schaffte, und den Samba, der 1959 Teil des lateinamerikanischen Turnierprogramms wurde, bis hin in die heutige Zeit. Wo es einen Karneval abseits des touristischen Karnevals mit Strass und Federn gibt, der von jedermann getanzt und gefeiert wird, sich neue Formen herausbilden, die von Hip-Hop und Streetdance beeinflusst sind und der Kampftanz Capoeira, der die Grenzen zur Akrobatik sprengt, über die ganze Welt verbreitet ist.

Es ist ein Feuerwerk aus hypnotisch-pulsender Percussion, fliegenden Körpern und farbenprächtigen Kostümen. Gepaart mit melancholischen Klängen, einem Schuss Nostalgie und dem Gefühl, dass Brasilien unbedingt eine Reise wert ist. Auch nach der WM.

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