Düren - Hoesch-Museum: Räume voller Träume, Trash und Popcorn

Hoesch-Museum: Räume voller Träume, Trash und Popcorn

Von: Eckhard Hoog
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Klaus Kinski lässt grüßen: Das gut anderthalb Meter hohe Werk stammt von dem Leipziger Künstler Paule Hammer.
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16 Installationen aus der bislang nur Eingeweihten bekannten rheinischen „Sammlung Wilhelm Otto Nachfolger“ zeigt ab Sonntag das Dürener Leopold-Hoesch-Museum, darunter diesen riesigen, Pappgewebe produzierenden Webstuhl von Michael Beutler. Foto: Eckhard Hoog

Düren. Mit einem so seltsamen wie unscheinbaren Titel kündigt das Dürener Leopold-Hoesch-Museum für das Wochenende eine neue Ausstellung an: „Slg. Wilhelm Otto Nachf.“ – auszusprechen als „Sammlung Wilhelm Otto Nachfolger“. Und obgleich Museumsdirektorin Renate Goldmann offenbart, dass es diesen Wilhelm Otto als Person überhaupt nicht gibt, dürfte die spektakuläre Ausstellung dennoch enorme Wellen schlagen.

Gezeigt wird zum ersten Mal die seit 20 Jahren weitgehend im Verborgenen zusammengetragene, außergewöhnliche Kollektion zeitgenössischer Kunst eines Kölner Unternehmers.

Der Sammler will seinen Namen nicht veröffentlicht wissen – um sich „nicht über die Kunst und die Künstler zu stellen“, wie er uns sagte. „Und das ist kein Versteckspiel.“ Er verabscheut es vielmehr, dass sich viele Kunstsammler mit ihrem Namen viel zu sehr selbst in den Vordergrund drängen. Zur Eröffnung am Sonntag kann man dem „geschätzten Mittvierziger“ (Goldmann) in Düren dennoch persönlich begegnen, wenn er einige Dankesworte sprechen wird. Wilhelm und Otto jedenfalls hießen seine Großväter, nach ihnen ist die Sammlung jetzt ganz bescheiden benannt.

Das Besondere: Der Mann sammelt auch raumfüllende Installationen einer jüngeren und mittleren europäischen Künstlergeneration – zum Beispiel von David Thorpe, Cosima von Bonin und Corinne Wasmuht. Und das geht so: Mit seiner Familie bewohnt er eine Etagenwohnung in Köln, das Wohnzimmer ist zur Hälfte abgetrennt – hier platziert er seine raumgreifenden Neuerwerbungen und lebt mit und in ihnen. Nach einem Urlaub überraschte er zu Hause zum Beispiel seine wieder eintreffende Familie mit einem Werk von Michael Sailstorfer: Kniehoch bedeckt mit Popcorn war das Wohnzimmer, ausgespuckt von einer unermüdlich ploppenden Popcornmaschine. Zumindest die Kinder sollen begeistert gewesen sein. Zur Vernissage am Sonntag wird die Sailstorfer-Installation eine der Attraktionen sein – für die Besucher stehen viele befüllbare Popcornbecher bereit.

Ein okkulter Kirchenraum, der gut und gerne für schwarze Messen geeignet ist, stammt von dem Berliner Thomas Zipp – der Sammler lebte damit wochenlang in seinem Kölner Wohnzimmer. Die Orgelmusik dürfte der Nachbarschaft gehörig auf den Wecker gefallen sein. Schwarze Ketten hängen von der Decke, schwarzes Gestühl, schwarze Requisiten könnten aus der Gothic- oder Punker-Szene stammen. Kunst zwischen Trash und Spiritualität. Ähnlich der Kölner Kai Althoff: Er baute wohnzimmergroß Details eines Franziskanerklosters nach. Auf Zipps Orgel wird während der Vernissage Veit Loers spielen, ehemaliger Leiter des Fridericianums Kassel und des Museums Abteiberg in Mönchengladbach.

Documenta-Teilnehmer und Dürener Peill-Stipendiat Manfred Pernice spricht von der drohenden „Verdosung der Welt“, wenn er den standardisierten Alltag der Menschen meint. Pernice spielt mit der Grenze zwischen Kunst- und Gebrauchsobjekt, stellt einen gedeckten Tisch mit Baccara-Rosenformen ins Museum, drapiert mit allerlei gläsernen Gefäßen, und überlässt es dem Betrachter, das Künstlerische der Objekte herauszufinden.

Zu den 16 ausgestellten Rauminstallationen gehört ein monumentaler, selbst gebauter Webstuhl von Michael Beutler, der allerdings keine Teppiche hervorbringt, sondern ein gewaltiges „Gewebe“ aus Wellpappe-Bahnen. Damit kleidet Beutler den gesamten umgebenden Raum aus. Der Künstler hat sich bei der Vorbereitung seiner Arbeit eigens in einer Teppichfabrikation umgesehen. Seine Skulpturen bewegen sich zwischen den Bereichen Kinetik, Prozess, Konstruktion und Architektur, während Zipp und Althoff eher auf Räume des Spirituellen abzielen.

Der Leipziger Paule Hammer krönt eine aus der Wand kriechende überdimensionale Raupe mit der gewaltigen, unverkennbaren Visage von Klaus Kinski – einer verzerrten Maske der Unterhaltungsindustrie, seinerzeit Schreckbild und Ikone zugleich.

Eine lebensgroße Marionette, geisterhaft dreinschauend, lässt Markus Schinwald hin und her schaukeln wie in einem surrealistischen Traumbild – in einer Skulptur, die innere Räume zum Thema hat. So bekommt man in Düren einen eindrucksvollen Überblick, welche Vielfalt die Gattung Installation heute bietet.

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