Hintergründige Kompositionen auf heiterer Oberfläche

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
Letzte Aktualisierung:
Schräge Linien: Edward Zowork
Schräge Linien: Edward Zoworka stellt in Aachen aus. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Der erste Blick geht ins Leere. Ein großes weißes Rechteck, gerahmt von ein paar schrägen farbigen Linien, hängt direkt gegenüber der Tür. Daneben scheint eine Sonne mit dünnen bunten Strahlen auf rosa Grund und schafft eine verwunderliche Sorglosigkeit.

Dreht man sich zur anderen Wand um, scheint Beuys mit einer gewissen sakralen Note zu grüßen, ehe schließlich ein reduzierter, aber prägnanter Farbrhythmus zur Enträtselung einlädt.

Schon der erste Raum der Aachener Galerie 45 zeigt die Bandbreite der Malerei von Edward Zoworka. Der Professor an der Fachhochschule Aachen und Dozent an der Akademie für Handwerksdesign malt Bilder über die Malerei. Als Meisterschüler bei Jan Dibbets studierte er selbst Malerei und Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf.

„Es ist noch nicht alles gesagt, es gibt kein Ende der Malerei”, stellt der Künstler klar und bezieht sich etwa auf die vergangenen 100 Jahre Malereigeschichte. Ist ein weißes Rechteck die Antwort auf das berühmte schwarze Quadrat? Schon auf den zweiten genauen Blick entpuppt sich das Weiß als lichtes Hellblau, und die schrägen Linien an den Rändern geben nicht nur Rätsel mit ihrer Farbkomposition und -fügung auf, sondern irritieren den Betrachter auch körperlich. Ein leichter Schwindel stellt sich ein. Wo ist der Halt?

Das Drama der Wahrnehmung und der Auseinandersetzung mit dieser Wahrnehmung führt ins Schwarze der Kunst von Edward Zoworka. Seine kippenden Bilder und gedachten Linien, die die bunten Streifen und Rhythmen zu regelrecht hintergründig durchdrungenen Kompositionen auf einer heiteren Oberfläche machen, laden zum intensiven Betrachten und Hinterfragen ein.

„Die Zeit der Grundfarben ist vorbei”, sagt Zoworka angesichts seiner Pink-, Orange und Lilatöne, die er zu Farbklängen zusammensetzt. Immer wieder verwirft der Maler eine Komposition auf Weiß, nimmt Farbstriche weg und übermalt sie, ohne die Spuren völlig zu verwischen. Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint - unter der Oberfläche ist Bewegung, ernsthafte Durchdringung, hart erkämpfte Selbstverständlichkeit.

Zoworka spielt mit dem Phänomen der Greifbarkeit. Trotz Komposition und Kalkül schwingt eine gewisse Unberechenbarkeit mit, vielleicht Zufall oder Eigendynamik, die die Arbeit im Schaffensprozess und in den Augen des Betrachters in eine interessante Schräge bringt, die neue Erkenntnisse ermöglicht. Ergänzt werden die Gemälde durch eine Reihe von Holzskulpturen, die sich ebenfalls der schnellen Greifbarkeit entziehen, ohne abweisend zu sein.

Noch bis zum 16. Dezember zu sehen

Die Ausstellung von Edward Zoworka ist rätselhaft, amüsant und nachhaltig zugleich. Sie kann noch bis Sonntag, 16. Dezember, in der Aachener Galerie 45, Ludwigsallee 45, besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

Geöffnet: freitags und samstags 14 bis 19 Uhr und sonntags 14 bis 17 Uhr oder nach Absprache unter Tel. 0241/ 4507885.
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