Hier Tradition, dort Moderne: Das Summerjam-Festival

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
10423903.jpg
Der größte gemeinsame Nenner: Für Patrice war das 30. Summerjam-Festival mal wieder ein Heimspiel. Foto: Heiner Schepp

Köln. Zum Geburtstag lädt man sich gern Freunde ein. Wenn es dann noch ein runder ist, darf die Feier gerne auch etwas pompöser sein. Und so waren die Veranstalter des 30. Summerjam-Festivals in Köln nach eigenem Bekunden in diesem Jahr besonders bemüht, die Festival-Musik der vergangenen drei Jahrzehnte auf die Bühnen zu bringen.

Rein äußerlich ist dieses Vorhaben auf jeden Fall gelungen, denn noch nie war die Summerjam bereits zwei Tage vor dem ersten Ton mit 30.000 Besuchern restlos ausverkauft. Abweisend reagierten viele Summerjam-Fans indes auch im Vorfeld in den sozialen Netzwerken auf die Geburtstags-Künstlerliste. „Was macht der Panda in unserem Wohnzimmer?“, hieß es da zum Auftritt des Deutsch-Rappers Cro als Höhepunkt des Eröffnungstages. Die Menschenmassen vor der roten Bühne, die beinahe jede Zeile des 25-jährigen Stuttgarters mitsingen konnten, gaben den Programmmachern aber Recht.

Wem das junge Publikum, Pyrotechnik und die Musik nun gar nicht passte, der pilgerte zur grünen Bühne, wo zeitgleich die Summerjam-Geschichte tatsächlich greifbar wurde: Die britische Band Steel Pulse praktiziert Rootsreggae in Reinform und gehörte schon bei der zweiten Auflage des Festivals 1987 zu den Headlinern.

Höhepunkt der Summerjam-Zeitreise an diesem heißen Wochenende im Kölner Norden aber war natürlich Damian Jr. Gong Marley, der jüngste Spross der Reggae-Legende Bob Marley. Dem 36-Jährigen sagt die Szene nach, von den Marley-Söhnen musikalisch am wenigsten das Erbe seines großen Vaters fortzuführen, doch Damian widerlegte dies grandios: Mit Charme und spielerischer Leichtigkeit mischte er moderne Stilrichtungen in die große Musik von Bob Marley und machte mit „Could you be loved“ oder „Exodus“ alte wie junge Reggaefans glückselig.

Einen Teil des Konzepts und zumindest auch die jüngere, zweite Hälfte der Summerjam-Historie verkörperte auch Patrice. Der 1979 in Köln geborene Sohn einer deutschen Mutter und eines Vaters aus Sierra Leone war bereits bei der Summerjam 2001, ein Jahr nach seinem ersten Album, beim Fühlinger Festival mit von der Partie. Nun war er einer der Top-Acts, mischte Jazz, Funk, Soul und Hip Hop in die Reggae-Grundzutat und genoss sein achtes Heimspiel hörbar und sichtlich.

Patrice war damit auch so etwas wie der größte gemeinsame Nenner zwischen traditionellem Reggae und den modernen Strömungen bei der Summerjam. Für letztere stand neben dem haitanischen Hiphop-Hitlieferanten Wyclef Jean zum Summerjam–Finale auch eine Band, die bei tropischen Temperaturen den Eisbrecher gegeben hatte: Das Hiphop-Trio Antilopen Gang aus Aachen und Düsseldorf (Danger Dan, Koljah und Panik Panzer) sparte nicht mit politischen Aussagen und traf damit durchaus auch den Nerv des Festivals, das über seine Künstler so gerne die friedliche Koexistenz der Völker und Kulturen propagiert. Jeder halt auf seine Weise.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert