Hermann-Josef Schüren erhält für seinen Roman den Niederrheinischen Literaturpreis

Von: Sabine Rother
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Lehrerkollegen am Puppenbrunnen in Aachen: Hermann-Josef Schüren wird am Sonntag mit dem Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld ausgezeichnet. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Deftig darf es sein, aber stets schwingt ein bisschen feine Melancholie mit. Und eine Widerborstigkeit, die mit den Jahren nicht mehr so scharf daherkommt, und eine treue Liebe zu den Menschen vom Lande, zu denen auch er noch gehört.

 Der in Aachen lebende Schriftsteller Hermann-Josef Schüren, 1954 als Kind einer Bauernfamilie in Kerken am Niederrhein geboren, wird am Sonntag mit dem Niederrheinischen Literaturpreis ausgezeichnet – ein Ritterschlag für den Autor, der sich seiner Herkunft stark verbunden fühlt, aus ihr schöpft und durch sie immer neue Geschichten und Gedichte entwickelt.

Der Preis wird nur alle zwei Jahre vergeben, bewerben kann man sich nicht. „Das Werk soll mit der Region zu tun haben und sich irgendwie hervorheben“, sagt Schüren ein bisschen verlegen. So kam sein Roman „Junge Stiere“ ins Gespräch, den er mit Hilfe eines Stipendiumss der Kunststiftung NRW fertigstellen konnte – und der ließ das Gremium nicht mehr los. Eine Jugend auf dem Lande, am Niederrhein zu jener Zeit spielend, als Schüren selbst Kind war. „Das Buch hat autobiografische Züge, aber Jakob, der Ich-Erzähler, das bin nicht ich“, betont der Autor.

Und doch ist da Heimat: Die „existenziellen Erfahrungen“ auf dem familiären Bauernhof in seinem Heimatdorf, den es bis heute gibt, haben geholfen – beim Fühlen, Denken und Fabulieren. „Es ist das erste Buch, bei dem ich den Schluss zuerst geschrieben habe“, erzählt Schüren. Danach hat er die „Fäden“ aufgegriffen und die prall und unverblümt erzählte Geschichte auf ihren Beginn zurückgeführt – handschriftlich und in langen Nächten. Schüren liebt die Groteske, lebt sich darin aus, das tut ihm gut. Immer wieder diskutiert er mit Freunden und Kollegen über den „perfekten Satz“. Wie der aussehen könnte? „Er braucht auf jeden Fall eine überraschende Wendung“, meint er nachdenklich. „Platte Wahrheiten sind furchtbar.“

Sachbücher, Kinder- und Jugendbücher, Krimis, Bildbände – Schüren hat sich überall ausprobiert. Inzwischen unterrichtet er auch – seine Studienfächer Deutsch und Philosophie am Aachener Couven-Gymnasium. „Als ich ungefähr 50 Jahre alt war, hatte ich Probleme mit dem Schreiben. Da habe ich das Lehrerexamen nachgemacht – ich hatte mein Studium ja eigentlich mit dem Magister abgeschlossen.“ Seine Schüler fanden den reifen Referendar gut.

Als eine „Übung in Demut“ beschreibt er den Umgang mit den sehr viel jüngeren Fachleitern im Studienseminar. Schule gefällt ihm, noch immer. „Diese Aufgabe gibt mir Struktur“, sagt er. „Bald konnte ich mich wieder auf das Schreiben freuen.“ Lyrik, die „Miniatur“, das sind Formate, die er prinzipiell dem Roman vorzieht. „So eine Miniatur ist wie ein erweiterter Aphorismus, wunderbar!“

Im Dreiländereck fühlt er sich wohl – ob nun in Deutschland, den Niederlanden oder Belgien. Er liebt die Genussfreudigkeit, den Charme, die kleinen Verrücktheiten zwischen Fritten, Pralinen und einem Aperitif. Dass die Nachricht vom Literaturpreis auch mit Nennung der Dotierung – 10.000 Euro – verbunden war, fand Schüren gar nicht so lustig: „Jetzt wollen mich die Schüler anpumpen. Einer sagte, er würde so gern zum Justin-Bieber-Konzert fahren, ob ich ihm das nicht bezahlen könne . . .“

Hermann-Josef Schüren: „Junge Stiere“. Grenz-Echo-Verlag, 270 Seiten, 19,95 Euro.

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