Heimbacher „Spannungen“: Uraufführung von Mustonen gefeiert

Von: Gudrun Klinkhammer
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Meister der Kammermusik: Christian Tetzlaff (v. l.), Florian Donderer, Olli Mustonen, Hartmut Rohde und Gustav Rivinius. Foto: G. Klinkhammer

Heimbach. Nach dem zweiten Satz hängt der Cellobogen des glänzend aufgelegten Gustav Rivinius leicht in Fetzen, im dritten Satz fängt der Geigenbogen von Florian Donderer an zu schwächeln. Die Uraufführung der Auftragskomposition beim Kammermusikfestival „Spannungen“ im ausverkauften Jugendstilkraftwerk in Heimbach fordert Mensch und Instrument so ziemlich alles ab.

Der finnische Komponist und Pianist Olli Mustonen (geb. 1967) legt mit dem Quintett für Klavier, zwei Violinen, Viola und Violoncello ein Werk vor, mit dem er sich in die Riege der großen Meister katapultiert.

Was an der Uraufführung so mitreißt, sind zum einen die perfekt agierenden Musiker, zum anderen die Komposition selbst, die den einzelnen Instrumenten ihre Bestimmung zugesteht. Christian Tetzlaff und Florian Donderer (beide Violine), Hartmut Rohde (Viola) und Gustav Rivinius (Violoncello) zeigen ihr ganzes Können. Außergewöhnlich extravagant: der Komponist am Flügel. Mustonens rechte Hand dirigiert und schwirrt über die Tasten wie ein Greifvogel, der im richtigen Moment herabfliegt.

Immer wieder bäumt sich seine Musik bis zur Ekstase auf, um dann in eine zarte Stimmung zurückzufallen. Die Streicher formen dezente Pizzicato-Töne, im nächsten Moment lassen sie die Bögen auf den Saiten heißblütig tanzen. Rhythmisch immer dichter werdend führen die Klänge fast bis zum Exzess. Erstaunlich, wie häufig sich die Musik im tonalen Bereich bewegt und dennoch so anders klingt – so scharf, schneidig, heroisch und tänzerisch – als herkömmliche Kompositionen dieser Art.

Ein neuer Meilenstein der Kammermusik wird von Bewährtem gebührend eingerahmt. Als Kontur dienten Beethovens Quintett für Klavier und Bläser Es-Dur, ein Quartett Mustonens von 2010 und das Quintett für zwei Violinen, zwei Violen und Violoncello Nr. 2 B-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy. Beethovens Quintett gaben Dina Ugorskaja (Klavier), Christian Wetzel (Oboe), Sharon Kam (Klarinette), Dag Jensen (Fagott) und Sybille Mahni (Horn) eine sehr romantische Prägung. Einzig in Mendelssohn Bartholdys Quintett werden leichte Unsicherheiten hörbar. Ein Wackler im Zusammenspiel trübt den dritten Satz. Dennoch erhalten die Akteure für ihre alles in allem grandiose Leistung langanhaltenden Applaus.

Dem Industriellen Ulrich Rohs und seiner Frau Uta Rohs wird die Auftragskomposition der „Spannungen“ 2015 übergeben. Seit Beginn des Festivals finanziert Rohs die Auftragskompositionen, und er versichert: „Auch in den kommenden zehn Jahren werde ich für die Finanzierung einer jährlichen Auftragskomposition aufkommen.“ Dankbar für diese Unterstützung sind die Initiatoren der Kammermusikreihe „Spannungen“, Lars Vogt als künstlerischer Leiter und Hans-Joachim Güttler vom Kunstförderverein Düren.

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