Heimbacher „Spannungen“: Mozart, Schubert, Lachner

Von: Pedro Obiera
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Heimbach. Die schroffe Verknüpfung von maßstabsetzenden Meilensteinen der Kammermusikliteratur mit mehr oder weniger ausgefallenen Raritäten prägt neben dem unverwechselbaren Ambiente der Spielstätte den Reiz der Heimbacher „Spannungen“.

Die Gefahr, dass sich nicht jede Entdeckung als Goldfund erweist, muss man in Kauf nehmen. Franz Lachners Nonett nimmt sich in der Umgebung von Mozarts Streichquartett KV 428 und Schumanns Klavierquartett op. 47 natürlich recht bescheiden aus.

Ein gut gearbeitetes, braves Werk aus dem Jahre 1875, das sich weder mit den Meisterwerken Mozarts und Schumanns messen lässt noch auf der Höhe seiner Zeit bewegt. Immerhin bietet das Heimbacher Künstlertreffen die Möglichkeit, ein so heikel besetztes Werk überhaupt aufführen zu können und das auch noch von einem „All-Star-Nonett“ mit Sharon Kam (Klarinette), Florian Donderer (Violine), Gustav Rivinius (Violoncello) und anderen.

Luciano Berios freches Melodram „Opus Number Zoo“ für Bläserquintett bietet den Musikern um die Flötistin Andrea Lieberknecht dankbare, ebenso virtuose wie humorvolle Aufgaben. Die Freundschaft des Fagottisten Dag Jensen mit dem norwegischen Komponisten Olav Berg verhalf den „Spannungen“ zu einer interessanten, wenn auch etwas rätselhaften Uraufführung.

Bergs „Trio Hamlet“ für Flöte, Fagott und Klavier gefällt durch seine vitale, oft dialogisch angelegte Tonsprache, die eine Nähe zum Theater erahnen lässt, ohne auf Anhieb einen direkten Bezug zu Hamlet erkennen zu lassen. Was soll’s? Dag Jensen, Andrea Lieberknecht und der Klavier-Stipendiat Mario Häring taten alles, um ins tönende Gespräch zu kommen.

Haushoch ragten natürlich Mozarts intensive Auseinandersetzung mit der von Haydn maßstäblich geprägten Gattung des Streichquartetts und Schumanns geniales Tasten nach größeren Besetzungsformationen heraus. Bei Schumann konnte der künstlerische Leiter des Festivals, Lars Vogt, mit seinem zurückhaltend-einfühlsamen Spiel in dessen Klavierquartett op. 47 nicht minder überzeugen als am Montag in Brahms‘ Klavierquintett op. 34.

Der Aufbruchcharakter des jugendlich auftrumpfenden Werks war bei Katharine Gowers (Violine), Yura Lee (Viola) und dem Cellisten Maximilian Hornung ebenso gut aufgehoben wie die warmen, emphatischen Kantilenen im langsamen Satz.

Eine Überraschung im jungen Ensemble bot die Anwesenheit des großen, verdienten schwedischen Cellisten Frans Helmerson, der sich mit hörbarem Vergnügen Mozarts grandiosem Streichquartett in Es-Dur KV 428 annahm. Und das im aufmerksamen und frischen Zusammenspiel mit Christian Tetzlaff und Florian Donderer (Violine) sowie Pauline Sachse (Viola). Donnernder Beifall für alle Beteiligten.

Heute Abend stehen (bereits um 19 Uhr) Werke von Beethoven, Mendelssohn und des „Composers in Residence“, Olli Mustonen, auf dem Programm. Nicht zu vergessen das traditionelle Nachtkonzert um 22.30 Uhr, das mit Zugaben aller Art für einen unterhaltsamen Ausklang des Abends sorgen wird.

Auch wenn alle Konzerte seit langem ausverkauft sind, lohnt es sich, sich nach zurückgegebenen Karten zu erkundigen. Anfragen: Festivalbüro, Telefon 0175/5987970, 10-12 und 14-17 Uhr.

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