Heimbacher „Spannungen“ hervorragend gestartet

Von: Pedro Obiera
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Heimbach. Zum Reiz des Kammermusikfestivals „Spannungen – Musik im RWE-Kraftwerk Heimbach“ gehört neben dem pittoresken Ambiente die bunte Mischung der Programme und der angereisten Musiker, so dass kaum ein Wunsch unerfüllt bleiben muss.

Wenn, wie in dieser Woche, gleich mehr als 50 Spitzenmusiker, darunter fünf Blechbläser und ein ganzes Kammerorchester zur Verfügung stehen, können Lars Vogt und seine Freunde nahezu unbeschränkt aus dem Vollen schöpfen.

Das muss nicht heißen, dass die Programmgestaltung dem Zufall überlassen bleibt. Schwerpunkte hat es in den vergangenen Jahren immer gegeben, meistens mit Blick auf Komponisten oder Regionen. Diesmal kam man auf Anregung von Christian Tetzlaff, Geiger und Urgestein der „Spannungen“, auf die Idee, frühe und späte Werke verschiedener Komponisten gegenüberzustellen. Somit kann man einen erhellenden Einblick in die Entwicklung der großen und einiger nicht ganz so bekannter Komponisten von Schubert und Brahms bis Arnold Schönberg und George Antheil gewinnen.

Am Eröffnungsabend setzte man gleich mit dem „Meister aller Meister“ markante Maßstäbe. Die 1. Sinfonie des achtjährigen Mozart und eines der reifsten und vollkommensten Werke seiner Spätphase, das Streichquintett in g-Moll KV 516, bildeten die Klammer des an- und aufregenden Abends. Mozarts dunkel gestimmtes, von innerer Unruhe getriebenes Quintett, dem selbst im Menuett nicht mehr die geringste Spur höfischer Galanterie anzuhören ist, bildete den überragenden Abschluss.

Und zwar in einer vorbildlichen Interpretation durch Isabelle Faust und Christian Tetzlaff (Violine), Rachel Roberts und Maya Meron (Viola) sowie Marie-Elisabeth Hecker (Violoncello), die die abgründige Tiefe des Werks, die unterschwellige Nervosität und feine Melancholie, die Brüche und raffinierten Klangmischungen voll erfassten und differenziert ausspielten, ohne die Klangschönheit anzutasten und die reife Abgeklärtheit des Werks vergessen zu lassen. Eine Spitzenleistung.

Interessant auch die Begegnung mit dem deutsch-amerikanischen Komponisten George Antheil, der sich vom „Bad Boy of Music“ zu einem domestizierten Komponisten entwickelte. Abzulesen an der kecken „Sinfonie für fünf Instrumente“ (1923) und der zwar hoch- virtuosen, aber gezähmten Trompetensonate (1951). Eine ideale Spielwiese für einen Trompeter von der Klasse Reinhold Friedrichs.

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