Aachen - Haydns Oper „La fedeltà premiata“ ein Hochgenuss im Theater Aachen

Haydns Oper „La fedeltà premiata“ ein Hochgenuss im Theater Aachen

Von: Armin Kaumanns
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Das Ungeheuer ist geköpft: Haydns Oper „La fedeltà premiata“ (Die belohnte Treue) hatte eine turbulente Premiere im Theater Aachen. Die stimmlich und schauspielerisch sehr versierten Akteure sind Studenten der Musikhochschule Aachen. Foto: Carl Brunn

Aachen. „Cääääälia“: Zwei Freundinnen stecken die Köpfe zusammen und ziehen über die abwesende dritte in der Weise her, dass sich deren Name anhört wie das Meckern eines Schafs. Sie haben recht, Celia ist in Liebesdingen manchmal ein rechtes Huftier, und weil sie – als Schäferin eigentlich selbstverständlich – auch noch ein echtes bei sich führt, sitzt die Pointe perfekt.

Dass das alles auf der Bühne des Theaters Aachen passiert, gekleidet in Töne von Joseph Haydn, amüsiert das Premierenpublikum der Oper „La fedeltà premiata“ (Die belohnte Treue) natürlich besonders. Wie überhaupt der Saisonabschluss mit den Akteuren der Musikhochschule mal wieder als rundum gelungen bezeichnet werden darf.

Eine Dreistunden-Oper auf einer professionell ausgestatteten Bühne zur Aufführung zu bringen, ist für Gesangsstudenten eine ungemein wichtige, prägende Erfahrung im Rahmen ihrer Ausbildung. In der Aachener Dependance der Kölner Musikhochschule ermöglicht die Zusammenarbeit mit dem Stadttheater das seit vielen Jahren. Herbert Görtz, Direktor am Standort Aachen, gräbt jedes Mal interessante Werke aus. Tamara Heimbrock hat nun Haydns erst in den 50ern wiederentdecktes musikalisches Schäferspiel mit so ziemlich allem inszeniert, was auf einer Bühne verlangt werden kann.

Intime Duette, verzweifelte Gefühlsausbrüche, große Ensembles und turbulente Chorszenen wechseln in rasantem Tempo. Die elf Akteure müssen nicht nur singen und tanzen, sondern dabei fechten, boxen, nachlaufen oder sich vor einer Klippe stürzen. Die von hübsch stilisierten Bäumen dicht bewachsene Bühne dreht sich immerzu, Podeste stellen ein vielstufiges Gebirge dar.

Ein Monster soll junge Liebende, und zwar das treueste Paar, zu fressen bekommen, damit es Ruhe hält. Göttin Diana hat sich das ausgedacht. Nun sprießen erotische Gefühle in einem Schäferspiel gewöhnlich wie Pilze aus dem Waldboden, hier sind sie allerdings mit dem Tod bedroht.

Nehmen wir besagte Celia. Sissi Qi Wang kommt aus China, hat mit ihrem Masterstudium begonnen und viele warme Mezzo-Farben. Sie zieht ein lustiges Kuschel-Schaf mit sich herum, dem sie herzerwärmend ihre Liebe zu Fileno beichtet. Der ist ein feinnerviger Tenor, heißt Woongyi Lee, stammt aus Korea und ist verzweifelt. Vor Liebe. Und weil das mit dem Sich-Umbringen nicht klappen will. Ein Treppenwitz. Als Grande Dame geriert sich die hübsche Amarantha, Milena Knauß verdreht mit ihrem ausgewogenen und gelenkigen Sopran und ihrer schon beachtlichen Bühnenpräsenz zunächst einem Priester, dann dem Grafen den Kopf.

Dabei verliert sie fast den Verstand. Melibeo, der Priester, ist hier so etwas wie ein Conférencier, der Bass Chanho Lee hinterlässt einen sehr starken Eindruck, auch wenn er am Ende leer ausgeht. Denn der Conte macht das Rennen um Amarantha, Bariton Michael Terada macht mit chicer Brille und Hüftschwung zunächst aber sämtliche Mädels kirre, was auch an seinem ausgesprochen gut ausgebildeten Gesang und seiner sehr natürlichen Art, sich zu bewegen, zu tun haben mag. Das Naivchen Nerina darf mit überaus hübsch soubret-tenhaft gefärbtem, bis in alle Höhen ansprechenden Sopran Anna Christin Sayn spielen – sie macht das echt cool. Jiyuan Qiu stattet einen treudoofen Tempeldiener mit seinem kantablen Tenor aus.

Diana sorgt am Ende für Erlösung. Dass sie dabei wie ein Christbaum leuchtet, ist nur der letzte von unzähligen Gags, die sich das Team um Tamara Heimbrock, Bühnenbildner Detlev Beaujean und Kostümbildnerin Lea Reusse ausgedacht hat. Da hätte selbst Papa Haydn herzlich gelacht.

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