Haydns „Jahreszeiten” beim Sinfoniekonzert in Aachen

Von: Pedro Obiera
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Aachen. Haydn ist bei den Engländern immer gut aufgehoben. Sogar „Die Jahreszeiten”, das nach Haydns eigenem Bekunden schwächere Oratorium gegenüber der „Schöpfung”.

Paul Goodwin, der Gastdirigent des 6. Sinfoniekonzerts im gut besuchten Eurogress, nutzte seine reichen Erfahrungen Im Umgang mit Haydn und historischen Aufführungspraktiken für eine Interpretation des problematischen Werks auf erfreulich hohem Niveau.

Für den Antrieb in den Haydnschen Oratorien sorgt der überaus differenziert und farbig instrumentierte Orchesterpart, an dessen Anforderungen schon manche Aufführung des Werks scheiterte. Goodwin phrasierte mit dem Aachener Sinfonieorchester straff, präzise und so pointiert, dass sich am Mittwoch in der heiklen Einleitung noch etliche Ungenauigkeiten im Zusammenspiel und in der Balance zwischen Streichern und Bläsern einstellten. Mängel, die bald einer so delikaten instrumentalen Akkuratesse wichen, wie man sie in diesem Werk in Aachen seit langem nicht hören konnte. Die lautmalerischen Effekte mit vorzüglichen solistischen Leistungen stimmten ebenso wie der orchestrale Gesamtaufriss.

Etwas mehr Vertrauen, bitte!

Allerdings konnte auch Goodwin manche Längen und manchen Leerlauf des ausgedehnten Oratoriums nicht ganz überspielen. Bereits im „Sommer” verlor doch manche Kavatine oder Arie an Spannung. Vorübergehende Hänger, die Goodwin jedoch rasch wieder auffangen konnte.

Durch die sorgfältige Arbeit mit dem Orchester konnte nicht mehr allzu viel schiefgehen. Und auch mit dem Solistenterzett hatte man Glück. Den Sopranpart gestaltete die junge Heidelbergerin Antonia Bourv mit glockenheller und kristallin reiner Stimme. Andreas Scheidegger gestaltete den Tenorpart mit vorbildlicher Diktion und Stilsicherheit. Bariton Christian Immler passte sich dem Niveau nahtlos an, obwohl er kurzfristig für den erkrankten Martin Berner eingesprungen war.

Und auch die Arbeit mit dem von Frank Flade einstudierten Sinfonischen Chor trug Früchte. Hellwach, trotz riesiger Besetzung beweglich und nicht allzu intransparent, überzeugte der Chor vor allem in den festlichen Hymnen. Erfreulich, dass der Sinfonische Chor mit einem großen Oratorium zur Geltung kam. Allerdings nicht unter der Leitung von Generalmusikdirektor Marcus Bosch, der für die großen Chorwerke lieber auf seine Heidenheimer „vocapella” zurückgreift. Ein bisschen mehr Vertrauen in die hiesigen Kräfte wäre nicht fehl am Platze.

Begeisterter Beifall für einen langen und wohltuenden Abend.
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