Aachen - Hat das gedruckte Buch bald ausgedient?

Hat das gedruckte Buch bald ausgedient?

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Technische Errungenschaft oder auf Dauer ein Buch-Killer? Das E-Book spielt im Buchhandel eine sehr unterschiedliche Rolle: Während die Mayersche es in Aachen anbietet (links Mitarbeiterin Jördis Beatrix Schulz), ist es für Walter Vennen von der Buchhandlung Schmetz am Dom technisch hochinteressant, aber in seinem Geschäft noch kein Thema.

Aachen. Kaum ein anderes Thema hat die Frankfurter Buchmesse im letzten Jahr derart intensiv beschäftigt wie das E-Book. Und der Internetkonzern Google sorgt gerade für Schlagzeilen mit seinen Plänen, demnächst auch Buch-Neuerscheinungen in digitalisierter Form auf den Markt zu bringen und sich selbst als Händler von E-Books zu etablieren.

Hat der Anfang vom Ende des traditionellen gedruckten Buchs damit etwa schon begonnen? Wir hörten uns im regionalen Buchhandel um und befragten stellvertretend einen „großen” und einen „kleinen” Buchhändler in Aachen - die Mayersche und die Buchhandlung Schmetz am Dom.

„Die Mayersche ist seit dem ersten Tag dabei”, sagt Jördis Beatrix Schulz, die in dem Unternehmen für den Bereich Kommunikation verantwortlich ist. Sie vergleicht die Situation mit der Zeit, als Handys gerade auf den Markt kamen.

„Wer hätte damals gedacht, dass heute jeder Zwölfjährige ein Mobiltelefon besitzt?” In ein paar Jahren, meint sie, könnte es beim E-Book genauso aussehen: In jeder Schul- und Aktentasche steckt dann womöglich ein elektronischer „Reader”. Grund genug für eine der größten deutschen Buchhandlungen, gleich vom Start an mitzumischen bei der Entwicklung des neuen Mediums.

„Das Angebot wächst täglich.” Und es ist kaum zu beziffern, auf 2000 schätzt die Expertin die lieferbaren E-Book-Titel der Mayerschen, „es können aber auch mehr sein”. Bestseller, Krimis, Neuerscheinungen, das Angebot ist gut sortiert - allerdings nicht im Laden erhältlich, sondern über die Internetseite mayersche.de. Dabei arbeitet die Mayersche mit libri.de zusammen, neben Amazon, Beam und Ciando einer der führenden E-Book-Anbieter im Internet. Die Buchhandlung nutzt vor allem die technischen Ressourcen des Hamburger Unternehmens, unter anderem auch dessen Datenbank, um alle 1,8 Millionen lieferbaren „traditionellen” Bücher zu verwalten.

Die Kooperation bringt es mit sich, dass die Mayersche von den derzeit zur Verfügung stehenden unterschiedlichen E-Book-Readern das Gerät von Sony favorisiert und anbietet. Es beherrscht neben einer Fülle gängiger Formate (zum Beispiel pdf, rtf, txt), auch ePub, das sich nach Einschätzung von Jördis Beatrix Schulz als Standardformat für E-Books durchsetzen wird. Gegenüber pdf erlaubt EPub etwa die Möglichkeit, den Text dynamisch an die jeweilige Bildschirmgröße des Readers anzupassen, was besonders bei kleinen Geräten von Vorteil ist. In Japan zum Beispiel ist man der Entwicklung bereits voraus, dort liest man E-Books bereits auf dem Handy. Genau auf diesen Markt zielt Googles neuer Plan ab, auch literarische Neuerscheinungen als elektronische Bücher zu verkaufen - sie sollen auf jedem internetfähigen Gerät lesbar sein.

Vom typischen E-Book-Kunden weiß Jördis Schulz, dass er „technisch interessiert” ist, möglicherweise viel auf Reisen ist und dabei keine 160 Bücher an Fachliteratur mitschleppen kann - so viel passt in das Sony-Gerät ohne zusätzliche Festplatte hinein. Ansonsten wird aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erfasst, wer sich warum E-Books leistet.

Die Gesamteinschätzung der Fachfrau der Mayerschen steht indessen in diametralem Gegensatz zur E-Book-Hype auf den letzten Buchmessen: „Geschäftlich ist das nur ein kleines Randthema”, sagt sie. „Man kann keineswegs sagen, dass das E-Book boomt.”

Preisbindung gilt auch hier

Als mögliches Handicap für die Leser mag sich die Preisgestaltung darstellen: Aufgrund der Buchpreisbindung kostet ein E-Book - eine Datei, die man sich per Computer auf den Reader lädt - das Gleiche wie das gedruckte Buch.

Immerhin: „Branchenintern ist das schon ein großes Thema, die Fachpresse ist voll davon”, sagt Walter Vennen von der Buchhandlung Schmetz am Dom. Er ist begeistert von der technischen Entwicklung. „Elektronische Tinte - das ist schon verblüffend.” Da staunt der „traditionelle” Buchhändler in der Tat über die neuen Möglichkeiten, gleich bergeweise Bücher zum Beispiel bei einem langen Flug mitzunehmen, und dabei nur 260 Gramm in der Hand zu halten.

Allerdings: In seinem Geschäft ist das E-Book kein Thema, Reader werden gar nicht angeboten, und eine Internetseite zum käuflichen Download wird auch nicht betrieben. Walter Vennen vermisst eine klare Reglung, was den Bezug der Inhalte angeht - manche Titel erscheinen neben der Druckausgabe in elektronischer Form, viele nicht. Und ein klarer Überblick ist unmöglich. Entsprechende Kataloge existieren nicht, lediglich die Einzelabfrage ist möglich. Gleichwohl erkennt Vennen ein beachtliches Entwicklungspotenzial des E-Book-Bereichs, so beobachtet auch der vergleichsweise „kleine” Buchhändler interessiert den Fortgang der Dinge.

Bis jetzt allerdings führt Vennen all jene Argumente gegen die neumodischen Elektronik-Reader ins Feld, die den Liebhaber des bedruckten Papiers ausmachen - und er weiß sich damit einig mit seiner Kundschaft. Die sind seiner Einschätzung nach vor allem „Genussleser”, oder sie wollen ein Buch verschenken. „Ein E-Book ist aber schlecht einzupacken” - schließlich existiert es nur als Datei. Und ein Buch zu verschenken, das ist für einen bibliophilen Menschen wie Walter Vennen eine grundlegende zwischenmenschliche kulturelle Geste: „Schließlich traue ich dem Beschenkten Bildung zu.”

Im Übrigen: „Das Haptische soll man nicht unterschätzen”, sagt Vennen und meint: Ein Buch fühlt sich einfach besser an als so ein Metallgerät, bei dem man nicht einmal eine Seite anfassen kann, wenn man sie umblättert. „Ein gedrucktes Buch ist doch ein ganz anderes Erlebnis.” Zumal im Urlaub, am Strand: „Ein Taschenbuch kann man im Sand liegen lassen, einen Reader nicht.”

Alles gute Gründe, sich keine Sorgen zu machen um den Fortbestand des gedruckten Buchs.

Der E-Book-Reader im Gebrauch: Ein Test

Wie liest sich eigentlich ein E-Book auf dem elektronischen Reader? Wie fühlt der sich an? Und: Vermisst man beim digitalen Lesen tatsächlich das Papier zwischen den Fingern? Das fragten wir uns und machten den Test - mit dem Sony-Gerät.

Mit 260 Gramm, 123 mal 174 Millimetern Größe und einer nur acht Millimeter dünnen „Dicke” liegt der PRS-505 (Preis: 299 Euro) gut in der Hand. Eines aber ist bei der ersten Begegnung mit dem Reader sehr erstaunlich: Eigentlich soll das E-Book doch der fortschrittliche Ersatz sein für all die altbackenen „Schwarten”, die man bislang mit sich herumgeschleppt hat. Jetzt hält man ausgerechnet bei einem Elektronikbuch eine solche „Schwarte” buchstäblich in der Hand: Die Hersteller scheinen der Innovations-Toleranz des digitalen Lesers noch heftig zu misstrauen - und verpassten dem Sony-Reader einen solch repräsentativen Leder-Einband, der selbst bei einem teuren Lexikon übertrieben wäre.

Aufgeschlagen präsentieren sich das sechs Zoll große Display, zehn Knöpfe an der Seite, um direkt auf einzelne Menüpunkte zuzugreifen (zum Beispiel „Weiterlesen”, „Bücher nach Titel”, „Alle Lesezeichen”, „Audio” oder „Bilder” - Songs und Fotos speichert der Reader nämlich auch), zwei Knöpfe zum Vor- und Zurückblättern, einer zur Änderung der Schriftgröße und ein in vier Richtungen drückbarer „Wippknopf” zum Navigieren im Menü.

Ohne die Bedienungsanleitung zu lesen, hat man den Gebrauch des sehr edel wirkenden Geräts spätestens nach zehn Minuten Ausprobieren durchschaut und im Griff. Schließlich geht man fast täglich mit solch einem nicht essbaren „Menü” bei einem Fernseher, Digitalreceiver oder einer Digitalkamera um - nichts Neues. Drei unterschiedliche Schriftgrößen stehen dem Leser zur Verfügung - klarer Vorteil gegenüber dem gedruckten Buch.

Die Lesbarkeit ist selbst in einem dunkleren Raum oder im prallen Sonnenlicht erstaunlich gut - auch kein Nachteil gegenüber der Papierausgabe. Und Strom verbraucht die „elektronische Tinte” nur, wenn sich das Display ändert - sprich: beim Umblättern. Knapp 7000-mal kann man die Seite wechseln, erst dann ist der Akku leer. Die mitgelieferte Software, zwei Programme, helfen, E-Book-Dateien auf den Reader zu spielen - für durchschnittliche PC-User kaum ein Problem.

Wer braucht da eigentlich Papier? Zumal die festinstallierten 192 MByte mit simplen Speicherkarten um etliche Gigabyte zu erweitern sind, so dass Hunderte Bücher „hineinpassen”.

Das Manko: Es raschelt ebensowenig wie es knistert. Blümchen lassen sich auch nicht zwischen den Seiten plätten. Und die Finger muss man auch nicht mehr belecken, um die Seiten auseinanderzufisseln. Aber: keine falsche Nostalgie! Bereits nach wenigen Minuten digitalen Lesevergnügens hat man das eselsohrempfindliche, altmodische Papier glatt vergessen.

Bei Fachpublikationen hat sich die digitale Version schon durchgesetzt

Im Bereich der Fachpublikationen hat sich das E-Book bereits weitgehend durchgesetzt.

Dort spielt die Materialität des Buchs eine untergordnete Rolle. Wichtiger ist hier die Möglichkeit der Volltextsuche.

Zum Lesen der üblicherweise als pdf-Datei verbreiteten Publikation ist auch kein spezieller Reader nötig, der Wissenschaftler, Student oder sonstige Experte liest einfach am PC-Bildschirm.

Die Auswahl digitalisierter Fachbücher wächst permanent. Bereits auf der Frankfurter Buchmesse 2007 wurde bekannt, dass schon 30 Prozent aller Fachbücher als E-Books erhältlich sind.

Geschätzt wird, dass pro Monat rund 100 digitale Titel vor allem in den Bereichen Wirtschaft, EDV, Recht, Medizin, Politik, Psychologie und Pädagogik auf den Markt kommen.

Sogar kostenlos lassen sich Fachbücher aus dem Internet herunterladen: zum Beispiel auf den Seiten des Studentenportals www.study-plus.de. Hier gibt es kostenfrei elektronische Bücher aus den Bereichen Marketing, Betriebswirtschaft, Statistik, Elektrotechnik und Ingenieurwesen.
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