Düsseldorf - Harald Schmidt und Lehárs „Lustige Witwe”

Harald Schmidt und Lehárs „Lustige Witwe”

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Hoher Glamourfaktor: Harald Schmidt und Christian Brey inszenieren für die Deutsche Oper am Rhein Franz Lehárs „Die Lustige Witwe”. Foto: Hans Jörg Michel

Düsseldorf. „Hinreißende Musik, große Gefühle und ein bankrotter Staat - besser kann man die Zeit zwischen Bundestagswahl und Silvester nicht überbrücken.” Harald Schmidt macht aus seinem Herzen keine Mördergrube, wenn es um seine Liebe zur Operette geht.

„Ich war als Kind oft kränklich und habe dann im Radio immer das Wunschkonzert gehört”, sagt er. Sein Star sei damals Fritz Wunderlich gewesen. Zusammen mit Christian Brey, mit dem er unlängst bereits in Stuttgart das Hamlet-Musical „Der Prinz von Dänemark” auf die Bühne gebracht hat, inszeniert Schmidt derzeit an der Deutschen Oper am Rhein Franz Lehárs Erfolgsknüller „Die lustige Witwe”. Unser Mitarbeiter Pedro Obiera sprach mit dem TV-Entertainer und Schauspieler.

Ein inniges Verhältnis zur Operette seit dem Grundschulalter? Wie passt das zu einem strenggläubigen Kirchenmusiker mit C-Prüfung?

Schmidt: Vorzüglich. Für mich sind die katholische Kirche und die Operette Geschwister. Die gleiche Vorliebe für Weihrauch, schöne Kostüme, sanfte Musik.

Aber auf der Bühne reichlich angestaubt. Was wollen Sie denn mit einer „Lustigen Witwe” erreichen?

Schmidt: Zunächst einmal einen so großen Erfolg, dass man eines Tages den Wunsch hegt, mir einen Wagner anzuvertrauen. Mit einer Musik, die auch Nazis hören können, wenn sie vom Klo kommen. Das wollte Wagner ja immer schon.

Wie bitte?

Schmidt: Angeblich. Wobei wir nie vergessen, dass die „Lustige Witwe” die Lieblingsoperette des Führers war. Auch wenn ich mich frage, warum? Vielleicht musste er bei „Lippen schweigen” weinen.

Das wäre doch ein Einstieg in die Inszenierung.

Schmidt: Hakenkreuze gibt es bei uns nicht, da gähnt heute schon jeder. Es stolpert auch keiner über Geldkoffer und niemand muss seine Arie mit dem Kopf in der Bratröhre singen.

Ihre Abneigung gegen das Regietheater ist bekannt. Ohne aktuelle Bezüge kommen aber auch Sie nicht aus?

Schmidt: Wir bringen in jeder Aufführung drei oder vier tagesfrische, brandaktuelle Anspielungen. Die Nachricht vom Vortag ist schon zu alt. Sonst sehen die Leute Politiker auf der Bühne, die gerade nach Brüssel geschickt wurden.

Immerhin mangelt es der Handlung nicht an brisanter Aktualität.

Schmidt: Die Geschichte der reichen Witwe in Paris, deren Millionen einen bankrotten Balkan-Staat retten sollen, könnte heute am Hof der Carla Bruni spielen. Aber auch dieser Gag könnte morgen schon ein alter Hut sein. Bei Frau Schickedanz liegt der Fall anders. In der Operette geht es schließlich um eine Frau, die den Staat retten soll. Aber der Fall Schickedanz als Gag ist mausetot.

Libretto und Musik wirken noch heute für sich?

Schmidt: Natürlich. Die Leute sollen schluchzen, jauchzen und schunkeln. Sie wollen das „Vilja”-Lied hören, das „Maxim” und das „Weiberlied”. Das bekommen sie auch. Da zertrümmern wir nichts. Ich plädiere für eine Renaissance der Operette. Es ist Zeit, sich offen zur Operette zu bekennen.

Christian Brey führte bereits Regie bei Ihren Stücken „Der Prinz von Dänemark” sowie „Elvis lebt. Und Schmidt kann es beweisen” in Stuttgart, leistet auch in Ihrer Late-Night-TV-Show gute Dienste. Aber Regie führen im Duett? Kann das gut gehen?

Schmidt: Die Aufgaben sind klar verteilt. Christian Brey ist der Regisseur, ich eine Mischung aus drittem Regieassistenten, Producer und Freund der Souffleuse. Ein Wohlfühl-Onkel für die gute Stimmung im Team, vor allem in der Kantine. Das Maskottchen, ganz in der Tradition der Teamchefs der deutschen Nationalmannschaft.

Wie kam es ausgerechnet zu Ihrem Operetten-Debüt an der Deutschen Oper am Rhein?

Schmidt: Intendant Christoph Meyer kam bei der „Faust”-Preisverleihung in Stuttgart auf mich zu. Wir haben uns seit unseren Anfängen in Augsburg 30 Jahre nicht gesehen. Er fragte: „Hast du schon einmal eine Operette gemacht?” Ich antwortete: „Nein, ich kann es auch nicht. Aber ich kenne jemanden, der es kann”. ´ So kamen wir ins Geschäft.

Dann darf man nicht nur auf die „Lustige Witwe” gespannt sein, sondern auch auf den ersten Wagner à la Schmidt. Wie stellen Sie sich den vor?

Schmidt: Man will ja auch mal was Leichtes machen, nicht nur immer diese schweren Musicals und Operetten. Ein Wagner läuft schließlich wie von selbst.

Dann aber auch gleich das Größte?

Schmidt: Den „Ring” in einem fränkischen Kurort, das kann ich mir schon vorstellen. Aber vorher wäre es schön, wenn die Operette in Düsseldorf und Duisburg boomt und die Häuser jeden Abend ausverkauft sind.

Die Premiere der „Lustigen Witwe” findet am Samstag, 4. Dezember, um 19.30 Uhr im Düsseldorfer Opernhaus statt - und ist natürlich schon ausverkauft. Weitere Aufführungen: am 6., 8., 12., 18., 20., 31. Dezember sowie am 7., 17. und 23. Januar. Ab 12. Februar ist die Produktion auch im Theater Duisburg zu sehen. Die musikalische Leitung übernimmt der neue Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein, Axel Kober. Die Rolle der Titelpartie singt Morenike Fadayomi, die „Salome” der letzten Opernproduktion. Als Danilo geht Will Hartmann ins Maxim, der in der Partie in letzter Zeit auch an der Mailänder Scala und der Dresdner Semperoper auf der Bühne stand.
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