Aachen - Hans Liberg begeistert das Publikum im Aachener Eurogress

Hans Liberg begeistert das Publikum im Aachener Eurogress

Von: Rudolf Teipel
Letzte Aktualisierung:
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In zwei vergnüglichen Stunden sorgte er im Aachener Eurogress für ungezählte Lachsalven: der Amsterdamer Musikkomödiant Hans Liberg, der Mann in Rosa. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Hans Liberg, Erzkomödiant und musikalischer Tausendsassa, bläst wieder zur Attacke auf althergebrachte Kompositions-konventionen und eingefahrene Hörgewohnheiten. Mit seinem neuen Programm „Attacca“ ist er auf Tour und gastierte jetzt auch im Aachener Eurogress.

Dort beeilte sich der niederländische Entertainer gleich, dem Publikum treuherzig zu versichern, „Attacca“ meine in der Musik keineswegs einen Angriff, sondern vielmehr die Kunst, zwei unterschiedliche Musikstücke möglichst harmonisch zu verbinden. Selbst, wenn die Definition zutreffend ist, man sollte Liberg kein Wort glauben.

Denn seine Kunst ist es ja, verschiedenartigste Musikstile lustvoll aufeinanderzuhetzen, so lange, bis nur noch kompositorische Fetzen übrig sind. Da dekon-struiert er Beethoven auf Volkslied-Niveau und weist Rockmusik-Strukturen im Werk von Franz Schubert („Er muss ein guter Gitarrist gewesen sein“) nach. Ehrfurcht vor alten Meistern? Keine Spur. Ist auch nicht nötig, findet Liberg, die hätten ja schließlich damals nicht gewusst, dass sie einmal Klassiker werden: „Ich meine solche Leute wie Beethoven, Mozart, Schubert, DJ Bobo.“

Überhaupt: Beethoven. Als der seinerzeit in Wien „Für Elise“ komponierte und mit Napoleon zusammentraf . . .? Eventuelle Zweifel am historischen Fettgehalt solcher erzählerischen Ergüsse, wischt der Mann an Klavier, Gitarre und Alphorn (Ja, auch das!) nonchalant beiseite: „In Europa ging ja damals alles drunter und drüber – ganz anders als heute.“

Da wundert es auch nicht, dass Justin Bieber zu Hausmusikabenden bei Johann Sebastian Bach erscheint und sowieso das Bach‘sche Orgelwerk zur musikalischen Untermalung sämtlicher Weltreligionen taugt, wie Multiinstrumentalist Liberg – zumindest für seine Verhältnisse– schlüssig nachweist.

Gute zwei Stunden und ungezählte Lachsalven später und nach einer hinreißenden Parodie auf den verstorbenen Ausnahme-Pianisten Glenn Gould ist das Publikum bereit, dem Mann im vergleichsweise schlichten rosafarbenen Anzug (Ist Liberg etwa seinem Lieblingsdesigner Yamamoto untreu geworden?) alles zu glauben und auch das Gegenteil.

Nach Hause ging man um die profunde Erkenntnis reicher, dass Free Jazzer zumeist Beethoven-Fans sind, weil der ja schließlich taub war. Und Hans Liberg widmete einen Konzertteil dem Unvermögen vieler Komponisten, ihren Werken einen langatmigen Schluss zu ersparen: „Wenn Sie nicht klatschen, spiele ich einfach weiter.“ Da möchte man doch sagen: Ja, bitte!

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