Hannes Wader stellt neues Album vor

Von: scho
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Nah dran: Hannes Wader in Aach
Nah dran: Hannes Wader in Aachen.
Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Nah dran” war der inzwischen 70-Jährige immer: Als Layouter beim Satireblatt „Pardon”, mit „ostwestfälischer Schwerfälligkeit” im wilden Berlin der 1968er oder ganz dicht dran am Ruin: etwa als Wader 1971/72 seine Hamburger Wohnung an eine Frau Utesch untervermietete. Es war Gudrun Ensslins Tarnname...

Der danach einsetzende TV- und Rundfunk-Boykott wurde nur noch übertroffen durch ein langwieriges Verfahren gegen ihn, das erst Jahre später eingestellt wurde.

Kein Wunder, dass der vergrätzte Liedermacher und Folksänger sich in eine Windmühle in Nordfriesland zurückzog, und das für 25 Jahre. Jetzt lebt Hannes Wader immer noch im Norden, aber mühlenlos. Mühelos schien der ergraute Barde sein Programm im Aachener Audimax vorzustellen.

Das Publikum, vorwiegend ebenso ergraute, aber auch jüngere Fans, genoss sichtlich den unverkrampften Auftritt einer Legende. Mit seiner Gitarre wie verwachsen, singt der Mann ganz in Grau: „Manchmal träume ich schwer, und mir wird klar, dass nichts bleibt, wie es war.” Auch in englischer Sprache klingt das richtig gut. Nach sechs Jahren präsentiert er mit „Nah dran” jetzt wieder eine CD und offenbart erneut: Der Vortrag ist wichtiger als die Stimme. Poesie und pralles Leben.

Berührende wahre Geschichten, zum Beispiel über die abenteuerliche Flucht von Peter Gingold, einem jüdischen Jungkommunisten, im besetzten Paris von 1943, erzählt er ebenso wie von seinen Erinnerungen an Liedermacher Franz Josef Degenhardt, der 2011 starb. Freunde wie Degenhardt, Reinhard Mey oder Konstantin Wecker bedeuten ihm viel. Waders Wärme, Humor und Selbstironie kommen gut an. Er zeigt sich als Romantiker, aber auch als genauer Beobachter. Seine Plaudereien wirken angenehm leicht, sind aber nie seicht.

Aber auch sein Pazifismus ist nicht erlahmt. Das Lied über einen jungen toten Soldaten macht es deutlich. Friedensbotschaften klingen bei Wader nicht wie von gestern, und seine letzte Botschaft lautet denn auch: „Sand ins Getriebe streuen, wenigstens das!” Herzlicher Riesenapplaus.
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