Händels Mammutwerk erlebt großartige Aufführung

Von: Pedro Obiera
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Aachen. Trotz seiner Popularität verlangt Händels „Messias” jeder Chorvereinigung einen besonderen Kraftakt ab. Umso erfreulicher fiel als Höhepunkt der diesjährigen Bachtage eine insgesamt geschlossene Aufführung durch den Bachverein unter Leitung von Georg Hage in der voll besetzten Michaels-Kirche aus.

Hage verschaffte sich einen eher kammermusikalisch intimen Zugang zu dem zweieinhalbstündigen Mammutwerk. Durch die Beschränkung auf den Kammerchor des Bachvereins blieb die spektakuläre Größe der Chöre aus. Selbst das „Halleluja” klang verhalten.

Dafür stand Hage mit dem kleinen Chor ein besonders flexibles und leistungsfähiges Ensemble zur Verfügung, das die anspruchsvollen Chorpartien auch in rasanten Tempi sauber und präzise bewältigte. Dass sich im Laufe der pausenlosen Aufführung Ungenauigkeiten einschlichen, dürften kleineren und verständlichen Konditionsschwächen anzulasten sein.

So lebendig Hage den Chor führte, so sehr vernachlässigte er die rhythmische Straffheit in der Behandlung des Orchesters. Vor allem die zugespitzten Punktierungen des französisch gefärbten Orchestersatzes nahm er sehr weich, was bei einigen, vor allem lyrisch geprägten Arien zu ungewollten Tempodehnungen und leichten Spannungseinbußen führte.

Das ist schade angesichts der vortrefflichen Qualität des Barock-erfahrenen Orchesters „Concerto Farinelli als auch des überdurchschnittlich homogenen Solistenquartetts.

Gabriele Hierdeis gehört mittlerweile zu den Stammgästen der Bachtage und überzeugte erneut mit sensiblen Interpretationen der großen Sopran-Gesänge. Der Verwendung einiger Teile aus der eigenhändigen Abschrift Händels für die Dubliner Uraufführung fielen einige Duette zugunsten von Sopran- und Tenorarien zum Opfer, so dass sich die Beiträge des exzellenten Altus Alex Potters schmerzlich reduzierten. So konnte er vor allem in der orchestral allerdings recht schleppend phrasierten Passions-Arie „He was despised” glänzen.

Tenorale Strahlkraft und Beweglichkeit ließ der Tenor Hans Jörg Hammel hören, Und Raimund Nolte vereinigte in seinem Bass voluminöse Größe und Stimmschönheit.

Begeisterter Beifall für eine großartige, den traditionsreichen Bachtagen würdige Aufführung.
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