Düren - Gut getarnt in der Eifel: Bunker für Banker und Politiker

Gut getarnt in der Eifel: Bunker für Banker und Politiker

Von: pep
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Schmuckloser Schulbau in Satzvey: Er tarnte jahrzehntelang ein Depot der Landeszentralbank mit Ersatz-D-Mark-Scheinen. Foto: WDR/Ute Casper

Düren. Man könnte es eine pädagogische Täuschung nennen. Tatsächlich war es eine geheime Kommandosache: der gut getarnte Fluchtort für die NRW-Landeszentralbank unter dem 60er-Jahre-Bau einer Schule in Satzvey (Kreis Euskirchen). Dort wurden bis 1986 Ersatz-D-Mark-Scheine gehortet, weil man im Kalten Krieg eine Falschgeldschwemme aus dem Osten befürchtete.

Noch mysteriöser ist – ebenfalls in der Eifel – jener streng geheime Riesenbunker im idyllischen Urft, der der Landesregierung im Falle eines Atomkriegs als Ausweichsitz dienen sollte: der Eingang versteckt hinter einer Doppelgarage mitten im Wald. Heute Abend zeigt das WDR-Fernsehen eine Dokumentation der beiden freien Filmemacher Ute Casper und Uwe Romstedt über Nordrhein-Westfalens einstmals größtes Staatsgeheimnis.

In den 60er Jahren war die Angst vor einem Atomkrieg weit verbreitet. Im Ahrtal wurde in der gleichen Zeit wie in Urft und Satzvey ein noch größerer Bunker für die Bundesregierung und andere Verfassungsorgane gebaut. Dass diese Bunker alle in der hiesigen Region liegen, ist kein Zufall. Denn in den Köpfen der Nato-Strategen gab es festgefügte strategische Überlegungen. „Man ging davon aus: Der Feind kommt nur bis zur Deutzer Brücke“, sagt Romstedt unserer Zeitung. „Der Rhein galt als natürliche, nicht überwindbare Grenze und die Eifel als sicheres Rückzugsgebiet.“ Deren Topographie mit Hügeln und Tälern habe man sogar für geeignet erachtet, die Druckwellen eines Atombombenabwurfs zurückzuhalten.

Der Bunker in Urft war ausgestattet mit Klima- und Filteranlage, Wasser- und Stromversorgung, Telefon- und Funkanlage, Schlaf-, Arbeits- und Speiseräumen. Aber hätte er im Ernstfall ein Überleben gewährleistet? Romstedt lacht. „Die Kapazität war für 30 Tage ausgelegt.“ Rund 300 Mitarbeiter aus der Landesregierung hätten versuchen sollen, die Infrastruktur in einem atomar verseuchten Land einigermaßen aufrechtzuerhalten. „Ein ganz enger Kreis von Leuten war dafür vorgesehen. Die hätten aber auch ihre Familien nicht mitnehmen können. Für die Bevölkerung war das nicht gedacht; das war ja kein Luftschutzbunker.“

Bis 1989 gab es alle zwei Jahre Nato-Übungen, zu denen rund 80 Landesbedienstete unter strengster Geheimhaltung nach Urft kommandiert wurden; selbst den nächsten Angehörigen durften sie davon nichts sagen.

Der Bunker im Ahrtal, der ebenfalls bis Ende der 80er Jahre betriebsbereit gehalten wurde, ist bis heute wesentlich bekannter. „Die haben mehr PR gemacht“, sagt Romstedt. Aber auch der Bunker in Urft ist längst zu besichtigen; es werden regelmäßig Führungen angeboten.

Information auf der Homepage: www.ausweichsitz-nrw.de

„Enttarnung einer Idylle – Der Kalte Krieg in der Eifel“. Ein Film von Ute Casper und Uwe Romstedt. Heute Abend 20.15 Uhr im WDR.

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