„Großes Kino mit Beethoven und Jackson“

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Er überwindet wie kaum ein zweiter Musiker die Grenzen zwischen E- und U-Musik: der in Aachen geborene Geigenvirtuose David Garrett. Im Mai geht er mit seinem neuen Crossover-Album „Music“ auf Tournee – mit Musik von Beethoven bis Michael Jackson. Foto: Stock/Star-Media

Aachen. Wie kein zweiter Musiker macht der in Aachen geborene Stargeiger David Garrett die Grenzen zwischen U- und E-Musik durchlässig. Mit dem Orchester Festival Strings Lucerne spielt er demnächst unter anderem das Violinkonzert von Johannes Brahms, dann geht er mit seinem neuen Crossover-Album „Music“ auf Tour. Unser Mitarbeiter Jan Crummenerl sprach mit dem 32-jährigen Musiker.

Nach Ihrer überaus erfolgreichen „Rock Anthems“-Tour im vergangenen Jahr gehen Sie ab April wieder ganz klassisch aufs Konzertpodium. Warum gerade mit dem Brahms-Konzert?

Garrett: Das Violinkonzert von Brahms ist eines der bedeutendsten, das einem Geiger zur Verfügung steht. Dazu kommt mein besonders intensives Verhältnis zur deutschen Musik. Deshalb habe ich mir nach dem Beethoven-Konzert das von Brahms ausgesucht. Ich bin da schon einige Wochen dran. Besonders spannend finde ich, dass es dabei nicht nur um Virtuosität geht. Als romantisches Konzert steckt die komplette Bandbreite an Emotionen drin – von subtil bis fast brutal. Das alles ausleben zu können, ist sehr reizvoll.

Brahms war von Hause aus Pianist. Konnte er denn überhaupt so virtuos für die Violine schreiben?

Garrett: Er hat sich von seinem Freund Joseph Joachim beraten lassen, der einer der großen Geiger seiner Zeit war. Auf die nachträglichen Einzeichnungen von Joachim gehe ich aber nicht ein. Bei diesem Konzert heißt es einfach: je originaler, desto besser.

Wie oft sind Sie im Jahr unterwegs?

Garrett: Im Schnitt gebe ich 120 bis 150 Konzerte jährlich. Damit bin ich so sechs bis sieben Monate auf Tour. Dazu kommen noch die ganzen Promo-Termine und Fernsehauftritte.

Geht das nicht an die Substanz?

Garrett: Dieses Leben habe ich mir gewünscht, ich stecke drin und muss durch. Ich gebe ja schon seit meiner Kindheit Konzerte. Mein Körper und ich, wir kennen uns, und das mittlerweile sehr gut – wir wissen, was wir einander zumuten können. Ich versuche auch immer, mich mit Sport fit zu halten, aber das ist etwas schwierig, wenn man so wie ich dauernd unterwegs ist. Wenn ich täglich morgens übe, fange ich mit Tonleitern und Etüden an. Das ist dann für mich eine Art Meditation. Das ist sozusagen mein Yoga.

Bleibt bei all dem noch Zeit für ein Privatleben?

Garrett: Die meiste Zeit bin ich mit meinem Team zusammen. Nach einem Kommen und Gehen haben sich hier nun Leute gefunden, die sich gut verstehen. Das ist also nicht etwas rein Geschäftliches, sondern auch etwas sehr Familiäres.

Sie spielen nicht nur in Konzertsälen und Arenen. Demnächst sind Sie auch auf der Kinoleinwand zu sehen. Was können Sie darüber schon verraten?

Garrett: Im vergangenen Jahr habe ich in der Titelrolle des Films „Paganini – Der Teufelsgeiger“ von Bernard Rose vor der Kamera gestanden. Im Herbst soll der Film ins Kino kommen. Viel erzählen darf ich noch nicht. Nur so viel: Es war eine sehr reizvolle Rolle. Paganini hat mit seiner Virtuosität sein Instrument erstmals salonfähig gemacht. Und um das im Film rüberzubringen, war das Visuelle besonders wichtig. Deshalb wurde kein Schauspieler als Paganini-Darsteller engagiert, sondern ein Musiker, der das Instrument beherrscht. Für diesen Film habe ich auch die Musik geschrieben. Der Geigenpart ist natürlich original von Paganini, aber die Orchester-Begleitung ist von mir neu gestaltet – nicht das bekannte „Humtata“ seiner Konzerte. Paganini hat sich oft aus Zeitmangel die Begleitung von anderen schreiben lassen.

Sie werden manchmal dafür kritisiert, dass Sie zwischen Klassik und Rock/Pop wechseln. Stört Sie das?

Garrett: Nein. Hier werden künstlich Grenzen aufgebaut, die es früher so nicht gab. Das ist schade. Aber es gehört auch zur Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, das zu machen, was man machen möchte. Wichtig aber vor allem ist, dass man weiß, wo man steht. In diesem Sinne ist Crossover wie eine Urlaubsreise.

Wohin geht Ihre nächste „Urlaubsreise“?

Garrett: Die beginnt im Mai. Nach „Rock Symphonies“ bin ich dann mit meinem neuen Crossover-Album „Music“ auf Tournee. Das soll ganz großes Kino für meine Fans werden mit Musik von Beethoven bis Michael Jackson – ich lebe eben in beiden Welten. Auch hier will ich noch keine Details verraten. Eines bleibt sich aber immer gleich: Egal was ich mache, ich bin Perfektionist.

Und wo liegt Ihre Heimat, in die Sie zurückkehren?

Garrett: In der Klassik.

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