Große Becker-Fotoschau im LVR-Museum Bonn

Von: Claudia Rometsch
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Boris Beckers Arbeiten „Opernhaus Köln 2013“, „Zeebrugge 2013“, „S-Bahn-Brücke 2014“ und „Aleppo, Syrien 2010“ (Ausschnitte). Foto: Boris Becker und VG Bild-Kunst Bonn
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Boris Beckers Arbeiten „Opernhaus Köln 2013“, „Zeebrugge 2013“, „S-Bahn-Brücke 2014“ und „Aleppo, Syrien 2010“ (Ausschnitte). Foto: Boris Becker und VG Bild-Kunst Bonn
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Boris Beckers Arbeiten „Opernhaus Köln 2013“, „Zeebrugge 2013“, „S-Bahn-Brücke 2014“ und „Aleppo, Syrien 2010“ (Ausschnitte). Foto: Boris Becker und VG Bild-Kunst Bonn
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Boris Beckers Arbeiten „Opernhaus Köln 2013“, „Zeebrugge 2013“, „S-Bahn-Brücke 2014“ und „Aleppo, Syrien 2010“ (Ausschnitte). Foto: Boris Becker und VG Bild-Kunst Bonn
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Seine Kamera spürt Strukturen dort auf, wo auf den ersten Blick nur Durcheinander herrscht: der Fotograf Boris Becker. Foto: stock/Horst Galuschka

Bonn. Überall herrscht Durcheinander: Halb abgerissene Gebäude stehen in der Landschaft, ein aufgeschnittener Schiffsrumpf liegt auf dem Trockenen und die Regale einer Küche quellen über mit Krimskrams. Auf den ersten Blick ist es eine ungeordnete Welt, die der Kölner Fotograf Boris Becker in seinen großformatigen Bildern festhält. Doch der Schein trügt.

Die Arbeiten des 1961 geborenen Künstlers machen eine geheime Ordnung hinter dem Chaos sichtbar. Unter dem Titel „Staged Confusion“ sind die Bilder bis zum 20. März im LVR-Landesmuseum Bonn zu sehen.

Mit „inszeniertem Durcheinander“ übersetzt Becker das Thema der Schau, die rund 50 größtenteils in den vergangenen fünf Jahren entstandene Arbeiten zeigt. Becker, der ähnlich wie viele seiner Kollegen in der Vergangenheit auch in thematischen Serien gearbeitet hat, rückt mit der Bonner Schau von diesem Konzept ab. Die Bilder stammen aus unterschiedlichen Themenbereichen. Dennoch verbindet sie ein innerer Zusammenhalt durch den besonderen Blick des Künstlers auf die Dinge.

Beckers Kamera spürt dort Strukturen auf, wo auf den ersten Blick nur Durcheinander zu herrschen scheint. Da ist etwa die Wand aus einem Foto-Labor, die über und über mit bunten „Post-it“-Zetteln bedeckt ist. Damit werden in dem Labor die Bestellungen der einzelnen Fotografen beschriftet. Die Angestellten pappen die Namenszettel dann einfach an die Wand, wenn die Abzüge abgeholt werden. Neben Becker finden sich so an der Wand die Namen zahlreicher Kollegen wie Andreas Gursky oder Thomas Struth: ein Wirrwarr. Aus ein paar Metern Abstand wird daraus jedoch ein grafisches Muster.

Völlig deplatziert wirkt aus der Nähe betrachtet ein quer aufgeschnittener Schiffsrumpf, der wie ein gestrandeter Wal in einer Werft in Zeebrugge liegt. Becker hatte einen Fernsehbericht über die Demontage des geborgenen Frachters gesehen, der bei einem Schiffsunglück im Ärmelkanal gesunken war. „Ich wusste sofort, das will ich fotografieren.“

www.landesmuseum-bonn.lvr.dewww.landesmuseum-bonn.lvr.deDer Querschnitt durch den Rumpf zeigt bei genauerer Betrachtung die durcheinander gewirbelten „Innereien“ des Schiffs: In den Decks eingeklemmte Autowracks und ein Gewirr von Rohren und Leitungen. Mit etwas Abstand springt die Form des Kolosses ins Auge, die an der Seite, an der sich die Auswölbung des Kiels befindet, vor dem Hintergrund des blauen Himmels wie ein Pfeil in die Ferne hinaus aufs Meer zu zeigen scheint. „Die bildhauerische Leistung eines anonymen Ingenieurs“, findet der Fotograf.

Becker legt Wert darauf, den Betrachter nicht in eine Richtung zu drängen. „Meine Bilder sind völlig wertfrei.“ Dennoch erhalten sie manchmal eine Bedeutung, die der Fotograf gar nicht absehen konnte. Als Becker 2010 im Morgenlicht das Gewirr der Parabolantennen auf den Dächern der syrischen Stadt Aleppo fotografierte, konnte er nicht ahnen, dass die Stadt fünf Jahre später durch Kämpfe verwüstet sein würde. Heute ruft das Bild beim Betrachter sofort Gedanken an Krieg und Flüchtlingsproblematik hervor.

Ähnlich ist es mit der Baustelle der Kölner Oper, die Becker 2013 fotografierte. Damals schien mit der Sanierung des Gebäudes noch alles nach Plan zu laufen. Heute ist die Baustelle Sinnbild für Kostenexplosion und Verzögerung eines städtischen Projekts.

Becker legt mit seinen Bildern Strukturen frei, die erst durch seine Kamera sichtbar werden. Doch der Fotograf stößt auch an die Grenzen des Mediums und spielt damit. So bei seiner Serie „Fakes“, für die er vom Zoll konfiszierte Gegenstände ablichtete, in denen Drogen geschmuggelt wurden. Die Bonner Schau zeigt daraus das Foto einer Festplatte. Das Durcheinander von Schaltkreisen war lediglich die Tarnung für eine Ladung Kokain, die der Zoll darunter entdeckte. Hier scheitere die Fotografie, sagt Becker. „Sie prallt an dem Gegenstand ab.“ Denn ohne Erklärung gibt das Bild keinerlei Aufschluss darüber, welchen Zweck die Festplatte erfüllte.

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