Aachen - Grenzlandtheater: Von „Hallo, Dolly!“ bis zur „Todesfalle“

Grenzlandtheater: Von „Hallo, Dolly!“ bis zur „Todesfalle“

Von: Eckhard Hoog
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Sie können eine ebenso stolze Bilanz des Geschäftsjahres 2014 wie einen spannenden Spielplan für die kommende Saison vorlegen: (von links) Grenzlandtheater-Intendant Uwe Brandt, Dramaturgin Anja Junski und der kaufmännische Geschäftsführer, Hermann Fuchs. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Wie das Leben so spielt – mal tragisch, mal heiter, bisweilen gefährlich, auf jeden Fall immer wieder spannend: Der neue Spielplan des Aachener Grenzlandtheaters bietet wieder einmal einen bewährten Mix hochinteressanter Geschichten, Themen und Probleme.

Intendant Uwe Brandt, Dramaturgin Anja Junski und Geschäftsführer Hermann Fuchs stellten das Programm der kommenden Saison am Freitag vor.

Zahlen, die beeindrucken: 3,23 Euro – so hoch ist der öffentliche Zuschuss pro Besucher im Aachener Grenzlandtheater. Der Durchschnitt für die Bühnen in Nordrhein-Westfalen: 120,66 Euro pro Ticket.

Der Vergleich hinkt allerdings ganz gewaltig, das betont selbst Uwe Brandt. Beim Grenzlandtheater gehört der geringe Zuschuss schließlich zum System und zur Struktur zwingend dazu – hier werden die Poduktionen en suite, zeitlich an einem Stück durchgespielt, ohne großen Bühnenapparat und ohne festes Ensemble. Das spart. Zwei Drittel der Aufwendungen von 2,6 Millionen Euro werden selbst eingespielt.

Das Land NRW steuert gerade mal 262.000 Euro pro Jahr bei, da liegt der Förderverein noch höher mit 660.000 Euro. Pro Vorstellung kommen durchschnittlich 207 Besucher, das bedeutet eine Auslastung von 94,89 Prozent. So schön sich dieses Ergebnis anhört, das Hermann Fuchs, der kaufmännische Geschäftsführer, verkünden konnte, so dringend nötig ist es aber auch – wie Uwe Brandt betont.

„Der Druck ist immer da.“ Sprich: Das Grenzlandtheater muss jedes Jahr eine solch vergleichsweise herausragende Bilanz ziehen können, ansonsten wäre die Existenz gefährdet. Das liegt eben am System – mehr Geld ist von öffentlicher Seite nicht herauszuholen.

Preiserhöhung: Und damit kommt auch schon der Wermutstropfen ins Spiel, der den stolzen neuen Spielplan begleitet. Alles ist teurer geworden, die Preise sind gestiegen: die Tarife, Mieten, die Unterbringungskosten für die rund 80 Schauspieler pro Saison, die Transportkosten und und und. Um sechs Prozent werden die Ticket- und Abopreise deshalb erhöht.

In der Klasse A kostet demnach ein Abo statt 161,60 Euro wie bislang künftig 171,50 Euro, die Einzelkarte statt 22,60 Euro ab der neuen Saison 24 Euro. Hält man sich den Unterschied aber einmal bildhaft vor Augen, dann kann man die Steigerung nur als moderat bezeichnen. 1,40 Euro pro Theaterabend mehr – ein einziges Glas Bier in der Gaststätte gegenüber kostet schon mehr. Das sollte sich verkraften lassen.

Musical: Im Gesamtprogramm ist diese Nummer in der Regel immer der publikumsstarke Knüller – diesmal heißt er „Hallo, Dolly!“, eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten. So zeitlos witzig und reich gesegnet mit Ohrwürmern – die 51 Jahre, die das Stück nach einer Komödie von Thornton Wilder auf dem Buckel hat, merkt man ihm nicht an. Der Garant für den Erfolg im Grenzlandtheater heißt wieder einmal Ulrich Wiggers, der als Regisseur hier zuletzt mit „Cabaret“ einen Publikumsrenner hingelegt hat.

Krimi: Mit der „Todesfalle“ ist Hochspannung angesagt. Autor ist kein Geringerer als der New Yorker Schriftsteller Ira Levin, der spätestens mit „Rosemary‘s Baby“ Weltruhm erlangte. Die „Todesfalle“ – im Original „Deathtrap“ – war 1979 am Broadway einer der größten Erfolge aller Zeiten, eine schwarze Komödie mit gruseligen Horrorelementen. Da überlegt ein Krimiautor, ob er seinen Studenten, der ihm einen sensationellen Krimitext vorgelegt hat, umbringen soll, um den Roman unter dem eigenen Namen herauszubringen . . .

Komödie: Keine Frage – die darf im Angebot des Grenzlandtheaters nicht fehlen. Eine von zweien ist „Noch einmal, aber besser“ von Michael Engler – die Geschichte einer gescheiterten Ehe, die nach einem Unfall von Thomas eine ungeahnte Wendung nimmt. Die Botschaft berührt: Es gibt fast immer eine zweite Chance im Leben . . .

Klassiker: So wird der Spielplan rund – mit Eugene O‘Neills „Eines langen Tages Reise in die Nacht“.Da denkt man doch gleich an Ka-therine Hepburn und Sidney Lumet, der das Stück 1962 verfilmt hat. Mit „Blut und Tränen, geboren aus frühem Schmerz“ geschrieben – mit diesen Worten formulierte der Autor selbst den autobiografischen Bezug zu der Geschichte, die das Leben und Leiden einer amerikanischen Familie am Beispiel eines einzigen Tages beschreibt.

Drama: Bei dieser Vielfalt der Genres ist wirklich für jeden ein spannender Stoff dabei. „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde dürfte genau recht sein für den, der sich einmal richtig packen lassen will von so zeitlosen Themen wie Jugendwahn und Dekadenz, Sinnlichkeit und Begierde. Unfassbar: Nach Wildes gleichnamigem Roman entstanden mindestens zwölf Ballett-, sechs Opern-, neun Musical-, 25 Bühnenfassungen, 17 Verfilmungen und fünf Hörspiele. Selbst Diskotheken wurden nach „Dorian Gray“ benannt – jenem Mann, dem der verhängnisvolle Wunsch gewährt wird, dass sein gemaltes Porträt altert, er selbst aber ewige Jugend und Schönheit bewahrt.

Neue Abos: Das Grenzlandtheater vergibt neue Abos! Eine zweistellige Zahl im oberen Bereich steht im Raum. Zu ergattern sind sie bei persönlicher Vorstellung im Theater an zwei Tagen: am 16. Mai von 10 bis 16 Uhr und am 18. Mai von 10 bis 13 und 17 bis 19 Uhr. Ansonsten weist Uwe Brandt dringend darauf hin, dass es selbst bei 95-prozentiger Auslastung für fast jede Vorstellung immer noch Karten gibt. Fragen lohnt sich auf jeden Fall. Tickets auch beim Kundenservice des Medienhauses Zeitungsverlag Aachen.

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