Grenzlandtheater verspricht bewährte Inhalte und neue „Verpackung“

Von: Jenny Schmetz
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Noch mal auf die knarzenden Sitze: Intendant Uwe Brandt (M.), Dramaturgin Anja Junski und Geschäftsführer Hermann Fuchs. Foto: H. Krömer

Aachen. Da weiß der Zuschauer wieder, was ihn erwartet? Denkste! Zwar bietet das Aachener Grenzlandtheater auch in der kommenden Saison den altbewährten Mix aus Musical und Kammerspiel, Komödie und Klassikern – aber die „Verpackung“ wird modernisiert.

„Wir werden den Theatersaal komplett neu gestalten“, kündigt Intendant Uwe Brandt an. Immerhin haben die Sitze seit der Neueröffnung in der Elisengalerie auch schon 20 Jahre auf den blauen Polstern. Sie und das helle Holz sollen raus, rein kommen schwarze Stühle mit Polstern so „theaterrot“ wie ein Vorhang, meint Brandt.

Aber den wird es weiterhin nicht geben, und es bleibt auch bei 218 Plätzen und der reizvollen Nähe zur Handtuch-Bühne. An deren geringen Ausmaßen ändert sich ebenso nix. Mehr Platz ist da einfach nicht. Das Ziel: kein Stühleknarzen und keine Stolperfallen mehr. Die Kosten von rund 220 000 Euro will das Haus selbst stemmen. Auch das Foyer soll „offener und einladender“ gestaltet werden, aber ob auch das bis zum Saisonstart klappt, ist noch unklar.

Start: Los gehte_SSRqs in Aachen am 21. August (und danach auf Abstechern in der Region) mit „Der talentierte Mr. Ripley“ nach Patricia Highsmiths Psychothriller. Ihr charmanter Hochstapler und kaltblütiger Mörder sorgte auch schon im Kino mit Matt Damon oder Alain Delon für Suspense-Sog. Cineasten dürften sich öfter freuen.

Musical: Das französische Musical „Irma la Douce“, das mit der süßen Prostituierten ins Paris der 50er Jahre lockt, wurde weltweit bekannt durch Billy Wilders Film mit Shirley MacLaine und Jack Lemmon. Intendant Brandt verspricht ein „Update“. Regie führt Ulrich Wiggers – wer sonst? – zum 16. Mal am Grenzlandtheater.

Klassiker: Auch ein Kino-Klassiker der 70er Jahre erobert die kleine Bühne – in „Szenen einer Ehe“ seziert Ingmar Bergman das Scheitern eines Paars. Noch ältere Beziehungsprobleme bietet das Versdrama „Cyrano de Bergerac“ (Regie: Wiggers, die 17.) über den unglücklich verliebten Dichter mit dem Riesenzinken. Brandt sucht noch einen Hauptdarsteller.

Wie wäre es mit ihm selbst, er hat die Rolle doch schon 2004 am Das Da Theater gespielt und verfügt über Bühnenerfahrungen auch als Sänger? „Kein Thema!“, meint der 51-Jährige mit einem Grinsen. Obwohl: „Die Nase habe ich noch!“

Komödien: Inszenieren wird der Intendant allerdings schon – „Paulette“, auch französisch, auch ein Kinohit. Es geht um eine etwas andere Oma, die Drogen vertickt. „Winterrose“ ist ebenfalls ein komisches Kammerspiel mit Seniorenbesetzung – „wat fürs Herz“, verspricht Brandt.

Neue Stücke: Gerade erst in Düsseldorf von Sönke Wortmann uraufgeführt wurde „Willkommen“ von Lutz Hübner, in Aachen ein alter Bekannter („Frau Müller muss weg“, „Nachtgeschichte“). Benny mischt seine WG mit dem Plan auf, sein Zimmer zeitweise an Geflüchtete zu vermieten. Pointenreiche Dialoge am Rande des politisch Korrekten sind zu erwarten. Noch recht frisch ist auch die Bühnenversion des Psychotrillers „Der Seelenbrecher“ von Bestsellerautor Sebastian Fitzek.

Abos: Rund 7000 Abonnenten zählt das Grenzlandtheater; eine „kleine Anzahl“ von Abos ist ab sofort an der Theaterkasse zu ergattern. Vor allem aus Altersgründen werden sie abgegeben, sagt Brandt. Im Schnitt schätzt er sein Publikum auf Ü50. Für den Nachwuchs sorgt aber auch das junge Grenzlandtheater (Greta): Kleists „Kohlhaas“ und Defoes „Robinson“ sollen ans Heute andocken.

Zahlen: Für das Jahr 2016 kann der kaufmännische Geschäftsführer Hermann Fuchs einen Greta-Rekord melden: 60 Schulvorstellungen mit 6803 Kids. Bei den Erwachsenen verbucht er 80 899 Zuschauer und in Aachen eine Auslastung von 94,5 Prozent – „wirklich gut“, aber etwas weniger als im Vorjahr.

Ein paar Plätze hat das erfolgreiche Haus also sicherlich auch kommende Saison noch frei. Und beim Sitzen offeriert der Intendant „deutlich mehr Komfort“.

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