Grenzlandtheater startet mit „Gaslicht” in neue Spielzeit

Von: Grit Schorn
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Ehekrach im Grenzlandtheater:
Ehekrach im Grenzlandtheater: Madeleine Niesche und Thomas Kemper in „Gaslicht”. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Auf der bequemen Ottomane räkelt sich der Hausherr und liest Zeitung. Doch die Ruhe währt nicht lange in diesem viktorianischen Ambiente, das Barbara Krott so liebevoll und tatsächlich „malerisch” ins Bühnenbild des Aachener Grenzlandtheaters einbringt.

Denn Mr. Manningham führt ein strenges Regiment, nicht unbedingt bei den Domestiken, sondern im Umgang mit seiner Frau Bella. Die wirkt unstet, ängstlich und verwirrt. Hat sie schon wieder ein Schriftstück verlegt, wie ihr Gatte ihr vorwirft? Das freche Hausmädchen ist da wahrlich keine Hilfe, denn Nancy hält lieber zum Hausherrn als zu der labilen Frau, die langsam an ihrem eigenen Verstand zweifelt.

Nur ihre Dienerin Elisabeth scheint ihr noch beizustehen. Als der pensionierte Scotland-Yard-Polizist Rough die verzweifelte Bella aufsucht, bahnt sich die Wende an. Der brutale Mord, der vor 20 Jahren im Manningham-Haus geschah, hat den geschulten Detektiv nie losgelassen, denn der Mörder wurde nie gefasst. Vieles weist jetzt auf Jack Manningham hin, aber Bella kann das nicht glauben. Immer spannender wird die Geschichte - und das nicht nur, wenn die Gaslampen flackern.

Unter dem Titel „Das Haus der Lady Alquist” war die Verfilmung des 1939 in London uraufgeführten Bühnenstücks „Gaslicht” von Patrick Hamilton mit Stars wie Ingrid Bergman und Charles Boyer 1944 ein internationaler Erfolg. Anja Junskis straffe Inszenierung des fesselnden Kriminalstücks ist nun ein gelungener Einstand in die neue Spielzeit des Grenzlandtheaters. Feiner Humor, gut eingesetzte Spannungselemente und die exzellenten Dialoge machen das wunderbar altmodische Stück zum Vergnügen.

Subtil und doch kraftvoll imponiert Madeleine Niesche als vermeintlich zerbrechliche Ehefrau, die aber immer mehr Mut und Entschlossenheit aufbringt und sich von ihren Ängsten, wie ihre Mutter geisteskrank zu werden, befreien kann. Auch Bellas Kleidung (kongeniale Kostüme von Barbara Krott) wandelt sich dramatisch - bis hin zu blutrot. Glänzend auch Thomas Kemper als zwielichtiger Jack, der alle Menschen skrupellos für seine Zwecke benutzt.

Hans-Gerd Kilbinger, gern gesehener Gast am Grenzlandtheater, hat als scharfsinniger Detektiv einen schönen Auftritt. Köstlich die Versteckszenen mit ihm und Jutta Schmidt als Bellas Vertrauter Elisabeth - in einer geräumigen Kleiderkammer. Schön übergriffig im Wortsinne zeigt sich Grete Melzer als so freches wie verführerisches Hausmädchen Nancy.

Kein schwerer Theaterabend, sondern genau das Richtige zum Saisonauftakt: Im viktorianischen Dämmerlicht gedeihen Spuk und Verbrechen, doch Scotland Yard und eine tapfere Frau lösen jeden Fall . . . Viel Beifall bis hin zu Standing Ovations.

„Gaslicht” ist noch bis zum 13. September jeweils um 20 Uhr im Aachener Grenzlandtheater in der Elisengalerie zu sehen, am 1. und am 8. September auch um 16 Uhr.

Vom 15. bis 26. Septembergeht das Ensemble dann auf Tournee durch die Region.

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