Grenzlandtheater probt das Musical „Der kleine Horrorladen”

Von: Eckhard Hoog
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Allein das beteiligte Personal um Grenzlandtheater-Intendant Uwe Brandt (oben links) beweist: Das Musical „Der kleine Horrorladen” mit der Monsterpflanze „Audrey 2” (Mitte) im Blumenladen wird eine aufwendige Produktion. Galapremiere ist am 11. Dezember. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Ein spannendes Stück, tolle Typen, ein modernes, verrücktes Märchen” - so schwärmt Uwe Brandt, Chef des Aachener Grenzlandtheaters, von der nächsten Produktion seines Hauses, die einen weiteren Höhepunkt in seiner noch jungen Intendanz darstellen soll.

Ein Musical zum Ende des Jahres, das ist seit langem Tradition im Grenzlandtheater. Für Brandt eine Selbstverständlichkeit, daran festzuhalten und gerne dem Wunsch des Publikums entgegen zu kommen. Was er jetzt anbietet, ist selbst für gestandene Musicaldarsteller offenbar ein ganz besonders attraktiver Leckerbissen: „Zum Casting kamen sie von Salzburg, Leipzig - von überallher, sie rannten uns die Bude ein.”

1982 in New York uraufgeführt

Es ist „Der kleine Horrorladen”, jenes 1982 in New York uraufgeführte Musical von Alan Menken (Musik) und Howard Ashman (Buch und Liedertexte), das Bühnenkünstler wie Publikum gleichmaßen magisch anzieht. In Deutschland gehört es zu den am häufigsten aufgeführten Musicals ohne festen Spielort. „Einmal die Audrey spielen, oder den Seymour - das ist der Traum eines jeden Darstellers”, sagt Anatol Preissler, den Brandt als Regisseur verpflichten konnte, einen absoluten Profi mit über 70 Produktionen im Kreuz. Die Liste der namhaften Schauspieler, mit denen er zusammengearbeitet hat, liest sich wie das „Who´s who” der populären Spitzenriege: Joachim Fuchsberger, Renan Demirkan, Barbara Wussow und wie sie alle heißen.

„Dabei ist Der kleine Horrorladen musikalisch hochkompliziert”, empfindet Stephan Ohm, der musikalische Leiter, seine Aufgabe durchaus als Herausforderung. Der Mann muss es wissen: Als Komponist, Arrangeur, Dirigent und Pianist kann er das Wagnis, gerade dieses Stück zu produzieren, bestens einschätzen. Allerdings darf ihm das Grenzlandtheater-Publikum das Gelingen ohne Einschränkung zutrauen: Als musikalischer Chef von „Non(n)sens”, „Non(n)sens II”, „Piaf”, „Ab heute heißt du Sarah”, „Ghetto” und „Cabaret” hat er hier bereits mehrfach für Furore gesorgt. Beste Voraussetzungen also, dass auch „Der kleine Horrorladen” ein Knüller der Saison wird.

Montagmorgen, 10 Uhr, Probebühne Grenzlandtheater - über einem typischen Studentenlokal im Aachener Pontviertel gelegen. Das Team gibt dem Besucher einen ersten Einblick in zwei Szenen. Schauplatz fast des ganzen Stücks ist Mr. Mushniks Blumenladen, downtown New York. Das Geschäft ist fast pleite - da wird es unverhofft von einer geheimnisvollen Pflanze des Angestellten Seymour zu ungeahnter Blüte gebracht. Das Pflänzchen wächst sich gewaltig aus und lockt die Kunden magisch an - bis zum überraschenden Ende... Aber bis dahin geht noch viel Herz, Schmerz, Gier, Liebe und Leidenschaft über die Bühne - verbunden mit Tanz und Songs, von denen das Ensemble einen vielversprechenden Eindruck gibt.

Perfekt legen Dagmar Bernhard, Verena Raab, Daniela Grubert und Jenny Woo eine Choreographie (Marga Render) auf der bis auf den Zentimeter genau nachgebauten Originalbühne des Grenzlandtheaters hin - mit herrlich ironischem Witz. Der durchzieht offenbar das ganze Stück mit einem kräftigen Augenzwinkern, so dass der „Horror” zum reinsten Vergnügen wird.

Jedenfalls beweist das schon einmal Stefan Kiefer als Zahnarzt Orin - die Namensverbindung ist reiner Zufall! -, der als sadistischer Liebhaber seine Audry, gespielt von Dagmar Bernhard, knechtet. Allerdings so liebevoll selbstironisch, das es ein Spaß ist, seinem komischen Mienenspiel zuzuschauen. Und wenn Seymour alias Fehmi Göklü seine heißgeliebte Pflanze anbetet: „Folg´ deinem Trieb, sei lieb, wachs für mich, ich hab´ Laub gehäckselt” - dann rollen beim Zuschauer garantiert keine Tränen der Rührung.

Monsterplanze mit Stimme

Die Monsterplanze - von Seymour „Audrey 2” getauft - ist eine Geschichte für sich, und wahrhaft nicht nur, was ihre wachsend-wechselnde Gestalt im Bühnenbild von Karel Spanhak angeht. Das eigentümliche Flora-Phänomen verfügt nämlich auch über eine Stimme, eine ganz besondere Stimme, die man in Aachen und Umgebung bestens kennt: Jupp Ebert heißt das linguale Pendant zu „Audrey 2”. Er singt und spricht für sie im Hintergrund, der Mann, der bereits an der Seite von Joe Cocker, Lionel Ritchie und Jennifer Rush auf der Bühne stand. Für Alemannia Aachen sang er 1999 die Vereinshymne „You never walk alleng”. Nun verleiht er „Audrey 2” mit viel Spaß an der Sache kernig ein ungeahnt pralles stimmliches Leben. Allein das zu erleben, scheint schon jetzt ein „Muss” zu sein, dem „Kleinen Horrorladen” einen Besuch abzustatten.

Das Ganze ist eine absolut originale Produktion weit jenseits der Verfilmung von Roger Corman von 1960. Anatol Preissler betont, dass die zeitlichen Verhältnisse unseres Hier und Jetzt den Hintergrund bilden, und das Grenzlandtheater mit seiner Bühne sowieso einen ganz besonderen, individuellen Zuschnitt nötig macht. So jedenfalls wird man den „Kleinen Horrorladen” noch nirgendwo erlebt haben.

Die Aufführungstermine der Musicalproduktion „Der kleine Horrorladen” des Grenzlandtheaters:

10. Dezember, 20 Uhr: Voraufführung in der Elisen-Galerie, Aachen.
11. Dezember, 20 Uhr: Galapremiere in der Elisen-Galerie.
12. Dezember bis 18. Januar, 20 Uhr: Elisen-Galerie.
19. Dezember: auch um 16 Uhr.
31. Dezember: um 17 und um 20.30 Uhr, Elisen-Galerie.

Keine Vorstellungen Weihnachten, 24., 25. Dezember, und Neujahr, 1. Januar. Weitere Aufführungstermine: vom 20. Januar bis zum 1. Februar in der Region, Beginn der Vorstellungen jeweils 20 Uhr. Karten: 0241/4746111.
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