Grandioses Quintett auf Burg Wilhelmstein

Von: Axel Borrenkott
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Sie heizten dem Publikum auf B
Sie heizten dem Publikum auf Burg Wilhelmstein gehörig ein, umgeben von weiteren ganz hervorragenden Musikern: Randy Brecker (links) und Bill Evans. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Und immer schön auf die Zwei und auf die Vier. Der rhythmische Verhau, gegen den Musiker beim Mitklatschen meist gerade an den schönsten Stellen anspielen müssen, blieb diesem grandiosen Quintett erspart. Randy Brecker, Bill Evans, John Medewski, Billy Martin und Chris Wood werden ein sehr musikalisches Publikum auf Burg Wilhelmstein in Erinnerung behalten.

Bei dieser Besetzung konnte auch gar nichts schiefgehen. Evans, auf Tenor- und Sopransaxophon, und Brecker, der Trompeter, beide tief im Jazz-Becken getauft, gehören seit drei bis vier Jahrzehnten zur allerersten Garde von Bläsern, die bei allem Einheizen nie nur mit Wasser kochen.

Rockjazzig im feinsten Sinne, kompatibel für Miles Davis und Bruce Springsteen gleichermaßen, verlieren beide nie die musikalische Qualität ihrer Improvisationen aus dem Auge. Das letzte Stück Gefälligkeit geben sie dem Publikum nicht, das ist der Reiz solcher Grenzgänger in Zeiten, wo sich „reiner Jazz” schlecht verkaufen lässt.

Dankbares Publikum

Dass sie das dankbare Publikum (rund 450 Zuhörer im nicht ganz vollen Atrium) im Griff haben, wissen sie eh. Brecker wirkt allein durch seine Körperfülle grundsätzlich freundlich und darf sich, auch schon 65, öfter mal eine Auszeit auf dem Hocker gönnen, während Evans (52) lange, locker und selbstironisch (über das scheußliche ewige Orange seiner T-Shirts) die Musiker vorstellt. Erstaunliche 20 Jahre, erfährt man bei dieser Gelegenheit, sind Medewski, Martin und Wood (MM&W) - so firmieren sie als Band - schon zusammen.

Hierzulande eher als kongeniale Partner von John Scofield bekannt, sind sie die eigentliche Attraktion des Abends. Sie können auf ihren Instrumenten auch alles, spielen es aber, eine knappe Generation jünger als Brecker und Evans, noch raffinierter nie ganz aus - von Medewskis herrlichen Ausflügen auf der B-3-Orgel einmal abgesehen.

Billy Martin kultiviert ein geniales Understatement auf dem Schlagzeug und groovt dabei mit Chris Wood am (Elektro- und Kontra-)Bass wie der sprichwörtliche Teufel: nämlich im Untergrund, wo es richtig brodelt. Geradezu nachhaltig. Nur ihre sonstigen Verrücktheiten konnten sie hier nicht ausspielen. Dieses Trio sollte man mal nach Burg Wilhelmstein holen. Das Publikum wird wieder richtig klatschen.
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