Grandiose Ausstellung: Ein Star schlüpft in die Haut von Stars

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Monschau. Wer kennt diese Bilder nicht: Albert Einstein, das Genie, wie er die Zunge herausstreckt, Marilyn Monroe, der Vamp, in der poppig-grellen Version von Andy Warhol, Salvador Dalí, der Hochnäsige, mit seinem angespitzten Schnurrbart, Che Guevara, der Visionär, wie er sehnsüchtig in die Ferne starrt. Allein: Irgendetwas stimmt nicht bei all den Aufnahmen. Ein charakterstarker Gesichtszug drängt sich irgendwie heimlich, kaum wahrnehmbar und doch immer wieder deutlich nach vorn…

Wer kennt diese Bilder nicht: Albert Einstein, das Genie, wie er die Zunge herausstreckt, Marilyn Monroe, der Vamp, in der poppig-grellen Version von Andy Warhol, Salvador Dalí, der Hochnäsige, mit seinem angespitzten Schnurrbart, Che Guevara, der Visionär, wie er sehnsüchtig in die Ferne starrt. Allein: Irgendetwas stimmt nicht bei all den Aufnahmen. Ein charakterstarker Gesichtszug drängt sich irgendwie heimlich, kaum wahrnehmbar und doch immer wieder deutlich nach vorn…

Was für eine phänomenale Idee – darauf muss man erst einmal kommen: 2013 fällt sie dem amerikanischen Fotografen Sandro Miller ein: Ikonen der Fotografiegeschichte, die ihn im Verlauf seiner eigenen Karriere inspiriert haben, nachzustellen – und zwar mit einem Freund, den er seit fast 20 Jahren kennt: John Malkovich, dem berühmten Hollywoodschauspieler.

Er soll Modell stehen und all die so trefflich abgelichteten legendären Stars darstellen, von Muhammad Ali über John Lennon bis zu Alfred Hitchcock und Mick Jagger. Tatsächlich dauert es Monate der Vorbereitung, um das Projekt zu verwirklichen.

Weltweite Schlagzeilen

Als dann aber die Ausstellung „Sandro Miller: Malkovich, Malkovich, Malkovich – Hommage to Photographic Masters“ am 7. November 2014 in der Catherine Edelman Gallery in Chicago eröffnet wird, da macht sie weltweite Schlagzeilen. Die Schau, ein einziger Blockbuster, reist anschließend nach Los Angeles, New York, Dallas, Paris, Italien, Málaga, zuletzt Zagreb, demnächst nach Madrid, um danach wieder in die USA zurückzukehren.

Doch zwischendurch, und zwar ab Sonntag, macht sie nach Zagreb auch ein einziges Mal Station in Deutschland – nein, nicht etwa in Berlin im Martin-Gropius-Bau, auch nicht in München oder Hamburg, sondern in Monschau, im Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen (KuK).

Dessen Leiterin Nina Mika-Helfmeier hat wieder einmal das schier Unmögliche möglich gemacht und diese fabelhafte Ausstellung an Land gezogen. Ein grandioses Renommee, das sie sich in den letzten Jahren erarbeitet hat, und ein verlässlich aufgebautes internationales Netzwerk, bestehend aus Fotokünstlern, Galerien, Experten und Museen in München, Berlin, Herford, Paris, Madrid, Brüssel und New York waren die Türöffner.

Da sind sie nun also alle versammelt: Ernest Hemingway, wie er 1957 von Yousuf Karsh fotografiert wurde, Che Guevara, 1960 aufgenommen von Alberto Korda, Salvador Dalí, 1954 in Pose gesetzt von Philippe Halsman, Truman Capote, 1948 fotografiert von Irving Penn, Sandro Millers Lehrmeister, Marylin Monroe gleich zweimal, 1962 porträtiert von Bert Stern und in dem weltberühmten Siebdruck Andy Warhols von 1962.

Der unfassbare Witz dabei ist: Man sieht tatsächlich immer nur den einen Mann – John Malkovich. „John ist die brillanteste, produktivste Person, die ich kenne“, schwärmte Sandro Miller von seinem Freund. „Seine Genialität sucht ihresgleichen. Ich schlage ihm eine bestimmte Stimmungslage oder Idee vor, und innerhalb von Sekunden verwandelt er sich direkt vor meinen Augen buchstäblich in diesen Charakter.“

Acht Monate Vorbereitungszeit gehen dem Projekt voraus, ehe die über 40 Aufnahmen mit Malkovich im Kasten sind. Ein Film über das „Making of“ dokumentiert im KuK, wie unglaublich intensiv Miller und Malkovich an ihre Aufgabe herangegangen sind. Jedes Detail der historischen Aufnahmen hat Miller recherchiert, um dem jeweiligen Original so nahe wie möglich zu kommen.

Kulissen, Kleidung, Make-up – für all das engagiert er Experten, Haar- und Make-up-Spezialisten, Stylisten und Bühnenbildner. Requisiten lässt er nachbauen. Vor allem aber: „John Malkovich ist ein Perfektionist“, erklärt Nina Mika-Helfmeier. „Er studierte genau die darzustellenden Persönlichkeiten, ihre Gestik und Mimik, ihren Gesichtsausdruck und ihre Körperhaltung.“

Dabei dachte Miller aber keineswegs an einen Spaß oder an eine bloße Parodie – ganz im Gegenteil. Es sollte eine „Hommage to Photographic Masters“ sein, wie es eben im Titel der Ausstellung dann zum Ausdruck gekommen ist. Eine Ehrbezeugung gegenüber all den Klassikern der Fotografie: Annie Leibovitz und Diane Arbus, Dorothea Lange und Herb Ritts, Irving Penn, Horst P. Horst, Robert Mapplethorpe, und wie sie alle heißen.

Viele der Originalfotos haben eine eigene Geschichte, die buchstäblich das Leben schrieb. Splitternackt liegt Malkovich als John Lennon halb über seiner Yoko Ono in inniger Umarmung, festgehalten am 8. Dezember 1980 für das Rolling-Stone-Magazin von Annie Leibovitz. Überliefert ist John Lennons Satz gegenüber der Fotografin: „Du hast unsere Beziehung genau erfasst.“

Es soll die letzte Aufnahme von dem Ex-Beatle sein – fünf Stunden später wird er in New York von Marc David Chapman erschossen. Kurz zuvor hat er ihm noch ein Autogramm gegeben. Die dramatischen Ereignisse geben dem Bild noch mehr Bedeutung, als es ohnehin schon hat.

Ebenso nackt, in Rückenansicht, steht Malkovich als Simone de Beauvoir vor dem Badezimmerspiegel – im Original 1950 fotografiert von Art Shay. Im ersten Batman-Film von Tim Burton (1989) spielte Jack Nicholson den Erzschurken „Joker“. Herb Ritts hat Nicholson 1988 in der Maske des Wahnsinnigen eine ganze Serie gewidmet – unfassbar glaubhaft: Malkovich wirkt mit den originalgetreu nachgestellten Fratzen mindestens ebenso irre.

Zwei Flaschen Wein

Um das grandiose Projekt rankt sich eine amüsante Anekdote, wie es zustande gekommen sein soll. Danach flog Miller nach Frankreich, wo Malkovich einen Zweitwohnsitz hatte, um ihn von dem gewagten Projekt zu überzeugen. Nach zwei Flaschen Wein war der Schauspieler in der rechten Stimmung, um ihm die Fotos zu zeigen, die Miller mitgebracht hatte: 30 weltbekannte Aufnahmen von 28 Meisterfotografen. Malkovich war von der Idee begeistert …

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