Grammy-Preisträger spielt mit dem Sinfonieorchester Aachen

Von: Lars Wallerang
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Ein Ausnahmegeiger mit seinem Ausnahmeinstrument: Grammy-Preisträger Augustin Hadelich spielt auf einer Stradivari. Anfang Mai ist er beim 7. Sinfoniekonzert in Aachen zu erleben. Foto: Rosalie O‘Connor

Aachen. Die Karriere stand auf der Kippe. Das einstige Geigen-Wunderkind Augustin Hadelich, heute 31 Jahre alt, erlitt durch eine Explosion im Elternhaus schwerste Verbrennungen. Damals war er ein 15-jähriger Junge mit glänzenden Voraussetzungen für die Musikerlaufbahn.

Oberkörper, Gesicht und Hände wurden schwer verletzt. Doch der Teenager erholte sich. Nur die Brandnarben sind noch heute zu erkennen. Jetzt bekam Augustin Hadelich eine der größten Musikauszeichnungen der Welt, den Grammy für das beste klassische Instrumental-Album. Im 7. Sinfoniekonzert des Sinfonieorchesters Aachen am 8. und 9. Mai gastiert Hadelich als Solist im Eurogrss – das Konzert verspricht, ein einzigartiges Erlebnis zu werden.

Wie in einer anderen Welt

Seit Jahren blickt der Musiker nach vorn. Fragen zum Unfall beantwortet er ungern, auch die These, sein ungemein ausdrucksvolles Spiel habe etwas mit dem Schicksalsschlag zu tun, weist er von sich. Es gibt unter Musikfreunden die etwas makabere Vorstellung, schreckliche Erlebnisse würden die Kreativität fördern. Und in der Tat hatten viele große Musiker der Vergangenheit oft Schlimmes durchgemacht. Doch bleibt es wohl Spekulation, ob starke Expressivität beim Spielen zwingend etwas mit der Biografie des Künstlers zu tun haben muss.

Augustin Hadelich gehört zu den Ausnahmeerscheinungen in der Klassikszene: Sein Spiel und Auftreten besitzen wenig Showeffekt, und doch gerät das Publikum in Begeisterung. Bei seinen Live-Auftritten wirkt der Geiger mit den dichten dunklen Haaren wie versunken in einer anderen Welt. Seiner Stradivari „Ex-Kiesewetter“, Baujahr 1723, entlockt er Töne von märchenhafter Anziehungskraft. Er zieht die Aufmerksamkeit des Hörers direkt in die Wunderwelt der Musik hinein.

Ergebnis akribischer Arbeit

So denkt man während des Hörens weniger an die Kunst des Interpreten, sondern ist mitten drin in den Klanggefilden, die sich weit öffnen, wenn Hadelich den Bogen über die Saiten gleiten lässt. Man gewinnt den unwiderstehlichen Eindruck: Nicht er spielt, sondern es spielt aus ihm heraus. Natürlich ist all dies kein Mysterium, sondern Ergebnis akribischer Arbeit am Instrument.

In einem Interview hat Hadelich einmal gesagt, nach jedem Konzert mache er sich Notizen, um Fehler, die ihm selber aufgefallen seien, zu korrigieren. Doch technische Perfektion ist nur ein Teil seines Geigenspiels. Hadelich besitzt eine starke musikalische Persönlichkeit. Diese äußert sich in einem Klang, der nicht äußeren Glanz erzeugt, sondern geprägt ist von dunklen Farben. Dieser Sound passt bestens zu dem Werk auf der neuen CD, dem Violinkonzert des französischen Modernen Henri Dutilleux (1916-2013). Das Stück hat den Beinamen „L’Arbre des songes“ – „Die Träume des Baumes“ – und besitzt eine dunkle Grundstimmung. Von sanft verträumten Momenten bis zu stürmischen Passagen reicht das Stimmungsbarometer.

Der vom berühmten Seattle Symphony Orchestra unter der Leitung von Ludovic Morlot begleitete Geiger geht tief hinein in die verschiedenen Atmosphären, lässt die Violine mal balsamisch weich klingen, mal kernig kräftig. Aber selbst an den dissonantesten Stellen entfalten sich noch Schönklang und ein Hauch von Romantik.

Hadelich, der heute in New York lebt, wuchs kosmopolitisch auf. Der Sohn deutscher Eltern wurde im italienischen Cecina geboren. Er studierte in Italien, den USA und bei dem bekannten Geiger und Dirigenten Christoph Poppen, einst Primarius des brillanten, mittlerweile aufgelösten Cherubini-Quartetts. Bereits im frühesten Kindesalter fiel Augustin Hadelichs musikalische Hochbegabung auf, doch den internationalen Durchbruch hatte er erst im Erwachsenenalter, Jahre nach dem Unfall.

Beseelt und energiegeladen

Er ist regelmäßiger Gast bei den großen US-amerikanischen Orchestern. Wer vor einigen Jahren das Glück hatte, ihn in der Düsseldorfer Tonhalle zu erleben, war ergriffen von der uneitlen wie beseelten und energiegeladenen Art seines Spiels.

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