Aachen - Goldonis Komödie „Mirandolina“: Wenn eine Frau ihre Waffen sprechen lässt

Goldonis Komödie „Mirandolina“: Wenn eine Frau ihre Waffen sprechen lässt

Von: Eckhard Hoog
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Carlo Goldonis „Mirandolina“ als Open-Air-Aufführung des Das Da Theaters auf der Aachener Burg Frankenberg: mit (von links) Anne Noack als Mirandolina, Tobias Steffen als Marchese von Albafiorita, Mario Thomanek als Cavaliere Rippafratta, Bernhard Schnepf als Baron von Ciccio und Elena Lorenzon als Dejanira. Foto: Achim Bieler

Aachen. Die goldrote Sonne ist soeben hinter den Zinnen der Burg Frankenberg versunken, Musik hebt an – das Spiel beginnt. 90 Minuten später brandet begeisterter Applaus auf.

Das Publikum hat einen amüsanten, luftig-leichten Theaterabend unter freiem Himmel erlebt und dabei vom Das Da Theater genau den richtigen Stoff für eine solch schwerelose Vorstellung in romantischer Atmosphäre serviert bekommen: Carlo Goldonis Komödie „Mirandolina“.

Da stimmt einfach alles: ein spielfreudiges, komödiantisch bestens aufgelegtes Ensemble, eine mit Anne Noack fesselnd aufspielende Hauptdarstellerin, eine präzise Regie von Achim Bieler, die noch die turbulentesten Szenen unfallfrei über die Bühne steuert, historische Prunkkostüme wie aus Kleiderkammern zu Zeiten Madame Pompadours und ein fachgerecht gezimmertes Bühnengebäude mit vielen Türen und einem praktischen Dach, das selbst bei feuchteren Abenden das Weiterspielen möglich macht (Frank Rommerskirchen, Michaela Gabauer, Konni Müller).

Die Geschichte um eine von konkurrierenden Machos umgarnte Frau wird nicht etwa in gesellschaftskritischer Absicht in unsere Tage verlegt, um die Emanzipationsdebatte anzuheizen – es geht um Spaß, reinen Bühnenspaß, und das funktioniert. Was nicht ausschließt, dass sich am Ende auch aufschlussreiche Erkenntnisse über die ewige Geschichte Männer und Frauen, Liebe und Leidenschaft einstellen.

Klug erwehrt sich die verführerische Wirtin Mirandolina (Anne Noack) in ihrer Trattoria den Avancen des Baron von Ciccio (Bernhard Schnepf) und des Marchese von Albafiorita (Tobias Steffen). Allein der widerspenstige Cavaliere Rippafratta (Mario Thomanek), ein notorischer Frauenhasser, fordert sie zum – erfolgreichen –Einsatz der einschlägigen Waffen einer Frau heraus . . .

Das ist so witzig gemacht – mit Versteckspielen auf dem Bett unter der Decke oder hinter beständig auf- und zuklappenden Türen, mit selig machendem Wein, der selbst dem militantesten Frauenhasser das Herz öffnet, dazu der herrliche Wortwitz –, das Publikum lacht sich schief. Regie und Darsteller ziehen mit verblüffender Präzision alle Register an szenischer Burleske. Dann fällt auch noch Kellner Fabrizio (Toni Gojanovic) die gemeine Intrige ein, die eitlen Blaublüter mit zwei vermeintlich reichen Baronessen (Elena Lorenzon und Michelle Bray) übers Ohr zu hauen.

Die beiden furiosen Damen treiben mit ihren temperamentvollen Auftritten den Humor als Spektakel auf die Spitze. Da muss der Baron von Ciccio mit der ondulierten Perücke auf seinem Rollstuhl Prügel einstecken. Besondere Lacher ernten die Akteure, wenn sie aus dem Spiel heraustreten und das Ganze auch noch von außen kommentieren oder jeder einmal an der Reihe ist, einen Monolog zu halten.

Die charmante Verführerin mit gelegentlichen Haaren auf den Zähnen: Das ist Anne Noack als Mirandolina – umwerfend ihre Bühnenpräsenz. Toni Gojanovic steht ihr als Fabrizio in nichts nach. Er bringt mit seinem Temperament, den Gesten und überhaupt dem gesamten Auftreten augenzwinkernd neapolitanisches Flair auf die Burg. Fehlt nur noch der Duft von frischer Pizza. Bernhard Schnepf und Tobias Steffen karikieren kräftig und offensichtlich mit großem Vergnügen den Baron und den Marchese. Mario Thomanek bewältigt nicht nur seinen säuselnd-schwankenden Part als Betörter mit Bravour. Und Elena Lorenzon und Michelle Bray geben dem Ganzen als zickige Wandermimen zusätzlich Pfeffer.

Eine vergnügliche Produktion auf der Burg.

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