„Gold und Silber“-Konzert: Stimmung war schon mal besser

Von: Pedro Obiera
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Musikalisch stimmte die Mischung: Chöre und Sinfonieorchester beim „Gold und Silber“-Konzert im Eurogress . Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ungewohnt große Lücken im Parkett des Aachener Eurogress‘, keine Zugabe und ein sehr sympathischer, aber bisweilen zu betont lockerer Gaststar: Bei „Gold und Silber“, der beliebten Konzertreihe zum dritten Advent, überwog – zumindest beim Nachmittagskonzert – eindeutig das Silber. So richtig erwärmen wollte sich die Stimmung nicht.

Da konnte sich die Schauspielerin Elena Uhlig noch so sehr bemühen, das Publikum zu Mitsingen bekannter Weihnachtslieder zu animieren. Der Erfolg blieb bescheiden. Kein Wunder, wenn nur ein Bruchteil des Publikums an die sparsam ausgelegten Liedtexte gelangen konnte. Und dass Uhlig die ursprünglich vorgesehenen Erzählungen verwarf und auf zwei an sich pfiffige Texte von Gert Heidenreich zurückgriff, kam, dem matten Applaus nach zu schließen, auch nicht so recht an.

In den Kurzgeschichten „Leiser konnte Gott nicht“ und „Ich war nicht da“ präsentiert Heidenreich die Geburt Christi aus der Sicht des Esels und des Ochsen. Alles recht frech und gewitzt, aber auch kühl und bisweilen nur aufgesetzt komisch. Da musste Elena Uhlig mit ihrem Vortragsstil kräftig nachhelfen. Auch das nur mit mäßigem Erfolg.

Musikalisch überzeugend

Die Moderation einschließlich Weihnachtsgruß überließ Generalmusikdirektor Kazem Abdullah der Schauspielerin, die allzu oft damit kokettierte, von Musik nicht die geringste Ahnung zu haben. Das war nicht weiter schlimm, konnte doch die Mischung aus festlichen und andächtigen Klängen wie in den zurückliegenden Jahren überzeugen. Ein glanzvolles Medley in bombastischem amerikanischem Arrangement von Leroy Anderson eröffnete den Reigen, bevor es nach einem kurzen Gesang von Engelbert Humperdinck mit der etwas betulich vorgetragenen „Musikalischen Schlittenfahrt“ von Vater Leopold Mozart weiterging.

Nach den Bravour-Arien der Solo-Kantate „Exsultate, jubilate“ aus der Feder von Mozart Junior ging es in die Pause. Anspruchsvolle Aufgaben für die junge Sopranistin Jelena Raki, die mit ihrer jugendlichen Ausstrahlung und ihrer beweglichen Stimme an der Aachener Oper schon viel Vergnügen bereitete und auch mit den Koloraturen und Höhen von Mozarts schwieriger Kantate wenig Mühe hatte, mit dem weiten Tonumfang der für einen Kastraten vorgesehenen Partie freilich an ihre Grenzen stieß.

Die Sopranistin betrat nach der Pause zusammen mit der Mezzosopranistin Polina Artsis vertrautes Terrain mit dem „Abendsegen“ aus Humperdincks ultimativer Weihnachtsoper „Hänsel und Gretel“, den Abdullah noch durch die klangvoll wogende Traumpantomime ergänzte. Eine interessante Rarität bescherte das Aachener Orchester mit Otto Nicolais düster gestimmter Weihnachtsouvertüre über „Vom Himmel hoch“, die sich ganz langsam aus dem „Dunkel zum Licht“ erhebt und mit dem vom Chor angestimmten und hart, gar nicht sanft instrumentierten Choral mächtig endet. Für ungetrübten festlichen Glanz sorgte dann zum Abschluss Händels „Halleluja“, mit dem der Opernchor und der Sinfonische Chor Aachen ihre Beiträge zu dem musikalisch ansprechenden Programm krönten.

Der Beifall fiel recht kurz aus, wobei die Interpreten auch keinerlei Anstalten zu einer möglichen Zugabe erkennen ließen. Da war in den letzten Jahren schon mehr Stimmung im Eurogress zu spüren.

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